Bremer Brauerei

140 Jahre Beck's-Bier

Bremen. Das Traditionsbier Beck‘s gehört zu Bremen wie Speckflagge und Schlüssel. Vor 140 Jahren wurde die Beck‘s-Brauerei gegründet. Heute gehört sie zum weltgrößten Braukonzern Anheuser Busch-Inbev, der in Bremen seinen Deutschlandsitz hat.
27.06.2013, 05:00
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140 Jahre Beck's-Bier
Von Petra Sigge

Bremen. Beck‘s in der grünen Flasche – für viele gehört das Traditionsbier zu Bremen wie Speckflagge und Schlüssel. Vor 140 Jahren wurde die Beck‘s-Brauerei gegründet. Heute gehört sie zum weltgrößten Braukonzern Anheuser Busch-Inbev, der in Bremen seinen Deutschlandsitz hat. Gebraut wird Beck‘s längst nicht mehr nur in der Hansestadt, sondern überall auf der Welt.

Wer zum runden Geburtstag auf eine große Sause auf dem Marktplatz gehofft hatte, wird enttäuscht. Eine öffentliche Feier zum 140-jährigen Bestehen mit Freibier für alle wird es heute nicht geben. Wahre Beck‘s-Fans können aber bald mit Bierflaschen im Retro-Look anstoßen. Ab August wird eine limitierte Auflage mit dem Etikett aus Gründertagen in die Läden kommen. Glückwünsche gab es gestern schon mal vom Bremer Senat, übermittelt durch Wirtschaftssenator Martin Günthner. Er sieht in Beck’s einen "herausragenden Markenbotschafter für Bremen".

Während viele andere Brauereien mit sinkenden Umsatzzahlen zu kämpfen haben, freuen sich die Beck‘s-Brauer über steigende Absatzzahlen und Marktanteile. Bei den deutschen Biertrinkern ist da allerdings nur noch wenig zu holen. Der heimische Markt schrumpft seit Jahren. Beck’s hat hier einen Anteil von vier Prozent. Die Bremer Brauer leben vor allem vom internationalen Geschäft – und setzen damit eine alte Tradition fort. Schließlich war Beck‘s eine der ersten deutschen Biermarken die exportiert wurde.

Am 27. Juni 1873 hatten die Baumeister Lüder Rutenberg und Heinrich Beck mit dem Kaufmann Thomas May die Kaiserbrauerei Beck & May o.H.G. gegründet und sich schon früh auf den ausländischen Markt konzentriert. Um den Gerstensaft für den Transport haltbar zu machen, pasteurisierten die Bremer das Bier und ersetzten später die üblichen Holzfässer durch Edelstahlfässer. 1921 nannte sich die Kaiserbrauerei in Exportbrauerei Beck&Co um und produzierte fortan nur noch für das Ausland – bis der Zweite Weltkrieg die Produktion lahmlegte. Erst 1948 wurde bei Beck&Co wieder Bier gebraut, ab 1949 dann auch für den deutschen Markt.

Als 2001 der Verkauf der Bremer Traditionsbrauerei an den belgischen Konzern Inbev (damals noch Interbrew), bekannt wurde, gab es reichlich Spekulationen über die Zukunftschancen des Braustandorts, wenn künftig "Multis" das Sagen haben. Der damalige Brauereichef Dieter Ammer wiederum sah in dem Deal die einzige Chance für Beck&Co, doch noch in den Kreis der Global Player auf den Biermärkten dieser Welt vorzustoßen. Rund 3,5 Milliarden D-Mark war Interbrew der Kauf der Marke Beck‘s wert. Geld, das an anderer Stelle wieder eingespart werden musste. So wurden etwa Verwaltungsjobs aus Kostengründen nach Ungarn und Tschechien verlagert. Waren 2006 am Standort Bremen noch 1700 Mitarbeiter beschäftigt, sind es heute 1400.

Andere Unternehmenskultur

Mit der Übernahme in internationale Konzernstrukturen änderte sich einiges in der Unternehmenskultur. Englisch wurde zur Pflichtsprache. Von alten Traditionen verabschiedete man sich: Die Haake-Beck-Brauereipferde wurden ausgemustert. Der alte Beck&Co-Schriftzug am Verwaltungsgebäude wich dem Firmen-Namen Inbev, später "ABInBev". Manager kamen und gingen. Chris Cools leitet seit Februar 2010 die Geschäfte am Konzernstandort Bremen. Er war seit dem Ausscheiden von Beck‘s-Chef Dieter Ammer der sechste Deutschland-Chef des belgisch-brasilianischen Braukonzerns. Die neuen Chefs brachten auch neue Produkte auf den Markt – wie Beck‘s Gold und das Mixgetränk Beck‘s Green Lemon.

Beck‘s-Bier wird heute in mehr als 120 Ländern verkauft. 70 Prozent davon stammen noch aus hiesiger Produktion. Bremen ist damit nach wie vor der wichtigste Braustandort für die Marke – aber längst nicht mehr der einzige. Weltweit wird das Bier mittlerweile an 15 Standorten gebraut, "überall nach der gleichen Rezeptur mit den gleichen Zutaten" wie Cools versichert. Der Hopfen stammt aus der bayerischen Hallertau, die Hefe aus eigener Zucht, von den Braumeistern über Generationen gehegt und gepflegt. Seit 2012 wird Beck‘s-Bier auch in St. Louis, in den USA gebraut. Dafür wurden Produktionsmengen in Bremen abgezogen. Rund 600000 Hektoliter, mehr als ein Zehntel der Jahresproduktion. Weitere Verlagerungen seien aktuell nicht geplant, sagt Cools. "Wir schließen aber nichts aus."

Im Riesenreich des AB-Inbev-Konzerns gehört Beck‘s neben Budweiser, Corona und Stella Artois zu den vier weltweit wichtigsten Marken. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für den Standort Bremen, wie Deutschland-Chef Cools betont: "Wir profitieren vom weltweiten Vertriebs- und Marketingnetz von Anheuser-Busch Inbev. Ein Vorteil, um den uns unsere nationalen Wettbewerber, die allein vom langfristig rückläufigen deutschen Biermarkt abhängig sind, beneiden."

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