Maritime Woche 140 Teilnehmer bei Schiffsparade auf der Weser

Ein imposantes Bild bot sich am Sonnabend auf der Weser. 140 Boote und Schiffe nahmen an einer Parade teil. Und die zauberte nicht nur den Landratten ein Lächeln ins Gesicht.
23.09.2017, 20:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Vom Tuckerboot über edle Motorjachten bis zum Tretboot mit Windantrieb: Zur großen Schiffsparade bewegen sich am Sonnabend 140 schwimmende Untersätze an der Zuschauertribüne Schlachte entlang – mit Logenplätzen auf den Brücken für viele weitere hundert Zuschauer. Tatsächlich ist das Flottenaufkommen zur Maritimen Woche der City Initiative noch größer: Die Traditionsschiffe mit Masten biegen vor der Innenstadt ab zum Treffen im Europahafen.

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Rega Kerner und ihre Crew der „Noortje“ sind schon morgens im Vegesacker Hafen dabei. Ihr Verein „Kutter- und Museumshaven Vegesack“ lässt von Bürgermeisterin Karoline Linnert das Traditionsschiffstreffen vor dem Thielespeicher eröffnen. Die Bremerhavener Schiffergilde ist mit Schmuckstücken wie dem Zweimaster „Ella“ dabei, einem klassischen Segelschiff. Die Kogge „Ubena von Bremen“ hat bei null Windstärken einfach mal das neue Segel zur Hafenverschönerung gesetzt und zeigt das Stadtwappen von Bremerhaven stolz im ältesten künstlichen Hafenbecken Europas.

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"Der Reiz besteht darin, solch ein restauriertes Schiff zu präsentieren"

Die geplante Konvoifahrt wird wieder und wieder diskutiert: Da sind eben die Kogge und die „Ella“, die mit ihren drei Metern Tiefgang nicht bei jedem Wasserstand sicher aus dem Hafen kommen. Am Ende steht der Plan. Um 14.30 Uhr öffnet sich die Hafenbrücke, aber nun wird es für die „Noortje“ schon fast eine Schnellfahrt: Das historische Arbeitsschiff aus Danzig, Baujahr wahrscheinlich 1928, will schließlich um 16 Uhr vor der Stephanibrücke auch noch bei der Parade der Motorboote dabei sein.

„Noortje“ trötet heiser aus ihrer kleinen Schiffstrompete zum Tschüss-Sagen in Vegesack. An der Ochtummündung in die Weser hat der Segellogger „BV II Vegesack“ vom MTV Nautilus die Führung des Konvois der Vegesacker und Bremerhavener Schiffe übernommen. Die tiefgehenden Schiffe bilden die Nachhut. „Noortje“ schnauft tapfer im Mittelfeld. Die erfahrene Binnenschifferin Rega Kerner dirigiert ihre Passagiere immer wieder um, damit sie aus ihrem Steuerhaus etwas sehen kann und das 14,86 Meter lange Schiff nicht zu hecklastig, sondern optimal im Wasser liegt.

Vom Treiben an der Schlachte bekommen die vielen hundert Bootsfahrer vor der Stephanibrücke genauso wenig mit wie vom Musikprogramm der Maritimen Woche. Wieso macht man überhaupt bei einer Sache mit, bei der die Zuschauer so offensichtlich mehr geboten bekommen als die Akteure? Stefan Bader ist nicht nur der Cousin der Kapitänin, sondern auch ihr Maschinenpfleger: „Der Reiz besteht darin, solch ein restauriertes altes Schiff anderen Menschen zu zeigen, es zu präsentieren.“ Wenn man erst anfange, sich mit solch einem alten Schiff als Projekt zu beschäftigen, sei das wie eine Sucht: „Wenn irgendetwas nicht in Ordnung ist an dem Schiff, dann geht es einem auch nicht gut.“

Gänsemarsch auf der Weser

Der „Noortje“ geht es heute gut, findet auch Nika Schwebs, die einzige Passagierin, die nicht zu Rega Kerners Familie gehört. Schwebs ist selbst gerade mit einem Bekannten der beschriebenen Schiffssucht verfallen und restauriert mit ihm einen alten Marinekutter, Baujahr 1948. Als die „Noortje“ sich um 15.50 Uhr dem Riesenpulk der Boote nähert, moderiert sie aufgeregt das Erlebte in den Whats-App-Freundeskreis: „Ich bin als Bremerin noch nie vom Wasser aus von Vegesack nach Bremen reingefahren und finde es atemberaubend.“

Ein Boot der DLRG kreist einmal um den Oldtimer und begrüßt das 19-Tonnen-Stahlschiff als letzten Teilnehmer mit dem Wunsch, die „Noortje“ möge doch näher an die anderen Boote heranfahren. Ob es schon Bruch gegeben hat? Es sieht schließlich aus, als könne man ohne Brücke über das Wasser laufen. Die jungen Männer schütteln den Kopf: Alles ist bisher ohne Karambolagen gelaufen. Rega Kerner gibt dennoch kein Gas: „Wenn ich mit meinem Stahlrumpf erst mal Fahrt aufgenommen habe, kriege ich das Schiff wegen der Strömung nicht mehr eingefangen. Und dass wir hier die Plastikboote zusammenschieben, will schließlich auch keiner.“

Was folgt, ist ein Gänsemarsch von 140 Booten auf dem Wasser, oben von der Schlachte aus moderiert von Ansgar Langhorst und Erhard Köhler, dem Hafenmeister der Marina des Landesverbandes Motorbootsport Bremen, LMB. Köhler kennt praktisch jeden Bootstyp - und bei den kuriosen Exoten staunt er einfach selbst mit. Irgendwann ist auch die Begrüßung der „Noortje“ dran. Köhler: „Das ist ein Arbeitsboot aus den Zwanzigerjahren, das mit ganz viel Liebe neu aufgebaut worden ist. Begrüßen sie mit uns außerdem unsere Freunde aus Vegesack.“ Applaus ist ja wie das Aufblitzen von Sonnenstrahlen: An Deck haben alle ein ganz spezielles Lächeln im Gesicht. Man muss nicht mehr fragen, warum der Crew der Törn in die Innenstadt gefallen hat.

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