Wie viele Flüchtlinge sind 2014 tatsächlich nach Bremen gekommen? Wo werden sie untergebracht? Und wie können sie so begleitet werden, dass sie sich gut in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integrieren? Antworten auf solche und andere Fragen soll ein Gesamtkonzept der Sozialbehörde geben, mit dem sich die Sozialdeputation am Donnerstag beschäftigt hat.
Staatsrat Horst Frehe (Grüne) kann sich noch gut erinnern: Erst ein paar Jahre sei es her, dass Bremen überlegte, ob es noch ein Übergangswohnheim für Flüchtlinge behalten solle. Die Zahlen waren nach hohen Zugangszahlen in den 90er-Jahren von Um- und Übersiedlern sowie Flüchtlingen so gesunken, dass es unnötig erschien, Heime weiter vorzuhalten. Heute gebe es 15 Heime. Weitere müssten dringend gefunden und eingerichtet, außerdem Wohnungen gesucht oder gebaut werden, in die Menschen umziehen könnten, die in Bremen Zuflucht gesucht haben. 2233 kamen im vergangenen Jahr, sechs Jahre zuvor waren es gerade einmal 191.
Beim Zugang unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die ohne Angehörige zum Teil auf langen, gefährlichen Wegen hierherkommen, nahm Bremen im Jahr 2013 den achten Platz unter den elf zugangsstärksten Städten ein. Damals wurden 200 Jugendliche aufgenommen, Frankfurt auf dem Spitzenplatz zählte 553, Berlin gleich dahinter 491. Auch diese Zahlen sind enorm weiter gestiegen. So aktualisierte Petra Kodré aus der Sozialbehörde die Zahlen für das Land Bremen im Jahr 2014 gestern in der Sitzung der Sozialdeputation. Demnach nahm das Bundesland im Vorjahr 495 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf. Dass diese Gruppe eine besondere Betreuung und Begleitung braucht, ist in den vergangenen Monaten immer wieder thematisiert worden.
Zum Teil sind die Jugendlichen in Übergangswohnheimen oder eigenen Jugendunterkünften wie in der Berckstraße in Horn untergebracht. Aber auch in Pflegefamilien leben 19 junge Menschen, darunter drei Mädchen. Ohnehin ist die Gruppe der weiblichen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge klein. Aktuell sind es laut Behördenbericht 28 Mädchen, die das Amt für soziale Dienste im Case-Management betreut. Sie sind häufig aus anderen Gründen geflüchtet als ihre männlichen Altersgenossen. Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung und andere Formen sexueller Gewalt sind vielfach Gründe, heißt es. Auf den langen Fluchtwegen seien sie oftmals Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel geworden, so dass die meisten psychologische und heilpädagogische Behandlung brauchten.
Vor allem eine kleine Gruppe krimineller Jugendlicher vorwiegend aus nordafrikanischen Staaten (wir berichteten mehrfach) hat mit ihren Straftaten für eine heftige Debatte um konsequenteres Vorgehen gesorgt. In Rekum wurde daraufhin eine stationäre Wohngruppe zur intensivpädagogischen Begleitung mit zunächst vier jungen Flüchtlingen eingerichtet.
„Vor uns liegen weitere schwierige Monate“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) in der Deputationssitzung. „Die Menschen bleiben bei uns und darauf zielen die Integrationsmaßnahmen ab.“ Dazu zähle die schnelle Vermittlung in Wohnungen. 800 Menschen fanden dadurch im vergangenen Jahr Platz in eigenen vier Wänden und verließen die Heime.
Damit das auch weiterhin gelinge, müsse der Wohnungsbau in Bremen vorankommen, so Frehe. Überlegt werde auch, „Häuser zu bauen, die erstmal nur für Flüchtlinge da sind und dann später anders genutzt werden können“. Frehe brachte in diesem Zusammenhang das Vorbild der sogenannten Kampa-Häuser – eine Art Fertighäuser – wie sie einst beispielsweise in Schwachhausen entstanden. Er könne sich vorstellen, dass sich die Flüchtlingszahlen 2015 gegenüber dem Vorjahr noch einmal verdoppelten, so der Sozialstaatsrat.
Nach Ansicht von Klaus Möhle (SPD) sei es wichtig zu vermitteln, „dass wir nicht an Aufnahmegrenzen stoßen. Wir sind noch aufnahmefähig.“ Wichtig sei die Sprachförderung als zentrales Integrationsinstrument. Darum bemüht sich dem Bericht zufolge neben den Schulen und den berufsbildenden Schulen auch die Volkshochschule, die in Kooperation unter anderem Alphabetisierungskurse in den Flüchtlingsheimen anbietet. Auch müssten im Umfeld der Übergangswohnheime mehr Spielkreise entstehen, um die rund 130 Kinder unter sechs Jahren, die bislang angekommen seien, mit ihren Eltern behutsam zu integrieren. Das hob Zahra Mohammadzadeh (Grüne) in der Debatte hervor.
Peter Erlanson (Linke) betonte bei allem Lob für den umfangreichen und detaillierten Bericht, es handele sich bei dem Konzept um „eine Politik des Tropfens auf den heißen Stein“. Mehr Personal, mehr Geld und mehr Wohnungen seien notwendig.
Für Frehe war es wichtig, in der Debatte um Schwierigkeiten und Herausforderungen eines zu betonen: „Viele der Flüchtlinge haben hohe Qualifikationen. Das ist auch gut für den Arbeitsmarkt.“