Die kommunale Kindertagesstätte Lemwerder bereitet Mittagessen für fünf verschiedene Einrichtungen zu

160 warme Mahlzeiten am Tag

In der Küche der kommunalen Kindertagesstätte (Kita) Lemwerder wird emsig gearbeitet. Vier Frauen bereiten eine warme Mahlzeit für rund 160 Kinder in fünf verschiedenen Einrichtungen zu. Da muss jeder Handgriff sitzen.
06.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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160 warme Mahlzeiten am Tag
Von Barbara Wenke
160 warme Mahlzeiten am Tag

Das Beobachten der Essenszubereitung ist ausdrücklich erwünscht: Neugierig werfen (von rechts) Kendra und Pia einen Blick durch das Küchenfenster. Von Hauswirtschaftsmeisterin Wiebke Wüllner erfahren sie, dass es heute Fisch zu essen gibt.

Bak· Barbara Wenke

In der Küche der kommunalen Kindertagesstätte (Kita) Lemwerder wird emsig gearbeitet. Vier Frauen bereiten eine warme Mahlzeit für rund 160 Kinder in fünf verschiedenen Einrichtungen zu. Da muss jeder Handgriff sitzen.

Lemwerder. 10.28 Uhr, Kita-Küche in Lemwerder. Mit einem riesigen Messer schlitzt Christa Frese eine Gurke nach der anderen der Länge nach auf. Sonja Cockings platziert Fischfilet neben Fischfilet im Bräter. Heidrun Eberl beginnt Tomaten in Scheiben zu schneiden. Jeder Handgriff sitzt. Küchenleiterin Wiebke Wüllner probiert hier ein erstes Stück paniertes Hoki-Filet, schmeckt dort die warme Petersiliensoße ab. Geschäftig aber ruhig gehen die vier Frauen ihrer Arbeit nach. Sie wissen, es ist die Ruhe vor dem Sturm: In wenigen Minuten müssen 160 Essen für fünf verschiedene Einrichtungen die Küche verlassen.

"Vor 20 Jahren haben wir dort drüben gekocht", erzählt Wiebke Wüllner, während ihr Blick aus dem Fenster wandert. Sie deutet in Richtung Kindergarten. "In dem Raum, der jetzt die Elternküche ist." Die Frau mit dem orangefarbenen T-Shirt hält einen Augenblick inne. "Damals waren es 50 Essen." Anfang der 90er Jahre kochte die Hauswirtschaftsmeisterin aber auch nur für Kindergarten und Hort. Heute wollen zusätzlich die hauseigene Krippe, das örtliche Gymnasium und seit Anfang dieses Monats auch der CVJM-Kindergarten mit einer warmen Mahlzeit am Mittag verpflegt werden.

Manchmal bis zu 200 Essen täglich

Mittlerweile bringt das Kita-Küchenteam täglich durchschnittlich 140 bis 150 Essen auf den Tisch. "Wenn volles Haus ist, haben wir 200 Essen", erzählt Wüllner. Je 24 Kilogramm Fleisch oder Fisch und Gemüse verarbeiten die Frauen täglich. "Wenn es Fleisch gibt, gibt es Fleisch, das alle essen können, entweder nur Geflügel oder Schwein und eine Alternative", erläutert Rita Naujoks, die Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte (Kita) Lemwerder, den Speiseplan. "Außerdem achten wir auf Lebensmittelallergien. Wir bieten lactosefreie, fructosefreie und muslimische Speisen an." Dass vegetarische Mahlzeiten mittlerweile Standard seien, brauche wohl nicht mehr erwähnt zu werden.

Bis 11.30 Uhr müssen alle Portionen fertig sein. Die Kleinsten aus der Krippe haben dann bereits gegessen. Während der nächsten Stunde besteht keine Zeit mehr zu kochen. Im Viertelstundentakt verlassen die Thermoboxen mit den heißen Mahlzeiten samt Nachtisch die Küche. Ab 11 Uhr ist keine Störung mehr erlaubt. "Das ist echte Fließbandarbeit. Alles getaktet", bewundert Rita Naujoks die präzisen Arbeitsabläufe.

Seit die kommunale Kindertagesstätte neben der Versorgung der eigenen Kinder und des örtlichen Gymnasiums auch die Mittagsverpflegung des CVJM-Kindergartens übernommen hat, hat sich die Arbeit in der Kita-Küche verdichtet. Rita Naujoks: "Die Nachbereitungen dauern ungefähr so lange wie die Vorbereitungen." Den vier Frauen wächst die Arbeit an manchen Tagen fast über den Kopf, weshalb die Gemeinde bereits eine fünfte Stelle ausgeschrieben hat. Naujoks bescheinigt ihrem Team eine professionelle Küchenführung. "Das hat mit Hausfrauenkochen nichts zu tun." Wiebke Wüllner erarbeitet ihre Speisepläne mittlerweile für 14 aufeinander folgende Wochen.

"Dadurch werden Wiederholungen vermieden, Bestandteile einer gesunden, ausgewogenen Ernährung gesichert und trotzdem Saisonales berücksichtigt", erläutert die Hauswirtschaftsmeisterin. Wiebke Wüllner wurde mit ihrem Team eigens durch ein professionelles Beratungsinstitut geschult.

Die Gerichte werden endgegart

Die Essen werden stets vorbereitet. "Das Gemüse machen wir morgens früh fertig", berichtet Wiebke Wüllner. "Wir Pädagogen waren deshalb zunächst skeptisch", räumt Kita-Leiterin Rita Naujoks ein. "Bekommen wir jetzt Aufgewärmtes, dem die Vitamine fehlen?", hätten sich die Angestellten gefragt. Das verneint Wiebke Wüllner vehement. Im Fachjargon wird das Essen nämlich nicht aufgewärmt, sondern endgegart. "Das Gemüse wird kurz vor dem Essen im Kombidämpfer noch einmal erhitzt." Nur so sei gewährleistet, dass mehr als 100 Essen annähernd gleichzeitig heiß auf den Tisch kommen.

Während Wiebke Wüllner, Sonja Cockings, Heidrun Eberl und Christa Frese emsig vor sich hin arbeiten, drücken einige Mädchen ihre Nasen an die Fensterscheibe. Sie stehen auf einem eigens für sie bereitgestellten Fußtritt und wollen wissen, was es heute zu essen gibt. Vielleicht fällt auch ein kleiner Probehappen für sie ab. "Das entspricht unserem pädagogischen Anspruch", freut sich Rita Naujoks über die neugierigen Blicke. "Die Kinder sollen ja sehen, wie ihr Essen gemacht wird."

Um 11.15 Uhr wird es hektisch. Zwischen Tür und Angel erfährt Wiebke Wüllner, dass vier Praktikantinnen unangemeldet zum Essen bleiben. "Ihr müsst mit den Portionen hinkommen", schärft sie der Erzieherin ein. "Das wäre eigentlich ein Kilo Fisch mehr", seufzt Wüllner resigniert. Heute lässt sich daran nichts mehr ändern. Das Telefon klingelt, dann läutet es an der Tür.

"Jetzt beginnt die Arbeit. Das andere war nur Vorspiel", stellt Sonja Cockings, die an diesem Morgen um 8.15 Uhr als erste aus dem Küchenteam vor Ort war, nüchtern fest. Grammgenau bestückt Wiebke Wüllner die Behälter für den Fisch und das Gemüse. Sonja Cockings füllt schnell noch Soße ab, ehe die Ladung an den CVJM-Kindergarten an eine Taxifahrerin übergeben wird. Die nächsten Portionen sind für die eigenen Kindergartenkinder gedacht, ehe die Jungen und Mädchen aus dem Hort an der Reihe sind.

Während Wiebke Wüllner, Sonja Cockings und Christa Frese noch mit der Essensausgabe beschäftigt sind, kümmert Heidrun Eberl sich bereits um die ersten Aufräumarbeiten. Damit sich das Geschirr am Ende des Tages nicht bis unter die Decke türmt, beginnt sie schon früh, den Schnellspüler zu bestücken. Schließlich möchten alle vier Frauen spätestens um 16 Uhr ihr Tagwerk erledigt haben.

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