Vierter Bremer Fotomarathon

1800 Bilder einer Stadt

Wer fotografiert die schönste Bremen-Serie aus neun Einzelbildern zum Thema "Per Kamera durch die Galaxis"? Das war die Aufgabe für die 200 Teilnehmer beim Fotomarathon,
01.09.2018, 18:55
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1800 Bilder einer Stadt
Von Nina Willborn

Was ist das Bild, das wir von Bremen im Kopf haben? Eine pauschale Antwort auf diese Frage zu geben ist unmöglich, es gibt schließlich mindestens so viele Bilder wie Menschen in der Stadt. Und deshalb sind Projekte wie der Bremer Fotomarathon auch so spannend: Bei diesem Wettbewerb kommen rund 200 Fotobegeisterte zusammen, die einen Tag lang die Stadt, ihre Straßen, Plätze, Orte und Menschen durch die Sucher ihrer Digitalkameras wahrnehmen.

Zum „Boarding“ ging‘s für die Foto-Marathonis am Sonnabendmorgen in die Bremen-Halle des Flughafens, dem ersten von insgesamt vier festen Zwischenstopps auf der Reise „Per Kamera durch die Galaxis“. Bremen feiert das Raumfahrtjahr, deshalb hatten auch die Foto-Marathonmacher Steffi Urban, Annica Müllenberg, Kerstin Graf und Ulrich Graf-Nottrodt das All zum großen Motto gemacht und sich entsprechend galaktische Oberthemen für die abzugebenden Serien aus neun Einzelbildern ausgedacht. Es sind also rund 1800 Fotos, die am Ende auf den Speicherkarten abgegeben werden, aufgenommen werden über den Tag natürlich unzählige mehr.

Am Flughafen jedenfalls sind die meisten Teilnehmer optisch erst mal nur schwierig von den normalen Reisenden zu unterscheiden, schwer mit Rucksäcken und diversen Taschen in unterschiedlichen Größen beladen. Familie Rotschies hat sicherheitshalber einen Kuchen mitgebracht, so ein Fotomarathon ist immerhin, der Name sagt es, kein Spaziergang.

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Während Joachim Rotschies mit Tochter Jacqueline in der Anmeldeschlange wartet, erzählen Ehefrau Beate und die zweite Tochter Isabel, was sie herführt: Der Ausflug ist ein Geburtstagsgeschenk der Töchter für den fotobegeisterten Papa. Er darf aufnehmen, die anderen beraten und stehen bei Bedarf Modell. „Wir verbringen als Familie Zeit miteinander und lernen Bremen mal von einer anderen Seite kennen“, sagt Isabel.

Ein guter Fotograf weiß, wo er stehen muss: Diesen Satz hat die amerikanische Fotografenlegende Ansel Adams mal irgendwann gesagt, Hobbyfotograf Joachim interpretiert dieses Motto etwas weiter gefasst: Keine zwei Minuten, nachdem Steffi Urban die ersten drei Bildthemen bekannt gegeben hat, liegt er auf dem Flugzeughallenboden und versucht, seine Töchter für das Motto „Erster Kontakt“ auf einer Wendeltreppe abzulichten.

Durch die Stadt bewegen dürfen sich die Fotografen, wie sie wollen. Mit dem Auto, zu Fuß, mit der Straßenbahn oder dem Rad. Das von Janette Werpup-Oguro ist blöderweise am Morgen kaputtgegangen, also hat sich die Lehrerin kurzerhand den Roller ihrer Tochter als Fortbewegungsmittel geschnappt. „Ich mache zum ersten Mal mit“, erzählt sie, „ich finde es toll, dass ich endlich mal wieder einen Tag lang Fotos machen kann und ich freue mich auf Orte, die ich vielleicht sonst gar nicht so wahrnehme.“

Neben dem Flughafen haben sich die Organisatoren für die vierte Auflage des Fotomaratons noch die Markthalle Acht, das Hemelinger Bio- und Jazzcafé Tofazz und das Olbers-Planetarium als Anlaufstellen ausgesucht, an jeder bekommen die Teilnehmer die jeweils drei nächsten Foto-Themen. Steffi Urban: „Es ist immer wieder spannend, hinterher die Bilder zu sehen. Man hat oft ähnliche Motive, aber jeweils ganz anders aufgenommen.“

Die Hauptsache aber, erklärt die Journalistin, „ist, dass die Leute Spaß haben. Dann haben wir Organisatoren ihn auch.“ Hilfsbereitschaft zählt ebenfalls zu den im Wettbewerb angewandten Disziplinen. Ralf Zimmermann zum Beispiel hat Schwierigkeiten, seine Teilnehmerkarte – sie muss auf dem ersten Bild zu sehen sein – an einer Flughafenwand zu platzieren. Ein anderer Fotograf sieht das und reicht ihm eine Rolle Klebeband. „Hier, damit hält‘s.“

Ein paar Stunden später steht Joachim Rotschies vor der ehemaligen Bundesbankfiliale in der Kohlhökerstraße. „Bei uns läuft‘s gut“, erzählt er. „Die ersten drei Motive zu finden, war einfach. Dann kam eine kleine Durststrecke. Zum Thema ,Supernova‘ mussten wir etwas rumexperimentieren, aber ich hoffe, wir haben etwas Gutes gefunden.“

Ein paar Hundert Meter weiter tigern die Schwestern Natascha und Claudia Hug ebenfalls durchs Viertel, auf der Suche nach etwas „Allgegenwärtigem“. „Zu ,Hinter dem Mond‘ haben wir eine Idee, müssen aber erst das andere Bild machen“, sagt Natascha. „Der Tag ist erlebnisreich, aber gar nicht so einfach wie gedacht.“

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Alle Fotoserien werden am 21. und 22. Oktober in der Städtischen Galerie am Bunten­torsteinweg ausgestellt. Dann werden auch die von einer Jury ausgewählten Gewinner bekannt gegeben.

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