Anwohner markieren betroffene Bäume 200 Bäume sollen dem Hulsberg-Viertel weichen

Erst waren es 170 – jetzt sind es sogar 200 Bäume, die am Hulsberg gefällt werden sollen. Etwas mehr als die Hälfte von dem, was da ist.
02.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Liane Janz

Erst waren es 170 – jetzt sind es sogar 200 Bäume, die am Hulsberg gefällt werden sollen. Etwas mehr als die Hälfte von dem, was da ist. Auf dem – noch – parkähnlichen Gelände des Klinikums Bremen-Mitte soll das neue Hulsberg-Viertel entstehen. Auf dem Plan der Bauverwaltung sind die zur Fällung vorgesehenen Bäume rot gestrichelte Kreise. Um klar zu machen, was das bedeutet, haben Nachbarinnen und Nachbarn und einige, die sich in der BürgerInnen-Aktion neues Hulsberg engagieren, zum Sterben verurteilte Bäume mit orange-roten Banderolen umwickelt.

„Uns geht es darum, dass die Bürger optisch eine Orientierung haben“, sagt Marion Döhling, die in der Straße Sorgenfrei lebt und von ihrem Garten aus auf das Klinikgelände guckt. Genau dort, an der Rückseite ihres Grundstücks, stehen zwei große Bäume, die nach aktuellem Stand vier- bis fünfstöckigen Wohnhäusern weichen müssen, erzählt die Anwohnerin. Sie plädiert dafür, dass die neuen Häuser um die alten Bäume herum gebaut werden. Wie 2013 die Casa Nuvo im Peterswerder.

Rund 160 Banderolen sind es – die Aktion lief, bevor bekannt wurde, dass 200 Bäume fallen sollen. Einige, die in der Skizze der Behörde verzeichnet waren, seien schon gar nicht mehr da, erzählen Marion Döhling und Gundhild Stuerwald, die sich in der BürgerInnen-Aktion engagiert. „Da sind schon Tatsachen geschaffen worden“, sagt Gundhild Stuerwald. Gerade alte Bäume sind nach Ansicht der beiden Frauen nicht einfach durch junge, langsam nachwachsende zu ersetzen, die erst mit der Zeit Schattenspender und Feinstaubfilter werden. Gerade das Klinikgelände sei von Bäumen geprägt.

Bei alten Bäumen sei die Zukunftsperspektive recht kurz – dieses Argument vonseiten der Stadt habe sie des Öfteren gehört, sagt Gundhild Stuerwald. „Ich denke, dass die Bäume dort eine durchaus respektable Lebenserwartung haben.“ Bis zu 140 Jahre seien einige alt. In Knoops Park stehen Bäume, die deutlich älter und noch immer gesund seien. Warum nicht auch auf dem Klinikgelände, fragt die Bürgerin.

Außerdem brauchen Nachpflanzungen, die es geben soll, Jahrzehnte, bis sie so leistungsstark sind wie alte Bäume. In Anbetracht der Tatsache, dass auf dem Gelände nach seinem Umbau zum Wohnquartier deutlich mehr Häuser stehen werden als jetzt, würden wahrscheinlich auch kleiner wachsende Baumarten gepflanzt, beispielsweise Zieräpfel, wie sie bereits nahe der Frauenklinik stehen, sagt Gundhild Stuerwald voraus. Ein Verhältnis von Fällungen und Nachpflanzungen von eins zu eins, wie derzeit von der Baubehörde angestrebt, führe in die Irre. Man könne eine hoch gewachsene Platane mit ausladender Krone nicht durch ein kleines Zierapfelbäumchen ersetzen. In Betracht gezogen werden müssten die Blattoberflächen der Bäume, um ein einigermaßen gesundes Verhältnis hinzubekommen, fordert die Hulsberg-Aktivistin.

Marion Döhling kann es auch nicht fassen, dass für die Querspange Ost 150 Bäume gefällt werden sollen. In Planung ist, wie berichtet, eine Straßenbahnverbindung zwischen der Östlichen Vorstadt und der Vahr, der unter anderem Bäume entlang der Bennigsenstraße im Weg sind. Dann würden innerhalb weniger Jahre in dem Areal zwischen St.-Jürgen-, Bismarck-, Bennigsenstraße und Am Hulsberg 350 bis 400 Bäume fallen. „Das scheint ein erstrebenswertes Ziel vonseiten der Politik zu sein“, sagt Marion Döhling. Bürger machen dagegen mobil. Anstelle der Straßenbahn könnte auch ein Bus fahren, schlägt Marion Döhling vor. Dann würde Geld gespart – und die Bäume könnten stehen bleiben.

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