Bürgerpark in Bremen

2000 Gäste bei Open-Air-Gottesdienst

Mehr als 2000 Katholiken haben sich am Donnerstag im Bürgerpark versammelt, um den kirchlichen Feiertag, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, zu begehen. Das Wetter passte zur Stimmung auf der großen Rasenfläche.
04.06.2015, 19:45
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Von Tobias Meyer
2000 Gäste bei Open-Air-Gottesdienst

Bischof Franz-Josef Bode reiste aus Osnabrück an, um im Bürgerpark mit Bremer Katholiken Fronleichnam zu feiern.

Frank Thomas Koch

Tim Bayer rührt sich kaum in seiner weinroten Uniform. Er steht rechts von der Bühne im Bürgerpark, nur wenige Meter vom Marcusbrunnen entfernt. Seine Hände stecken in weißen Handschuhen, die einen langen Stab umklammern, der doppelt so lang ist wie er. An dessen Ende baumelt das Banner der „KTV Visurgis Bremen“, der einzigen katholischen Studentenverbindung in Bremen. Für den 22-Jährigen ist heute ein besonderer Tag: er darf als sogenannter Erstchargierter die Fahne halten. Als Chargen bezeichnet man die Führungsämter einer Studentenverbindung. Die Sonne blendet Tim Bayer, sie treibt ihm den Schweiß ins Gesicht, aber das ist nicht schlimm, weil er sowieso keinen guten Blick auf die Bühne hat.

Es ist der zweite Donnerstag nach Pfingsten und damit Fronleichnam, und im Bürgerpark haben sich mehr als 2000 Katholiken versammelt, um den kirchlichen Feiertag, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, zu begehen. Sie sitzen auf Holzklappstühlen, viele halten sich schützend etwas vor den blanken Nacken, weil die Sonne brennt. Mit so gutem Wetter hat keiner gerechnet, schon oft fand der Gottesdienst im Dom statt. Aber heute ist es schön, und das passt zur Stimmung auf der großen Rasenfläche.

Auf der Bühne: ein Posaunenchor, dann Erwachsene und Kinder, die singen, und zwischendurch immer wieder kurze Reden, Gebete, Lesungen aus der Apostelgeschichte und dem Buch Jeremia. Dann erhebt sich Bischof Franz-Josef Bode, der für seine Predigt aus Osnabrück angereist ist, aus der Stuhlreihe auf der Bühne und schreitet zum Mikrofon. Das Thema: an die Ränder gehen. Es geht um Krieg und Terror, um Sehnsucht und Frieden, und vor allem um das „Flüchtlingselend“: „Weltweit sind 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Das ist eine Herausforderung für Europa, und das ist auch eine Aufgabe“, sagt Bode und warnt: „Europa darf keine Festung werden, in derer Wassergraben die Leichen schwimmen.“ Die katholische Kirche habe schon immer von Menschen gelebt, die dazugekommen sind; mehr als 120 Nationen seien in ihr versammelt. „Wir müssen diesen Menschen die Hand reichen.“ Er selbst habe erst vor Kurzem einer elfköpfigen syrischen Flüchtlingsfamilie in biblischer Tradition die Füße gewaschen, sagt Bode.

Das ist auch seine Botschaft an diesem Donnerstag: „In dieser Stadt leben Menschen, die auf der Flucht sind, vor Elend, vor sich selbst, vor Gott“, sagt der Bischof. „Ich möchte euch herausfordern und ermutigen, hinauszugehen und ihnen zu helfen.“ Später erzählen einige Katholiken, wo sie konkret Unterstützung leisten. „Ich bin Barbara, und ich liebe meine Knackis“, sagt eine Frau, die im Gefängnis arbeitet. Andere helfen behinderten Menschen, Senioren oder packen in der Bahnhofsmission mit an. Für letztere ist auch die Kollekte in Höhe von 3550 Euro bestimmt.

Dann nimmt Bischof Bode die Monstranz, berührt sie nur durch den Saum seines Überwurfs, und hält das goldene Gefäß in die Höhe: In der geweihten Hostie soll nach Glauben der Katholiken Jesus Christus gegenwärtig sein. Vier Männer kommen mit einem Baldachin angelaufen, die Prozession beginnt: Kommunionkinder und Messdiener und weitere Kirchenmitglieder umrunden das Publikum, bis hin zu einer kleinen Bühne hinter der letzten Stuhlreihe. Bode steht dort, rührt sich kaum, und Kinder streuen Blüten zu seinen Füßen. Ein paar der Gottesdienstbesucher zücken ihre Handys und versuchen, ein Selfie mit dem Bischof im Hintergrund einzufangen.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Open-Air-Gottesdienst vorbei. Tim Bayer trägt noch einmal die Fahne zurück zum Sakristeizelt, dann schält er sich aus seiner Uniform. „Das war eine besondere Ehre“, sagt der Politikstudent. Er hat die Fahne hochgehalten. Für seinen Glauben.

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