Erinnern, einmischen, Mut beweisen

21. Nacht der Jugend in Bremen

Bei der 21. Nacht der Jugend im Bremer Rathaus setzten sich Hunderte Jugendliche unter dem Motto „Was geht mich das an?“ mit der Bedeutung der Vergangenheit für die heutige Zeit auseinander.
08.11.2018, 21:31
Lesedauer: 2 Min
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21. Nacht der Jugend in Bremen
Von Lisa-Maria Röhling
21. Nacht der Jugend in Bremen

Die Gruppe „Passbook“ zeigt eine Performance über die Apartheid.

Christina Kuhaupt

Es könnte alles so einfach sein, das mit dem Miteinander, mit dem Erinnern, mit der Vielfalt. Wie einfach, das zeigten die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Bremen-Ost zusammen mit Jugendlichen aus der Bremer Partnerstadt Durban bei der 21. Nacht der Jugend im Bremer Rathaus in einer Performance, bei der es um die Erinnerung an die Apartheid ging: Während die Jugendlichen der Gruppe „Passbook“ in bunten Kostümen tanzten und sangen, steuerte die Schulband der Gesamtschule Bremen-Ost die Musik bei. Und damit lieferten die deutschen und südafrikanischen Schüler gemeinsam eine klare Antwort auf das Motto „Was geht mich das an?“ der diesjährigen Nacht der Jugend: Erinnern, das geht sie alle etwas an.

Der Untertitel der Nacht der Jugend, die alljährlich vom Bremer Verein Sportgarten und unterschiedlichen Jugendgruppen organisiert wird, ließ sich ebenso als Leitmotto für den Abend im Rathaus verwenden, zu dem Hunderte Jugendliche gekommen waren: „Unsere Zukunft hat Geschichte“ hätte zum Termin der diesjährigen Veranstaltung am 8. November kaum besser gewählt sein können.

Denn an diesem Freitag jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht, bei der in ganz Deutschland Synagogen brannten und jüdische Geschäfte verwüstet wurden. Auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) mahnte deshalb die Jugendlichen zu Beginn der Veranstaltung: „Erinnern hat auch mit Verantwortung zu tun. Nicht nur sich zu erinnern, sondern auch andere zu erinnern.“

„Lassen Sie sich nicht entmutigen, mischen Sie sich ein“

Wie wichtig die Aufarbeitung der Vergangenheit ist, dafür stand auch Ehrengast Kurt Nelhiebel ein. Er hatte als Zeitzeuge des Nationalsozialismus miterlebt, was in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in der Reichspogromnacht geschah. „Manchmal habe ich die Sorge, dass eines Tages niemand mehr weiß, wie das begann, was mit Auschwitz endete“, sagte der 91-jährige Nelhiebel. Was heute in Deutschland und der Welt geschehe, beunruhige ihn deshalb immer mehr. Deswegen appellierte er an die anwesenden Jugendlichen: „Lassen Sie sich nicht entmutigen, mischen Sie sich ein.“

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit war nicht nur bei der Performance der Schülergruppen aus Bremen und Durban das Motto: Viele der Theater- und Musikgruppen, Schulklassen und Vereine hatten Lieder oder Stücke eingeübt, die sich explizit mit den Themen Zusammenhalt und Vielfalt auseinandersetzten und sich klar gegen Fremdenhass und Demokratiefeindlichkeit positionierten.

Gleichzeitig gab es zahlreiche Diskussionsrunden, bei denen es nicht nur um Diskriminierung, Hetze und das Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten, sondern auch um die Gestaltung unserer Gesellschaft ging. Einmischen und Mitdiskutieren war da explizit erwünscht.

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Zum 80. Mal jährt sich an diesem Freitag der Jahrestag der Reichspogromnacht vom 8. auf den 9. November 1938. Die Bremische Bürgerschaft lädt deshalb um 10.30 Uhr zur Gedenkveranstaltung am Mahnmal in der Dechanatstraße ein. In Gröpelingen ruft ein breites Bündnis dazu auf, ab 18 Uhr an den 30 Stolpersteinen im Stadtteil miteinander ins Gespräch zu kommen und ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und Ausgrenzung zu setzen.

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