Nach Axt-Mord in Gartenparzelle

24-Jährigem droht Höchststrafe

Dem 24-Jährigen, der in Bremerhaven einen Mann mit einer Axt ermordet haben soll, droht die Höchststrafe. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf lebenslage Haft mit besonderer Schuldschwere.
15.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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24-Jährigem droht Höchststrafe
Von Nico Schnurr

Bremen. Kerstin Ashauer wählt deutliche Worte. Fast so, als stünden die Taten des inzwischen 24-Jährigen nicht ohnehin schon für sich, schmücken markige Sätze das Plädoyer der Staatsanwältin, Sätze wie: „Der Angeklagte fiel im Februar in die Region ein, danach war nichts mehr wie zuvor.“ Oder: „Die Dinge für den Angeklagten sind nicht komplex, sie sind klar: Bevor ich entdeckt werde, stirbst du.“ Ihr Plädoyer an diesem vorletzten Hauptverhandlungstag am Landgericht Bremen ist erst wenige Sätze alt, da lassen Ashauers drastische Formulierungen bereits ahnen, worauf es hinausläuft: lebenslange Haftstrafe mit besonderer Schuldschwere.

„Er ist mehr als ein Mörder mittlerer Art und Güte“, sagt Ashauer. Sie meint jenen 24-Jährigen, dem vorgeworfen wird, im Februar vergangenen Jahres einen Mann in einer Bremerhavener Gartenparzelle mit einer Axt ermordet zu haben. Die Tat hat der Angeklagte gestanden. Sie sich reiht ein in eine Liste ähnlicher Vorfälle, die ihm zu Last gelegt wird. Mal waren es ungeöffnete Sekt- und Champagnerflaschen, mal eine Stehlampe, mal ein Totenkopfschädel aus Beton, mal vermutlich eine Axt: Immer schlug er seinen Gegenübern mit Gegenständen auf den Kopf. In zwei Fällen stach er dann noch mit einem Messer zu, bei drei Fällen gingen der Gewalt Einbrüche voraus.

„Einzigartig und extrem auffällig“ seien die Taten des 24-Jährigen, sagt Ashauer. Auch, weil sie sich in einem Zeitraum von nur zehn Tagen ereigneten. In ihrem Plädoyer fordert die Staatsanwältin wegen Mordes, zweifachen Mordversuches und schwerer Körperverletzung eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Mehr noch: Ashauer plädiert auf eine besondere Schuldschwere. Sie hofft, dass die Strafe länger währt als 15 Jahre. Die Staatsanwältin spricht sich auch für eine Sicherungsverwahrung aus. „Wir müssen die Gesellschaft vor ihm schützen“, sagt Ashauer und erinnert an das psychologische Gutachten, das der Sachverständige Konstantin Karyofilis in der vergangenen Woche vorgestellt hat. Der Psychiater sieht den 24-Jährigen als voll schuldfähig an und glaubt bei ihm an „eine sehr hohe Gefahr, massive Gewalttaten und Einbrüche zu wiederholen“.

Besonders viel kann Verteidiger Dominik Bleckmann dem nicht entgegnen. Das von der Staatsanwaltschaft angebrachte Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht sieht er nicht gegeben. Schließlich habe der 24-Jährige die einzigen Tatzeugen nicht vorsätzlich töten wollen. Trotzdem muss auch er festhalten: „Nachzuvollziehen sind diese Taten nicht.“ Sein Mandant sei „erheblich gestört“, so Bleckmann. Der Verteidiger legt dem Gericht eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren nahe. Versuchen, das Strafmaß weiter zu drücken, wolle er nicht – „auch aus Respekt vor den Opfern“.

Torsten Rückoldt vertritt eines von ihnen, den 44-Jährigen, der schwere Folgen vom Schlag mit der Champagnerflasche davon getragen hat. In seinem Plädoyer zeichnet der Anwalt noch einmal das Bild eines „brutal aus dem Leben gerissenen Menschen“. Eines Mannes, der vor dem Überfall ein selbstständiger Kaufmann war, und für den das Planen, Rechnen und Arbeiten nun so weit weg scheint. Sein Mandant sei enttäuscht, dass sich der Angeklagte nicht bei ihm entschuldigt habe, betont Rückoldt immer wieder. Viele Vorwürfe hat er hingenommen, sie gestanden oder mit regungsloser Miene geschwiegen. Diesen aber will der 24-Jährige nicht auf sich sitzen lassen und sagt zum Abschluss: „Ich bedauere das alles und habe mich schon entschuldigt.“

Am Freitag, 17. Februar, soll das Urteil im Prozess verkündet werden.

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