Landgericht Bremen 24-Jähriger nach Messerattacke im Steintor wegen Mordes angeklagt

Nach einer Messerattacke im Bremer Steintor stehen zwei junge Männer vor Gericht. Der ältere muss sich wegen mutmaßlichen Mordes verantworten. Auslöser war offenbar eine Bemerkung über seine Partnerin.
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24-Jähriger nach Messerattacke im Steintor wegen Mordes angeklagt
Von Pascal Faltermann

Die graue Kapuze weit über den Kopf gezogen, darunter eine dunkle Baseball-Cap, die das Gesicht verhüllt. Den Blick zum Boden gesenkt, die Hände in Handschellen. So tritt der 24-jährige Angeklagte am Dienstag in den Verhandlungsraum des Bremer Landgerichts. Er muss sich nach einer tödlichen Messerattacke Anfang November 2017 im Bremer Steintor wegen Mordes verantworten. Zudem ist auch ein 22-Jähriger aus Hamburg angeklagt, der gemeinsam mit dem 24-Jährigen vor der Tat einen weiteren Mann verprügelt haben soll.

Nach Angaben der Bremer Staatsanwaltschaft soll der Grund für die Messerstiche eine Aussage über die Lebensgefährtin des aus Tschetschenien stammenden Mannes gewesen sein. Ein aus Pakistan kommender Mann soll den Schilderungen zufolge die Partnerin als „schöne Frau“ bezeichnet haben. Darüber sei der Angeklagte so wütend gewesen, dass er gemeinsam mit seinem 22-jährigen Landsmann auf den Mann, der in einem Hamburgerladen gegenüber vom Ziegenmarkt arbeitete, einschlug.

Tödliche Tat während der Flucht

Der 24-Jährige soll laut Anklage mehrfach mit der Tatwaffe auf das wehrlose Opfer eingestochen haben. Der verletzte Pakistaner überlebte den Angriff, wahrscheinlich, weil Zeugen ihm zur Hilfe eilten. Als der Angreifer die Flucht ergriff, hinderte ihn ein ebenfalls aus Pakistan stammender Mann, ein Arbeitskollege des Schwerverletzten, an der Flucht. Er stellte sich dem Flüchtenden in den Weg und verlor durch einen Messerstich ins Herz sein Leben. Das Opfer sei nach dem Stich gestorben, sagte Staatsanwalt Björn Krebs. Der Täter habe einen anderen Menschen getötet, um eine Straftat zu verdecken. Bei dem Prozess sind sowohl der bei dem Angriff Verletzte als auch die Familie des Todesopfers als Nebenkläger vertreten.

Die beiden Angeklagten verweigerten am Dienstag die Aussage. Die Anwältin Britta von Döllen-Korgel erklärte, dass sie erst vor einer Woche zum ersten Mal Kontakt zu ihrem Mandanten, dem 22-jährigen Mitangeklagten, gehabt habe.

Auch die drei geladenen Zeugen machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Als Zeugin geladen war unter anderem die Lebenspartnerin des 24-jährigen Angeklagten, die nach islamischem Recht mit ihm verheiratet ist. In Deutschland sind die beiden laut eigenen Angaben gesetzlich nicht getraut. Gegen die 18-jährige Frau lief ein mittlerweile eingestelltes Ermittlungsverfahren. Vor Gericht wollte die Schülerin nichts zu dem Tathergang sagen. Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Jens Florstedt zu der Hochzeit der beiden, konnte sich die Zeugin nicht mehr an den genauen Ort in Polen („in einer Wohnung bei einem Kumpel“) und an den genauen Tag erinnern. Auch ihre Eltern machten keine Angaben. Der Vater erklärte, dass ihn der Vorfall zu sehr belaste. Die Mutter meinte, nicht viel berichten zu können.

Lange Suche nach dem Tatverdächtigen

Es gehe der Familie um Aufklärung und eine gerechte Strafe für den Täter, sagte Anwalt Jens Schaper. Der Rechtsvertreter des verletzten Mannes sagte, sein Mandant habe der Frau nur ein Kompliment gemacht. In Folge des Angriffes sei er noch heute beeinträchtigt, leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und könne nicht schwer heben. Damals hatte er unter anderem eine vier Zentimeter tiefe Schnittwunde neben der Wirbelsäule erlitten, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Stiche trafen das Opfer in der Brust, im Arm und im Rücken.

Die Polizei hatte nach dem tödlichen Vorfall im Steintor lange nach den Tatverdächtigen gesucht. Die Beamten fahndeten unter anderem mit Fotos aus einer Supermarkt-Überwachungskamera nach dem Täter, der für die tödlichen Messerstiche am 2. November 2017 verantwortlich sein soll. In einer groß angelegten Aktion nahm die Polizei den mit europäischem Haftbefehl gesuchten Hauptbeschuldigten Anfang Mai in Polen fest.

Der 22-Jährige, der an der Tat beteiligt gewesen sein soll, stellte sich im Dezember 2017 im Hamburger Ortsteil Hoheluft der Polizei. Nach ihm war auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ gesucht worden.

Die Hauptverhandlung am Bremer Landgericht wird am Montag, 3. Dezember, 9 Uhr, fortgesetzt.

(Dieser Artikel wurde um 21.34 Uhr aktualisiert.)

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