Bremer Verlag feiert Geburtstag

30 Jahre Kellner-Verlag

Vor 30 Jahren gründete Klaus Kellner seinen Verlag, der heute auch Krimis, Kochbücher und Bremensien herausbringt. Doch das Rückgrat des Unternehmens ist Fachliteratur rund um das Arbeitsrecht.
15.08.2018, 05:21
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30 Jahre Kellner-Verlag
Von Timo Thalmann
30 Jahre Kellner-Verlag

Der Verleger Klaus Kellner vor seinem bemalten Firmensitz am St.-Pauli-Deich.

Christina Kuhaupt

Kükenragout wird es geben, an diesem Mittwoch im Atlantic Grandhotel. Nach einem Originalrezept von Betty Gleim aus dem Bremischen Kochbuch von 1808. Eigentlich ist es das traditionelle Festessen anlässlich der Wahl eines neuen Bremer Senators. In diesem Fall ist es aber das Mahl zum 30. Geburtstag des Bremer Kellner-Verlages, zu dem mit Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) immerhin der Chef des Senats kommt.

„Das 25-jährige Firmenjubiläum haben wir irgendwie versäumt, darum wird das jetzt mal groß gefeiert“, sagt Klaus Kellner, Gründer und Namensgeber des seit gut zwei Jahrzehnten in der Neustadt direkt an der kleinen Weser ansässigen Fünf-Mann-Unternehmens. Die ersten zehn Jahre führte er den Verlag noch von seinem Wohnhaus aus.

„Da saß ich im Souterrain und eine Sekretärin hatte das Schlafzimmer besetzt“, erinnert sich der 72-Jährige. Aber mit weiteren Angestellten wurde es ihm nicht nur zu eng. „Irgendwann war es mir auch peinlich, mich mit Autoren, Herausgebern und anderen Verlagsvertretern im Wohnzimmer zu treffen“, erzählt er. So erwarb er das jetzige Firmendomizil am St.-Pauli-Deich und ließ die Fassade gleich mit dem Einzug gut erkennbar per Graffiti ausschmücken. „Klappern gehört zum Handwerk“, meint der Verleger.

Eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbunden

Dabei sah es anfänglich nicht nach einer Karriere als Unternehmer aus. „Ich hatte zu Beginn ja tatsächlich keine Ahnung vom Verlagsgeschäft“, gibt er im Rückblick zu. Gelernt hatte Kellner Brauer und Mälzer bei Becks, bevor er 1969/70 an der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main studierte und anschließend in Baden-Württemberg als Jugendsekretär für den Deutschen Gewerkschaftsbund tätig wurde. Erst 1975 kam er zurück nach Bremen, als Bildungssekretär für das Weser-Ems-Gebiet der damaligen Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), jetzt Verdi, deren Mitglied Kellner immer noch ist.

Als er seinen Job kündigte, um im April 1988 den Verlag aus der Taufe zu heben, war seine Geschäftsidee darum eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbunden: Sachbücher zum Arbeitsrecht für Betriebsräte beschreibt das ausschließliche Verlagsprogramm der ersten Jahre. „Das war eine echte Lücke, da gibt es zwar viel juristische Fachliteratur, aber nichts, was dem frisch gewählten Betriebsrat in der Praxis weiterhilft.“

Kellner konzipierte und schrieb entsprechende Titel. Sie hießen „Das Antikündigungsbuch“, „Büro-Ordner für Betriebsräte“ sowie etwas später das „Handbuch für Betriebsrats-Vorsitzende“ und „Betriebsrat – was tun?!“, allesamt Dauerbrenner, die bis heute lieferbar sind, teilweise in der zehnten Auflage. Geholfen hat Kellner dabei auch die deutsche Wiedervereinigung.

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Als die Mauer 1989 fiel, gab es einen enormen Bedarf an praxisnahen Handreichungen für das de facto über Nacht eingeführte, in vielen Jahren gewachsene bundesdeutsche Arbeitsrecht. Kellner ergänzte den jungen Verlag um eine Versandbuchhandlung und investierte fünfstellige Beträge für Werbung in den damals noch existierenden Zeitschriften des ostdeutschen FDGB.

„Da hatte ich den richtigen Riecher und der Umsatz kletterte in einem Jahr von 50.000 auf über eine Million Mark.“ Zuvor hatte sich Kellner noch nebenbei als GEZ-Gebührenfahnder betätigt, um mit seinem jungen Unternehmen über die Runden zu kommen. Nach und nach hat sich dann das Themenfeld des Verlags erweitert.

In Zusammenarbeit mit der Kanzlei des Bremer Fachanwalts Bernhard Baumann-Czichon werden unter anderem die Quartalszeitschrift „Arbeitsrecht und Kirche“ sowie der einzige arbeitnehmerorientierte Kommentar zum „Mitarbeitervertretungsgesetz der EKD“ herausgegeben. „Das ist eine echte Nische, aber da sind wir konkurrenzlos“, kommentiert Kellner.

Noch drei Jahre lang

In den späten 90er-Jahren tauchten schließlich auch die ersten Bremensien im Verlagsprogramm auf: Stadtführer, individuelle Blicke in die Historie der Hansestadt in Form von Biografien und Tagebüchern und auch lokalgeschichtliche Bücher zu einzelnen Stadtteilen. Zuletzt ergänzt seit 2014 die in Findorff angesiedelte Krimireihe um Franziska von Hans-Peter Mester, dem inzwischen verstorbenen, ehemaligen Leiter des Ortsamts West, die Liste der rund 400 lieferbaren Bücher.

Noch drei Jahre lang, bis zu seinem 75. Geburtstag, will Kellner den Verlag führen, dann soll sein Mitarbeiter Manuel Dotzauer Ruder und Unternehmen übernehmen. Der kommende Chef hat schon jetzt für eine neue Sparte gesorgt: Der bekennende Eisenbahnfan hat Titel wie „Bahnlandschaft Weser-Elbe“ oder „Der Rangierbahnhof Bremen-Gröpelingen“ aufs Verlagsgleis gebracht. „Man wundert sich, aber die laufen sehr gut, da gibt es Bestellungen bis nach Australien“, berichtet Kellner.

Von daher sieht er seinen Verlag auch künftig in guten Händen. Und an der Umstellung seines Angestellten zum verantwortlichen Verleger wird man bis dahin noch arbeiten. „Wer es gewohnt ist, jeden Monat sein Geld zu bekommen, sollte nicht ins Unternehmerlager wechseln“, resümiert Kellner. Zu einem Erfolgsfaktor zählt er jedenfalls die Fähigkeit und Möglichkeit, auch mal Verluste aushalten zu können. Dafür hat allerdings auch Kellner seine Tricks. „Ich geh’ zum Beispiel nicht so oft in unser Lager, dann sehe ich gar nicht erst, wie lange einzelne Auflagen da schon liegen.“

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