Rock den Deich in Schwanewede 3000 Fans zum Jubiläum

Wenn Schwanewede den Deich rockt, dann fehlt auch Bürgermeister Harald Stehnken nicht. Er verfolgte das Rockfestival von der Vip-Lounge aus. Was vor der Bühne los war und ob das Bier reichte...
19.08.2018, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch

Schwanewede. „Das hatten wir noch nie. Wir haben fast kein Bier mehr, der Crêpeteig ist alle. Es sind 1000 Leute mehr gekommen als beim letzten Mal. Danke, dass ihr gekommen seid, das war überwältigend!“ Kurz vor Mitternacht stehen Gundmar Köster und das Organisationsteam des Rock den Deich-Festivals glücklich, wenn auch ein wenig abgekämpft, auf der Bühne. „85 Helfer haben 14 Stunden lang geschuftet und sind echt ans Limit gegangen“, sagt Köster. Gut 3000 Besucher waren zur Jubiläumsausgabe des Festivals zum Gewerbepark Weser Geest erschienen.

Nicht zuletzt die Überzeugungskraft von 150 Litern Freibier um 13 Uhr hatte bereits für die Opener „Three and a half Pints“ für ungewohnt reges Publikumsaufkommen gesorgt. „Eigentlich spielt man das erste Konzert sonst ein bisschen für das Personal“, weiß Dennis Fischer alias „Denny Pint“. Später darf er nochmal bei "Rusty 66" die Saiten zupfen.

„Ist das hier jetzt Schwanewede oder Neuenkirchen – oder beides?“, fragt "Rusty 66"-Sänger Nicky in die Runde. Der „Rust'n'Roll“ der Bremer sagt auch Bürgermeister Harald Stehnken zu. In einer VIP-Lounge für die Lokalprominenz wippt der Bürgermeister backstage bei einem Glas Sekt mit. „Ich glaube, das Festival ist auch für die Gemeinde eine tolle Sache. Wer hier Immobilien erwirbt, kommt nicht nur wegen der Infrastruktur, sondern auch wegen der Freizeitmöglichkeiten“, findet Stehnken. Während sich der Bürgermeister in musikalischer Hinsicht für Creedance Clearwater Revival begeistert, ist Christina Jantz-Herrmann nach eigenen Angaben „ein Kind der 90er – vor allem Scooter mag ich.“ Das SPD-Fraktionsmitglied hat sich dem Anlass entsprechend in eine Lederjacke geworfen: „Als ich hierher geradelt bin, war ich von Hardrockern umgeben.“

Im „Artist Catering Zelt“ ist mit den Gothic-Rockern von "Unzucht" derweil der Headliner eingetroffen. Sänger Daniel Schulz legt schnell etwas Kajal auf und bespricht die Pyroeffekte mit seinem Kollegen. Ein paar Feuersalven auf Stelen sind beim Auftritt der Band vorgesehen. Ein Feuerwerk zum zehnten Festival spendiert das Orga-Team den Fans obendrein. Bei den feuerlastigen Auftritten von Rammstein, gibt Daniel Schulz Insiderwissen preis, sei auf der Bühne jede Position der Bandmitglieder genauestens eingeprobt und die Standorte mit Klebeband markiert: „Man will ja nicht als lebende Bratwurst enden.“

Als sie von seiner Eiallergie hört, empfiehlt Dagmar Wenneborn vom Catering Team dem charismatischen Sänger, doch eine vegane Suppe zu probieren. Unablässig schuftet das Gastroteam in der Küche der Baracke Wilhelmine und karrt Köstlichkeiten heran. Selbst mit essbaren Schmetterlingsflügeln verzierte Muffins gehören zum Jubiläumscatering. Michael Dühnfort wünscht sich beim nächsten Mal bessere Parkmöglichkeiten für die Bands, um ihr Equipment in Ruhe auf- und abladen zu können. „Das soll nächstes Mal schon umgesetzt werden“, freut sich der Bluesrocker mit dem charakteristischen Rauschebart.

Kerstin Schinderling vom Sponsoren Elektro Niesmann blickt vergnügt auf die beiden Schafe in Ganzkörperkostümen, die unablässig über den Platz eilen und die Besucher bitten, ihre Pfandbecher für den guten Zweck zu spenden. Lasse und Daniel, die beiden 16-jährigen Teilzeitschafe, schwitzen ordentlich unter dem flokatiartigen Stoff und posieren eifrig für Selfies. Für ein bisschen Schabernack ist trotz der Hektik Zeit. Das Organisationsteam hat einige Harken und Rechen im Boden versenkt und verweist stolz auf das somit entstandene „Rechen-Zentrum“.

Am Merchandisingstand sind die Festivalbändchen bereits ausverkauft. Am Tattoostand nebenan stehen vor allem junge Frauen Schlange. Die hohe Dichte tätowierter Körperteile bei einigen der auftretenden Bands scheint inspirierend zu wirken.

Die Lokalmatadoren von "Daalschlag" besingen derweil genau ein solches „Tätowiertes Mädchen“, die Wonnen beim „Mofafahrn“ und eine gewisse „Gummipuppe“. Die Begründer des Moped Metal freuen sich, sogar angereiste Fans aus Dortmund erspähen zu können. Zeit für Zugaben bleibt bei dem eng getakteten Programm der neun Formationen aber nicht. Als Unzucht dann mit Titeln wie dem atmosphärischen „Nela“ und den frechen Brachialpop von „Kleine geile Nonne“ die Bühne rocken, wird es nochmal richtig voll. Im Innenraum wird Pogo getanzt.

Wer dann noch bleibt, kann beim traditionellen Abschiedsgig von One Kiss noch einem Highlight beiwohnen. 'Claus mit C' macht seiner sichtlich gerührten Langzeitfreundin Corinna May einen Heiratsantrag auf der Bühne. „Ja natürlich, ich liebe dich!“, antwortet die überglückliche Sängerin und hat danach sichtlich Mühe, den aktuellen Rock den Deich-Song zu singen.

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