Öffentlicher Nahverkehr 43 neue Busse für Bremens Straßen

Die Bremer Straßenbahn AG investiert Millionen Euro in 43 neue Busse. Die neuen Fahrzeuge sollen mit zusätzlichem Hybridmotor und Totwinkel-Assistent geliefert werden.
06.01.2019, 19:47
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43 neue Busse für Bremens Straßen
Von Pascal Faltermann

Die Bus-Flotte der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) wird erneuert. Insgesamt 43 neue, umweltfreundliche Fahrzeuge werden von September bis Dezember geliefert und sollen ältere Modelle ersetzen. Das bestätigte BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer auf Nachfrage des WESER-KURIER. Bestellt hat das kommunale Verkehrsunternehmen mit Sitz in Bremen 15 Solobusse und 28 Gelenkfahrzeuge. Zu den Kosten dürfe das Unternehmen wegen der Regeln der EU-weiten öffentlichen Ausschreibung keine Angaben machen. Nach aktuellen Marktpreisen dürfte es sich aber um eine Summe von etwa 15 Millionen Euro handeln.

Den Auftrag für die Großlieferung sicherte sich in der Ausschreibung das Unternehmen Evo-Bus, das größte europäische Tochterunternehmen der Daimler AG. Evo-Bus fertigt die Fahrzeuge in Mannheim und ist als Teil des Geschäftsbereichs „Daimler Buses“ laut eigenen Angaben nicht nur Europas größter, sondern auch einer der weltweit führenden Omnibushersteller.

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Die 43 neuen Busse, die dann ab Herbst auf Bremens Straßen fahren werden, sollen Modelle in der BSAG-Flotte ersetzen, die älter als zwölf Jahre sind oder mehr als 800 000 Kilometer gefahren sind. Eine so hohe Kilometerzahl sei nicht ungewöhnlich, sagt BSAG-Sprecher Meyer. Im Fuhrpark der Bremer Straßenbahn AG gebe es sogar Fahrzeuge, die mehr als eine Millionen Kilometer geschafft haben.

Alle neuen Busse sind nach Angaben der BSAG mit einem Hybridmotor ausgestattet, der Bremsenergie zur Energierückgewinnung nutzt und diese beim Anfahren wieder einsetzt. Dadurch könnten die Fahrzeuge den Diesel-Verbrauch um etwa drei Liter auf 100 Kilometer senken. Hochgerechnet auf alle neuen Fahrzeuge könne man so bis zu 30 000 Liter Diesel pro Jahr einsparen. „Das ist eine Hausnummer“, so Meyer.

Umweltsenator Joachim Lohse strebt allerdings einen schnelleren Austausch der Dieselbus-Flotte der BSAG gegen elektrisch betriebene Fahrzeuge an. Er will die Dieselfahrzeuge bis 2025 möglichst komplett ausmustern. Bisher hießt es stets, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts lediglich ein Viertel der rund 220 BSAG-Busse auf Elektroantrieb umzustellen (wir berichteten).

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Alle neuen Fahrzeugen, ganz gleich ob Solobus oder Gelenkbus, werden laut BSAG mit einem Totwinkel-Assistent ausgestattet. Damit reagiert das Bremer Verkehrsunternehmen auch auf die Diskussionen und Forderungen um Abbiege-Assistenten für Lastwagen. Grund dafür waren zahlreiche tödliche Unfälle, bei denen Radfahrer von abbiegenden Lkw-Fahrern übersehen worden waren.

Auch in der Bremer Innenstadt war im Frühjahr 2018 eine junge Frau an der Brill-Kreuzung ums Leben gekommen, nachdem ein Lkw-Fahrer sie beim Rechtsabbiegen übersehen hatte und das Fahrzeug sie überrollte. Die rot-grüne Bremer Regierungskoalition hatte daraufhin einen Antrag in der Bürgerschaft eingebracht, um den Fuhrpark der Stadt mit Abbiege-Assistenten auszurüsten.

Weitere Ausstattungsmerkmale der neuen Bus-Flotte ist unter anderem eine automatische Fahrgastzählung. „Dadurch können wir Kundenströme besser einschätzen und Fahrpläne genauer planen“, so Meyer. Hinzukommt ein neuer Service für Sehbehinderte: ein Blindeninformationssystem. Mittels eines Lautsprechers an einer Tür werden Fahrgäste darüber informiert, auf welcher Linie das jeweilige Fahrzeug in welcher Fahrtrichtung unterwegs ist. In einer nächsten Ausschreibung Ende 2019 für das Jahr 2020 sollen weitere 21 neue Busse geordert und angeschafft werden.

In Hannover rollen so viele Hybrid-Busse wie in keiner anderen deutschen Stadt. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC werden 79 dieser Busse in der Landeshauptstadt eingesetzt. Als Hybrid-Antrieb wird im Autobau die Kombination eines Verbrennungsmotors (Benzin oder Diesel) mit einem Elektromotor bezeichnet.

In Niedersachsen fahren laut der Studie zurzeit 110 Busse im öffentlichen Nahverkehr mit alternativen Antrieben. Nur in Nordrhein-Westfalen sind es mehr. Spitzenreiter Hannover, aber auch Wolfsburg, Göttingen, Stade und Osnabrück wollen weitere kaufen. Darüber hinaus gibt es in Niedersachsen bisher 14 Elektro-Busse, in Bremen drei. Auch Osnabrück, Hannover und Salzgitter wollen E-Busse anschaffen.

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