Ostertor/Grambke

45 Jugendliche auf den Spuren Beckmanns

Auch die Grambker Alwin-Lonke-Schule beteiligt sich am inklusiven Projekt der Kunsthalle Bremen.
05.02.2018, 12:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Martin Ulrich und Ulrike Troue
45 Jugendliche auf den Spuren Beckmanns

Die am inklusiven Projekt beteiligten Jugendlichen stellen ihre Arbeiten in der Kunsthalle vor.

Marcus Meyer Photography und MARCUS MEYER, FR

Ostertor/Grambke. Die Ausstellung „Welttheater“ mit Werken von Max Beckmann in der Kunsthalle Bremen findet nicht nur unter Kunstliebhabern viel Beachtung. Auch 45 Bremer Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Ländern haben sich in den vergangenen sechs Monaten mit dem „Welttheater“ des 1884 in Leipzig geborenen Künstlers befasst.

Die Jugendlichen der Fachoberschulklassen für Gestaltung an der Huchtinger Wilhelm-Wagenfeld-Schule oder die Vorklassen für Geflüchtete des Schulzentrums an der Alwin-Lonke-Straße in Burg-Grambke nehmen am Partnerschulprogramm teil, in dem die Kunsthalle Bremen seit mittlerweile 15 Jahren Projekte mit Schulen umsetzt. Anlässlich der Beckmann-Ausstellung bot sich ein inklusives Projekt für Geflüchtete und Bremer an. Schließlich hat Beckmann auch flüchten müssen.

Die Teilnahme als Sanitäter am Ersten Weltkrieges hatte den zuvor impressionistischen Künstler verändert, haben die Jugendlichen erfahren, seine Malweise wurde expressiv. Eine zeitkritische und ironisierende Haltung wurde dabei charakteristisch für Max Beckmann. Seine Inhalte wurden jedoch immer verrätselter und komplexer, aufgeladen mit einer subjektiven Symbolsprache. Er wurde in Europa sehr bekannt. Als dann die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, wurde das Leben für Beckmann schwierig. Seine Malerei galt als entartet. Er floh in die Niederlande, wo er unter schwierigsten Bedingungen lebte. Die Zeit im Exil war Beckmanns künstlerisch produktivste Phase. 1947 ging er in die Vereinigten Staaten, wo er 1950 starb.

Die beteiligten Jugendlichen haben in dem inklusiven Partnerschulprojekt anhand unterschiedlicher Medien zu den Themenaspekten Welttheater, Selbstdarstellung, zur Schau stellen und zur Schau gestellt sein gearbeitet. In der praktischen und kreativen Auseinandersetzung haben die Schülerinnen und Schüler sich unterschiedlicher Medien bedient, zum Beispiel Fotografie, Zeichnung, Cut-Outs oder Kaltnadelradierung. In dem Projekt hätten sie ein tiefer gehendes Verständnis für- und voneinander entwickeln können, resümiert Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg. Ihre künstlerischen Auseinandersetzungen sind bis Mai 2018 in der Kunsthalle zu sehen.

Anna Seifert von der Wilhelm-Wagenfeld-Schule hat mit ihrer Gruppe an Janusköpfen gearbeitet. „Max Beckmann hat in seinen Gemälden auch immer die Traurigkeit und die Fröhlichkeit gezeigt„, erklärt sie. “Eines seiner Bilder zeigt eine Statue mit einem Januskopf, dessen eine Seite traurig und dessen andere Seite fröhlich schaut. Das wollten wir auch einmal probieren.“ Die ausdrucksstarken Köpfe dieser Huchtinger Schülergruppe hängen im Südfoyer der Kunsthalle an der Decke. Und Anna fährt fort: „Beckmann bedeutet für mich sehr viel. Ich finde, er ist ein hervorragender Maler. Ich finde seine Bilder einfach toll. Auch, dass er sich viel mit dem Theater und dem Zirkus beschäftigt hat. Diese beiden Welten faszinieren mich sehr.“

Die Arbeit in den inklusiven Gruppen hat Anna als sehr anstrengend empfunden. „Die Verständigung war oft schwierig, und es hat sehr lange gedauert, bis alle verstanden haben, worum es gehen soll„, sagt die Schülerin. “Aber am Ende ist ja doch etwas Tolles dabei herausgekommen. Und wir sind echt stolz darauf. Wir haben auch viele spannende Geschichten gehört, auch über schlimme Dinge. Das war sehr interessant. Und wird haben uns dann auch miteinander angefreundet.“

Für Mohammed Awaje ist das Museumsprojekt ein weiterer Schritt in sein neues Leben. Er ist erst vor zwei Jahren aus Syrien nach Bremen gekommen und besucht die Schule an der Alwin-Lonke-Straße. Die Verständigung mit ihm ist noch schwierig. Mohammed macht eine Ausbildung zum Frisör. Das Museumsprojekt habe ihm neue Perspektiven eröffnet, sagt er. Nun möchte er gern lernen, Bilder zu malen.

Hannes Petersen hat gemeinsam mit Charlotta Rock Fotos von kostümierten Menschen gemacht und zu einer Bildwand zusammengefügt, die im Museumsshop hängt. Die Kostüme konnten sie aus dem Fundus des Theaters am Goetheplatz ausleihen. Ihre Gruppe wollte über Beckmanns Motive hinausgehen. „Wie wollten zeigen, dass Sexismus ein altes Modell ist.", erklärt Hannes Petersen dazu.

Jesuba Josanna von der Alwin-Lonke-Schule hat lebensgroße Figuren aus Sperrholz ausgeschnitten und mit einem Theaterkostüm bemalt. Dafür hat er dreieinhalb Wochen gebraucht. Am schwierigsten war für ihn, das Gesicht darzustellen. Er sagt: „Anfangs hat mir der Name Max Beckmann nichts gesagt. Ich wusste auch nichts über seine Person. Im Laufe des Projektes ist meine Achtung vor ihm aber sehr gewachsen.“ Auch Elian Bertachi hat auch eine dieser großen Figurenplatten hergestellt. Er hat seine Figur ausgewählt, weil ihm ihre Paradeuniform so gut gefiel. Beckmann ist für ihn interessant, auch weil: „Die meisten Bilder eine tiefere Bedeutung haben. Seine Figuren schauen immer ernst, meist sind sie kostümiert und sie machen immer irgendwas. Es ist nie ein ruhiges Bild. Seine Farben gefallen mir und sein einfacher Malstil, der aber nur scheinbar einfach ist: Er ist sehr schwer nachzumachen.“

Zyprian Kochakowski von der Fachoberschule an der Alwin-Lonke-Straße hat in einer Gruppe gearbeitet, die transparente Porträts der Teilnehmer auf Spiegel gebracht haben. “Das haben wir gemacht“, sagt er, „um uns mit den Gesichtern der jeweils anderen Personen besser zu identifizieren und zu verschmelzen.“ Kein Wunder also, dass die Kunsthalle resümiert: „Durch das Projekt wurde ein tiefer gehendes Verständnis füreinander entwickelt.

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