Foto-Ausstellung stimmt auf Jubiläum 2015 ein / Einst Blockstrukturen in Zuordnung zu den Straßen angelegt 50 Jahre Blockdiek fest im Blick

Ist der Ortsteil Blockdiek wirklich schon 50 Jahre alt, so wie es der Titel einer Foto-Ausstellung vermuten lässt? Mitnichten, erst 1965 wurde mit dem Bau begonnen, wie die Recherchen ergeben haben. Also muss noch rund anderthalb Jahre auf das Jubiläum gewartet werden.
28.07.2013, 05:00
Lesedauer: 8 Min
Zur Merkliste
50 Jahre Blockdiek fest im Blick
Von Jürgen Juschkat

Ist der Ortsteil Blockdiek wirklich schon 50 Jahre alt, so wie es der Titel einer Foto-Ausstellung vermuten lässt? Mitnichten, erst 1965 wurde mit dem Bau begonnen, wie die Recherchen ergeben haben. Also muss noch rund anderthalb Jahre auf das Jubiläum gewartet werden.

Blockdiek. Als Ergänzung des Siedlungsbandes zwischen der Neuen Vahr und dem Schweizer Viertel im Stadtteil Osterholz entstand von 1965 bis 1969 die Großsiedlung Blockdiek mit Hochhäusern und Wohnblocks, umgeben von Reihen- und Einfamilienhäusern. Mit einer Ausstellung im Lichthof des Weserparks wurde auf "50 Jahre Blockdiek" hingewiesen. SchwarzWeiß-Fotos, zusammengetragen von Eckart Mohn, erinnern an die Anfangszeit. Der optische Geschichtsrückblick (Mohn: "Bilder sagen mehr als Worte.") wird in nächster Zeit in der Grundschule Düsseldorfer Straße (Eröffnung 26. August) und in einer Einrichtung der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde zu sehen sein.

50 Jahre Blockdiek – das wundert ein wenig, wenn die Zeit der Entstehung intensiver betrachtet wird. Der genaue Zeitpunkt der Grundsteinlegung ist zum Beispiel Achim Tischer von der Kulturambulanz, wo sich das Osterholzer Stadtteilarchiv befindet, nicht bekannt. Aber immerhin das Jahr des großen Gewoba-Richtfestes für 5595 Wohnungen in Blockdiek, Huchting, Osterholz, Leher Feld und Marßeler Feld. Das war 1965, als auch 1194 Wohnungen in dem Osterholzer Ortsteil richtfertig wurden. "Ein Bebauungsplan ist nicht zu finden", sagt Tischer, der sich zusammen mit Eckart Mohn und Fred Schweinoch um Geschichtliches aus dieser Region bemüht. "Wir haben uns mit dem Termin in der Mitte getroffen", verrät Tischer. Soll heißen, zwischen Grundsteinlegung und Richtfest. Der Architekturführer Bremen grenzt bei den Baujahren jedenfalls mit "1965 bis 70" ein und nennt zum Beispiel für das Gebäude Gelderner Straße 2 Roland Birnstein als Architekten. Der Osterholzer Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter hat die gleichen Informationen, sagt aber: "Wir wollten die Fotoausstellung nach 48,5 Jahren dafür nutzen, auf das Jubiläumsjahr hinzuweisen und die Bremer und Blockdieker schon einmal wachzurütteln. Blockdiek hat das Manko, dass es in Bremen kaum – zu Unrecht – wahrgenommen wird. Es leben dort über 7000 Menschen, aber alle sehen eben auf Tenever oder die Vahr."

"Blockdiek ist vielen Bremern gar nicht bekannt", meint auch Eckart Mohn. Obwohl dieser Ortsteil in Zielrichtung des besser bekannten Einkaufszentrums Weserpark liegt. Da sei Tenever schon eher ein Begriff, weil dieser Ortsteil an der Autobahn liege.

"Wir sind noch ganz am Anfang", sagt Schweinoch als "Gedankengeber für die Geschichtswerkstatt Osterholz" zur Aufarbeitung der Geschichte, und sieht jede Information als weiteren Baustein. In den Unterlagen befindet sich zum Beispiel ein Foto von einer Baumpflanzung aus der Zeit Ende 1960, auf dem Claus Dittbrenner und Dieter Klink zum Spaten greifen.

Von den circa 2700 Wohneinheiten des sozialen Wohnungsbaus, die in Blockdiek errichtet wurden, nimmt der niedrige drei- bis vierstöckige Bau mit annähernd 1500 Wohneinheiten den größten Teil ein. Rund 1250 Einheiten verteilen sich auf 13 Hochhausobjekte mit bis zu 18 Geschossen. Bauherr war die damalige Neue Heimat Bremen. Das ist in einem Beitrag von Renate Viets, die elf Jahre Quartiersmanagerin war, in der Festschrift "825 Jahre Osterholz" zu lesen. Gebaut wurde nach Gewoba-Angaben Ende der Sechzigerjahre vermehrt mit vorgefertigten Elementen. Wie beim Einkaufszentrum Blockdiek mit etwa 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Montage fertiger Elemente ging bis hin zum Verlegen selbsttragender Deckenteile, wie ein Foto vom 22. Februar 1967 in einer Gewoba-Chronik zeigt.

Die Großwohnanlagen – wie Blockdiek – entstanden in einer Übergangsphase, in der man sich vom städtebaulichen Leitbild der "Gartenstadt" mit ihren "fließenden Räumen" verabschiedete, und der Versuch unternommen wurde, wieder Blockstrukturen in Zuordnung zu den Straßen anzulegen. Wichtig war dabei die Gliederung in drei Nachbarschaften, eine zum Zentrum hin aufstrebende Hochhauslandschaft, das Wohnen im Park und die "grüne Mitte" mit den zentralen Einrichtungen, wie Bezirkssportanlage, Jugendfreizeitheim, Kindertagesheim, Nachbarschaftstreff, Hort, Grundschule Düsseldorfer Straße (erbaut 1967), Kirche und Einkaufszentrum.

Fred Schweinoch erinnert sich noch an den "Blockdieker Keller", eine Diskothek im Einkaufszentrum Max-Säume-Straße. "Da war immer etwas los", ergänzt Eckart Mohn. Und plötzlich fällt diesen beiden auch Heinz Steinmann ein. Der einstige Bundesligaspieler, der mittlerweile 75-jährig in Achim-Uesen wohnt, betrieb in Blockdiek einmal einen sogenannten Tabakladen. "Zehn Jahre lang", berichtet der zweifache Nationalspieler, der 1965 mit den Bremern Deutscher Meister wurde. "In der Max-Säume-Straße neben dem Arzt und gegenüber der Apotheke", nennt er den Standort. "Das muss zwischen 1968 und 1978 gewesen sein", weiß Steinmann den Zeitpunkt nicht mehr so genau. Auf jeden Fall spielte er da noch in Werders Defensive. "Es war alles neu oder noch im Bau. Ringsum wurde gebaut", erinnert er sich, der bei Werder Rechtsverteidiger war, und für den Tabakladen eine Verkäuferin angestellt hatte und von seiner Ehefrau unterstützt wurde, wenn Toto- und Lottoannahme war. Später gab Steinmann den Laden an Karl-Heinz Kamp ab, der sich ebenfalls als Spieler, aber auch als Trainer beim SV Werder einen Namen gemacht hat.

Die Bewohner von Blockdiek trafen sich nicht selten im Waschhaus, denn eine Waschmaschine gab es noch längst nicht in jeder Wohnung. Da musste man sich in eine Liste eintragen lassen und auch Waschmarken kaufen.

Eine Behelfskirche – bestehend aus einer Holzbaracke und einem angemieteten Haus – der 1966 entstandenen Evangelischen Kirchengemeinde Blockdiek wurde nach Überlieferungen am 18. Mai 1969 an der Günther-Hafemann-Straße eingeweiht. Pastoren der ersten Stunde waren der spätere Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Wolf-Udo Smidt (1966 bis 1991), und Hermann Memming (1967 bis 1990). Die Gemeinde versuchte, besonders auf die Bedürfnisse der jungen Familien einzugehen. Am 1. Advent 1971 wurde das neue Gemeindezentrum mit Kirche eingeweiht, einen schweren Schock löste 1997 der Brand im Kindergarten und im Gemeindehaus aus. 2008 fusionierte Blockdiek mit den Gemeinden Ellenerbrok und Tenever. Es war in der knapp 50-jährigen Geschichte des Ortsteils Blockdiek nicht die einzige Fusion. Beispielsweise schloss sich der 1968 gegründete SV Blockdiek 2005 mit der eigenständigen Fußballabteilung des SC Vahr zusammen.

Blockdiek wurde 1967 offizieller Ortsteil von Osterholz. Wie es heißt: "Weil Oberneuland verzichtet hatte." Eine Straßenbahnanbindung bedeutete einen großen Vorteil. Die Wendeschleife befand sich einmal an der Ecke Düsseldorfer Straße/Ludwig-Roselius-Allee. Später ging‘s weiter bis zur Züricher Straße, und nun ist am Bahnhof Mahndorf Endstation. Neben der Straßenbahnlinie 1 war Blockdiek damals schon durch den Bus 25 zu erreichen. "Blockdiek hat ,Erfolgsrezepte‘, die kaum jemand kennt, Orte, die interessant sind, aber fast unbekannt", wirbt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter für den Ortsteil.

Infos zu "50 Jahre Blockdiek" sucht die Osterholzer Geschichtswerkstatt in Person von Fred Schweinoch und Eckart Mohn, Telefon 42 85 86. Wer Unterlagen hat, kann sich auch an Achim Tischer von der Kultur-Ambulanz unter Telefon

4 08 17 81 wenden.

50 Jahre Blockdiek fest im Blick

Foto-Ausstellung stimmt auf Jubiläum 2015 ein / Einst Blockstrukturen in Zuordnung zu den Straßen angelegt

Blockdiek. "Wir sind überzeugte Blockdieker und Hochhaus-Bewohner", gestehen Waltraud (86 Jahre alt) und Helmut Helmken (80) aus der Kölner Straße 13. Sie gehörten vor knapp 50 Jahren zu den ersten Mietern in dem damals entstandenen Ortsteil von Osterholz und wohnen auch heute noch dort. Im fünften Obergeschoss, mit einem herrlichen Blick aufs mittlerweile großgewachsene Grün hinter dem Haus. Ein Fahrstuhl bringt sie und die Gäste dorthin. "Nach dem Aussteigen noch einige Stufen wieder runter", erklären sie Fremden den Weg zu ihrer Wohnung

Die Helmkens sind 1966 nach Blockdiek gezogen, weil die Zwei-Zimmer-Wohnung in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße in der Vahr für die Bedürfnisse der Familie mit Tochter zu klein geworden war. Und die neue Wohnung gab es nur mit Berechtigungsschein. "Über zwei Jahre mussten wir auf die Fertigstellung warten, weil bei der Neuen Heimat das Geld alle war", erinnert sich Waltraud Helmken. In ihren Unterlagen befindet sich noch der erste Mietvertrag. Damals mussten monatlich kostendeckende 355,25 Deutsche Mark bezahlt werden, heute sind es für die gut 73 Quadratmeter große Wohnung mit Balkon exakt 489,16 Euro.

Anfangs wohnten in dem 35 Mieter beherbergenden Gebäude nur deutsche Familien – jung, verheiratet mit Kindern. Mittlerweile kommen etliche zum Beispiel aus Sri Lanka, Ghana, Vietnam und aus dem Irak. "Die Hälfte sind Migranten", sagt Waltraud Helmken, die einen persönlichen Plan mit dem Namen und den Nationalitäten aller Mieter erstellt hat. Das Rentner-Ehepaar ist sehr kontaktfreudig, und deshalb kennt es einige Mitbewohner im Gebäude mit den sieben Obergeschossen.

Die Zeiten und die Mentalität der Menschen haben sich geändert. "Damals kam keiner auf den Gedanken, etwas auf den Boden zu werfen. Nach einer Silvesterfeier haben die Frauen am nächsten Tag die Reste weggefegt. Heute macht das keiner, egal aus welcher Kultur und welchem Land jemand kommt", sagen Helmkens.

Helmut Helmken hat ein persönliches Geschichtsbuch erstellt, das hauptsächlich aus selbstgemachten Fotos und Kurzinformationen besteht. "Von der Uni haben schon einige Leute etwas abgeholt und kopiert", berichtet der Blockdieker Ur-Einwohner, wie sich der 80-Jährige gerne selbst bezeichnet. Auch andere Leute, die in der Geschichte des Ortsteils forschen, haben sich schon beim Ehepaar Helmken bedient. Da gibt es Bau-Fotos (Waltraud Helmken: "Wir wussten doch, welche Wohnung wir damals bekommen sollten."), aber später auch verschneite Straßen. Besonders stolz sind sie auf eine Postkarte. "Die einzige, die es mal von Blockdiek gegeben hat", weiß Helmut Helmken.

Ganz in der Nähe befindet sich das Einkaufszentrum Blockdiek, gegenüber das Stadtteilhaus. Während Waltraud Helmken Schwierigkeiten mit dem Laufen hat, ist ihr Ehepartner noch als Wirbelwind im Einsatz. Er verteilt Flyer und Handzettel für viele Veranstaltungen für die unterschiedlichsten Vereine und Initiativen aus dem Ortsteil Blockdiek, heftet sie zum Beispiel im Geldinstitut oder Supermarkt an die Pinnwand.

Doch er sieht sich auch als Teil eines Netzwerkes in der Region. Er sammelt Zeitungen und andere Informationen, packt sie zusammen und lässt diese denen zukommen, die sich nicht im Verteiler befinden. So zum Beispiel besorgt er Stadtteilausgaben für diejenigen Hauptamtlichen, die nicht im Ortsteil Osterholz wohnen, sondern nur dort arbeiten.

Helmut Helmken ist ein typischer "Ehrenamts-Mensch", der keine offiziellen Ämter übernimmt. Doch er ist gerne im Einsatz für seinen Ortsteil und engagiert sich überall dort, wo etwas los ist. Aktuell geht es darum, das große Laternenfest in Gang zu halten, das bald wieder gefeiert werden soll. Der rüstige Rentner muss eben immer etwas um die Ohren haben.

Im Hochhaus alt geworden

Ehepaar Helmken begeistert von Wohnung und Umgebung

Zitat:

"Blockdiek hat

Erfolgsrezepte,

die kaum jemand kennt."

Ulrich Schlüter, Ortsamtsleiter Osterholz

Im Hochhaus alt geworden

Ehepaar Helmken begeistert von Wohnung und Umgebung

Zitat:

"Ein Bebauungsplan

ist nicht

zu finden."

Achim Tischer, Kultur-Ambulanz

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+