Die Stadt, Firmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute stellen ihre Expo-Pläne vor 500 Quadratmeter Bremen in China

Bremen. Noch ist Bremens Expo-Halle in Shanghai eine Baustelle mit Stahlkonstruktionen auf zwei Ebenen. Doch schon Ende des Monats soll alles fertig sein und zeigen, was die Stadtmusikanten-Stadt, ihre Unternehmen, ihre Hochschulen und Forschungsinstitute zum Thema sparsamer Energie-Nutzung zu bieten haben.
04.03.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Noch ist Bremens Expo-Halle in Shanghai eine Baustelle mit Stahlkonstruktionen auf zwei Ebenen. Doch schon Ende des Monats soll alles fertig sein. Nach oben führt dann eine Treppe in den 'Ratskeller' mit echten Ratskellerweinen. Und unten zeigt sich, was die Stadtmusikanten-Stadt, ihre Unternehmen, ihre Hochschulen und Forschungsinstitute zum Thema sparsamer Energie-Nutzung zu bieten haben.

Bis zu 680000 Menschen sollen gleichzeitig Platz finden auf dem Expo-Gelände in der Hafenstadt am Chinesischen Meer - etwa so viele, wie das Land Bremen Einwohner hat. Rund 70 Millionen Besucher erwartet die größte Expo aller Zeiten insgesamt zwischen 1. Mai und 31. Oktober, davon soll es zwei Millionen am 500 Quadratmeter großen Bremer Stand vorbei spülen. Standort: Halle B2 am Huangpu-Fluss, mitten in der 'Urban Best Practices Area', dem Gelände mit den besten Beispielen für städtisches Leben.

Über 50 Städte zeigen sich dort: Hongkong, Seoul, London, Barcelona, Paris, Chicago, Moskau, Kairo, Venedig - und mitten drin Bremen mit Bremerhaven und Oldenburg. Das gemeinsame Nutzen von Leih-Autos ('Car-Sharing') als Bremer Leitthema für die Expo ist allerdings überholt. 'Elektromobilität und erneuerbare Energien', sagt Wirtschafts-Staatsrat Heiner Heseler, stünden jetzt im Mittelpunkt. Car-Sharing mache nur noch einen Teil aus.

Rathaus und Roland als Welterbestätten, die Stadtmusikanten als Werbeträger mit hoher Symbolkraft gerade in Asien - das ist das Pfund, mit dem die Stadt Bremen auf der Expo wuchert. 'Ziel ist es, Touristen nach Bremen zu bekommen', sagt Heseler, 'und dafür ist die Expo ein wichtiger Hebel.' Rund drei Millionen Euro wird Bremen für den Expo-Auftritt springen lassen, 700000 davon aus Steuermitteln. Den Rest sollen vor allem Unternehmen zahlen. Sie können die Expo nutzen, um sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Die Stadt Düsseldorf, erklärt Bremens Expo-Projektleiter Klaus Sondergeld, habe allein 2,7 Millionen Euro für ihren Auftritt in Shanghai bewilligt.

So stellt etwa der Oldenburger Energie-Konzern EWE das mit dem Autobauer Karmann entwickelte Elektro-Auto 'E3' vor, das nachts Ökostrom 'tanken' und diesen tagsüber bei Spitzenlasten auch wieder ins Netz zurückgeben soll - sofern es ihn nicht zum Fahren braucht. Damit nicht zwei Millionen Expo-Besucher in diesen Prototypen ein- und aussteigen, wird es eigens auf ein Podest gestellt. Sondergeld: 'Das Auto soll funktionsfähig wieder nach Bremen zurückkommen.'

Die Rederei 'Beluga' stellt unter anderem das 'Green Shipping' vor. Dazu gehören Schiffsanstriche, die von der Hai-Haut abgeguckt sind und dem Wasser besonders wenig Widerstand entgegensetzen. Das senkt den Verbrauch von Schiffsdiesel. Präsentiert wird auch das Sky-Sail, das als Segel-Unterstützung für Frachter erprobt wird. Und schließlich stellt Beluga einen neuen Spezialschiffstyp vor, der nicht nur Material zum Windanlagen-Aufbau ins Meer liefert, sondern gleichzeitig als Plattform für deren Montage dient. Die Firma Kaefer-Isoliertechnik zeigt schließlich, dass eine gute Wärme-Isolierung den Wirkungsgrad eines Solarkraftwerks erhöht.

Daneben sind Hochschulen, Universitäten, das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) und das Alfred-Wegener-Institut in der 22-Millionen-Einwohner-Metropole vertreten. So zeigt das Marum seinen Tauchroboter und will über das Öko-System in der Tiefsee informieren, über Gashydrate als Quelle für Energie und Treibhausgas.

Damit die Verständigung mit den Besuchern klappt, stehen neben den offiziellen Bremen-Vertretern auch bremische Studenten aus China an den Ständen. Darunter auch ehemalige: 'Die haben sich gemeldet und wollten kostenlos helfen. Um zurückzugeben, was sie in Bremen erfahren haben', sagt Joachim Treusch, Direktor der privaten Jacobs-Universität in Grohn.

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