Motto: "Taten statt Warten - Klimaschutz jetzt!"

5000 Bremer Demonstranten fordern aktiven Klimaschutz

Ein breites Bündnis hatte aufgerufen und 5000 Demonstranten kamen. Sie fordern aktiven Klimaschutz von der Bremer und der Bundespolitik.
29.06.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann
5000 Bremer Demonstranten fordern aktiven Klimaschutz

Die-in-Aktion auf der ­Wilhelm-Kaisen-Brücke, um an die Opfer des Klimawandels zu erinnern.

Christina Kuhaupt

Klimaschutz jetzt und ohne Aufschub fordern die mehreren tausend Demonstranten, die am Sonnabend vom Bahnhof durch die Innenstadt bis zur Kundgebung in die Neustadtswallanlagen zogen. Die neue Regierung, die sie in Bremen in die Pflicht nehmen wollen, hörte sie vermutlich nicht. Die Vertreter von SPD, Grünen und Linken verhandelten noch über den Koalitionsvertrag.

Auf das bereits angekündigte Ziel der „autofreien Innenstadt bis 2030“ werden die Klimaschützer aber pochen, sagt Mitorganisator Jonas Daldrup schon im Vorfeld. „Taten statt Warten“ ist die Demonstration überschrieben, Taten statt Worte, fordert Daldrup. „Klimaschutz ist eine Frage von globaler und Generationengerechtigkeit, und alternativlos“, betont Lisa Pörtner von Greenpeace bei der abschließenden Kundgebung. Vor allem die bewegenden Worte von Jewel Toloa Tuitama beeindrucken. Sie stammt von der Insel ­Tokelau im Südpazifik und ist Katastrophenschutzmanagerin von Samoa. In ihrer Heimat habe man nicht die Zeit und die Möglichkeit, das zu tun, was man hier gerade mache.

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Der Klimawechsel bedroht ihre Insel akut: Der Meeresspiegel steigt, die Trockenzeiten dauern länger, Trinkwasser wird knapp. „Der Klimawandel betrifft die ganze Welt“, sagt Toloa Tuitama. Und weiter: „Wir müssen handeln.“ Wenn jeder jetzt einen Baum in seinem Vorgarten pflanze, dann mache das einen Unterschied, betont die junge Frau, die auf Einladung des Klimahauses in Bremerhaven zu Gast ist. Ihr Bruder, Vaniah Toloa, ein bekannter Musiker auf der Insel Samoa, singt ein Lied aus seiner Heimat.

Großdemonstration für Klimaschutz

Unter dem Titel «Taten statt Warten - Klimaschutz jetzt!» gehen Umweltorganisationen gemeinsam mit Bewegungen wie Fridays for Future, Parents for Future und Extinction Rebellion für den Klimaschutz auf die Straße.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Ein ruhiger und ernster Moment ist auch das sogenannte Die-in, bei dem sich die Teilnehmer unter sengender Sonne auf die ­Wilhelm-Kaisen-Brücke legen, um an die Opfer des Klimawandels zu erinnern. Eine willkommene Pause und insgesamt ein „starkes Signal“ der ansonsten lauten und bunten Demonstration, sagt Jonas Daldrup von Fossil Free. Diese und weitere 13 Organisationen von BUND über die evangelische Kirche, Fridays for Future bis hin zu Robin Wood hatten zum Protest aufgerufen.

So breit wie dieses Bündnis ist auch die Mischung der laut Organisatoren rund 5000 Teilnehmer, die Polizei spricht von 3000 Demonstranten. Die „Omas for Future“, Sabine und Juliane Steinmann, sind stellvertretend für ihre Kinder und Enkel dabei. Sie machen sich große Sorgen um die Zukunft, haben einige Neugeborene in der Familie, und es sei keine Lösung, zu sagen: Das müssen wir ja nicht mehr miterleben, betonen die 62- und die 65-Jährige. Klimapolitik muss in Bremen an erster Stelle stehen, fordern sie.

Da sind sich Alt und Jung einig: Lea, Lilly und Cristina sind 14 Jahre alt und wollen der Politik zeigen, dass es wichtig ist, etwas für den Klimaschutz zu tun. „Und dass wir nicht nur Schule schwänzen“, ergänzt Cristina. Den Schülerinnen ist es wichtig, bei dieser Demo am Sonnabend dabei zu sein. „Macht eure Aufgaben, dann machen wir unsere“, steht auf ihrem Plakat, „There is no Planet B“ auf der Rückseite. Es sei aber auch wichtig, dass jeder bei sich selbst anfange, sind sich die Mädchen einig.

Wie die Schülerinnen sind auch Finn und Luca aus Thedinghausen durch die Fridays-for-Future-Bewegung noch mal stärker sensibilisiert worden. Die beiden 14-Jährigen sind zur Demo nach Bremen gekommen, um ihre Meinung zu äußern, und fordern von der Politik, dass sie handelt. Sie selber fahren mit Bus und Fahrrad zur Schule, machen sich viele Gedanken.

"Für mich gibt es im Moment keine größere politische Aufgabe, als sich um das Klima zu kümmern", so die Teilnehmerin Frauke Röhrs. Die Bremerin malte für sich und ihre Begleitung gleich zwei Plakate.

Auch für Maxi Jürgens aus Weyhe sei der Klimschutz absolut wichtig: "Ich denke, wir müssen viel mehr und viel radikaler etwas dafür tun."

Lasse, Jana und Inga von Fridays for Future, die sonst freitags streiken, sprechen an diesem Sonnabend auf der Kundgebung. „Wir können uns keine Pause mehr erlauben“, sagen sie, „wir werden uns nicht aufhalten lassen.“ Dafür gibt es viel Applaus von den Demonstranten, die sich nach mehr als drei Stunden auf der Straße in den Neustadtswall­anlagen niedergelassen haben und Schatten suchen.

++ Aktualisiert am 29. Juni, um 18.00 Uhr. ++

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