Protestaktion

5000 Menschen unterstützen Petition für bessere Bildung

Vertreter des Bremer Bündnis für Bildung haben vor einer Gröpelinger Grundschule Orangen an Lehrer verteilt. Sie fordern, Schulen in besonders belasteten Stadtteilen besser auszustatten.
04.05.2017, 13:36
Lesedauer: 3 Min
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5000 Menschen unterstützen Petition für bessere Bildung
Von Sara Sundermann
5000 Menschen unterstützen Petition für bessere Bildung

"Vitamine für Pädagogen": Protest vor einer Grundschule in Gröpelingen.

Frank Thomas Koch

Vertreter des Bremer Bündnis für Bildung haben vor einer Gröpelinger Grundschule Orangen an Lehrer verteilt. Sie fordern, Schulen in besonders belasteten Stadtteilen besser auszustatten.

Obst als Unterstützung, das war das Motto: Vertreter des Bremer Bündnis für Bildung (BBB) haben am Donnerstagmorgen vor der Gröpelinger Grundschule am Halmer Weg Orangen an Lehrer verteilt. "Bei der geringen Zahl der Lehrer können wir es uns nicht leisten, dass auch nur ein weiterer krank wird“, so ein Elternvertreter.

Mehr als 5000 Menschen haben inzwischen eine Petition unterzeichnet, in der das Bündnis fordert, Bremen müsse mehr in seine Schulen investieren und Bildung müsse bei der Verteilung der Haushaltsmittel Vorfahrt haben. Die Situation verschärfe sich besonders an Grundschulen, es fehle an Fachpersonal.

Sonderprogramm „Bau und Sanierung“

Die Vertreter des Bündnisses fordern, Schulen in besonders belasteten Stadtteilen besser auszustatten. Zudem müsse die Landesregierung ein Sonderprogramm „Bau und Sanierung“ für Schulen und Kitas auflegen. Der Appell des BBB richtet sich bewusst nicht an die Bildungssenatorin, sondern an Senat und Bürgerschaft – alle Bürgerschaftsabgeordneten bekamen bereits Post vom Bündnis.

Im Bildungs-Bündnis haben sich verschiedene Gruppen zusammen geschlossen: Eltern und Schüler, Schulleitungen, Grundschulverband und Gewerkschaft. Die Bündnispartner wollen noch mehr Unterschriften für ihre Petition sammeln, die bis zum 11. Mai auf dem Portal Open Petition unterstützt werden kann.

Den Ort des Protests hat das Bündnis ausgewählt, weil die Grundschule am Halmer Weg besonders stark unterversorgt sei mit Personal. Hinzu kommen Sanierungsprobleme: Die Grundschule ist seit langem neben ihren festen Gebäuden auf alte, schlecht belüftete Container angewiesen, die eigentlich nur eine Übergangslösung sein sollten. Zudem ist die Turnhalle Beschäftigten zufolge dringend sanierungsbedürftig, viele Geräte könnten nicht mehr genutzt werden.

Inklusion bleibt auf der Strecke

Mit den Schwierigkeiten, mit denen das Kollegium an der Grundschule am Halmer Weg umgehen muss, ringen viele Schulen: in Gröpelingen, aber auch in anderen Stadtteilen, zum Beispiel in Findorff oder in der Neustadt. Gerade die Schulen im Bremer Westen machten zuletzt bereits zum zweiten Mal mit einem Brandbrief auf ihre schwierige Lage aufmerksam. Ihr Hauptanliegen: Die Inklusion bleibe auf der Strecke, wenn es den Schulen an Personal fehle. Darunter litten nicht nur Kinder mit besonderem Förderbedarf, sondern alle Kinder.

Was das konkret bedeuten kann, schildert eine Lehrerin, die an der Grundschule am Halmer Weg unterrichtet. An der Schule fehlen Lehrkräfte für rund 20 Unterrichtsstunden, sagt Dagmar Reinkensmeier vom Personalrat: „Es fehlen sieben bis acht Vollzeitstellen.“ In einem Kollegium von rund 35 Beschäftigten gebe es mindestens acht Studierende, die derzeit Grundschulklassen unterrichten würden.

„Das bedeutet für die erfahrenen Kollegen, dass sie ganz viel auffangen müssen – vieles fällt auch hinten rüber“, so Reinkensmeier. „Und die Kollegen wollen natürlich auch die Studierenden unterstützen, mit Tipps, aber auch mit Unterrichtsmaterial.“

Fehlende Sonderpädagogen

Die Förderung der Kinder leide unter diesen Bedingungen: „In den meisten Klassen soll normalerweise acht bis zehn Stunden pro Woche zusätzlich zur normalen Lehrkraft ein Sonderpädagoge sein, doch das findet kaum noch statt. Bei vielen Klassen wird der Sonderpädagoge ganz abgezogen, weil jemand aus dem Kollegium ausfällt und er als Vertretung gebraucht wird.“

Von diesem Dilemma berichten viele Schulen: Weil möglichst wenig Unterricht ausfallen soll, werden im Zweifelsfall oft als Erstes die Doppelbesetzungen in den Klassen aufgelöst, Sonderpädagogen werden als Vertretungslehrer eingesetzt. Doch damit können sie ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrnehmen: „Kinder mit Förderbedarf haben ein Recht auf sonderpädagogische Unterstützung und zusätzliche Ansprache“, sagt Reinkensmeier.

Besonders schwierig: Wenn mal Studenten und mal Sonderpädagogen als Vertretungslehrer einspringen, werden Grundschulklassen zum Teil von fünf oder sechs verschiedenen Lehrern unterrichtet. „Das ist natürlich schwierig, denn Beziehungsarbeit ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit mit den Schülern“, sagt Reinkensmeier. Doch dafür brauche es Konstanz.

In ganz Bremen ist der Anteil der Kinder mit diagnostiziertem Förderbedarf in den vergangenen Jahren gestiegen – das macht sich besonders in benachteiligten Stadtteilen bemerkbar, wo Kinder weniger Unterstützung in ihren Familien bekommen und die Schule umso mehr ausgleichen muss, wenn sie allen Kindern eine ähnliche Chance auf Bildung bieten will.

+++ Dieser Artikel wurde am 04.05.2017 um 19:26 Uhr aktualisiert +++

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