Diamanthochzeit: Renate und Horst Fischer sind seit dem 20. August 1955 verheiratet – und noch immer glücklich 60 Jahre gemeinsam durch dick und dünn

Hohweg. „Der da – der mit dem Goldzahn: Der wird mal mein Mann“, sagte Renate Böttcher vor mehr als 60 Jahren zu ihrer Freundin, mit der sie regelmäßig zum Baden an die Weser kam. Die selbstbewusste Bremerin war damals 16 und lebte an der Schaumburger Straße im Hulsbergviertel.
20.08.2015, 00:00
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Von Anne Gerling

„Der da – der mit dem Goldzahn: Der wird mal mein Mann“, sagte Renate Böttcher vor mehr als 60 Jahren zu ihrer Freundin, mit der sie regelmäßig zum Baden an die Weser kam. Die selbstbewusste Bremerin war damals 16 und lebte an der Schaumburger Straße im Hulsbergviertel. Binnenschiffer Horst Fischer – der mit dem Goldzahn – war 19. Immer wenn sein Schiff bei einem Kieshandel bei Renate Böttchers Badestelle kurz vorm Weserwehr vor Anker ging, alberten die beiden miteinander herum.

„Meine Freundin wollte damals nicht mit ins Wasser und hat mir ihren Badeanzug geliehen; der war hellblau gepunktet. Ich sage immer: Mein Mann hat sich damals in den Badeanzug verliebt“, erzählt Renate Fischer und grinst: Am 20. August 1955 haben die beiden in der Friedenskirche an der Humboldtstraße einander das Jawort gegeben. „Bei einem sehr netten Pastor, der später nach Afrika ausgewandert ist“, erzählt die Wallerin.

„Unseren Hochzeitstag habe ich seitdem noch nicht einmal vergessen“, sagt Horst Fischer, der ursprünglich aus Hindenburg in Oberschlesien stammt, nicht ohne ein wenig Stolz. Nachdem seine Familie von dort vertrieben wurde, führte ihn sein Weg über Friedland, Bad Harzburg und Hoya nach Bremen, wo er mit seinen Eltern in die Roonstraße zog.

Nach der Hochzeit gründeten Horst und Renate Fischer dann eine eigene Familie: Im Abstand von zwei Jahren wurden ihre Kinder Horst und Robert geboren. „Das war Maßarbeit“, lacht Renate Fischer – beide Söhne haben nämlich an exakt demselben Tag Geburtstag. Als diese schulpflichtig wurden, zogen sie ins Schifferkinderheim in Duisburg, während ihre Eltern Rhein, Main, Neckar und Mosel befuhren. Für die Familie eine schwere Zeit; alle litten unter der Trennung. „Wenn wir in Duisburg waren, haben die Kinder sich an uns gekrallt und wollten nicht wieder weg“, berichtet Horst Fischer, der schließlich nach drei Jahren beschloss: „Wir gehen gemeinsam an Land!“

1968 kaufte die Familie ein Haus an der Wiedstraße, und Horst Fischer heuerte beim Hafenschifffahrtsamt an. Doch trotz Schichtdienst reichte das Einkommen kaum aus, und so nahm er nach einer Umschulung zum Schweißer Arbeit bei der AG Weser an. „Der Job hat mir nie gelegen“, erzählt er, „aber ich brauchte Geld und musste die Familie ernähren.“ Später habe er dann bei der Gestra gearbeitet: „Dort wurde ich gefordert und war so zufrieden, dass ich dort bis zur Rente geblieben bin.“

Irgendwann richteten die Fischers sich als Wochenendhaus ein Häuschen im Parzellengebiet Hohweg her. „Je länger wir hier lebten, desto schöner wurde es. Am Ende sind wir eigentlich nur noch zum Saubermachen nach Hause gefahren“, schildert Horst Fischer. Und so verkaufte das Paar in den 1980er-Jahren das Haus im Waller Wied und meldete sich um. Heute zählen die Fischers zu den „Kudella-Auswohnern“; 2002 war unter Moderation des CDU-Politikers Peter Kudella an einem Runden Tisch ausgehandelt worden, dass alle, die mindestens seit dem 8. Mai 1974 in einem Kaisenhaus wohnen sowie diejenigen, die bis Ende 2004 das 65. Lebensjahr vollendet haben, in ihren Kaisen-Häusern bleiben dürften.

Der Garten wurde zur gemeinsamen Leidenschaft der Eheleute: „Er ist für das Technische und fürs Rasenmähen zuständig – ich für die Beete“, so Renate Fischer, die ihrem Mann insbesondere eines hoch anrechnet: „Er ist immer für mich da und ich liebe ihn heute noch so wie früher.“ „Sonst hätte ich das nicht mit durchgezogen“, nickt ihr Mann und fügt hinzu: „Wir haben unser Leben meistens zusammen verlebt – das schweißt zusammen!“

So haben die beiden unter anderem gesundheitliche Rückschläge verkraften müssen, sind aber dank regelmäßigen Bewegungstrainings mittlerweile wieder fit. Zu ihrer Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren hatten die Fischers sich eine gemeinsame Donaufahrt genehmigt; die Diamantene Hochzeit verbringen sie nun im Kreise der Familie und wollen anlässlich dieses besonderen Ereignisses ihr Eheversprechen erneuern.

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