Gröpelinger Einrichtung war das erste Bürgerhaus in der Hansestadt / Wettbewerb und Feier geplant 60 Jahre Nachbarschaftshaus Helene Kaisen

"Wenn es uns nicht gäbe, gäbe es gar keine Bürgerhäuser in Bremen", unterstreicht Peter Sakuth, Vorsitzender des Vereins Nachbarschaftshaus Bremen. Denn das "na'" im Ohlenhof-Quartier, das im Mai 60 wird, war das erste Bürgerhaus in der Hansestadt. Es wurde am 26. Mai 1952 eingeweiht und verdankt seine Existenz der Schützenhilfe und einer Spende aus den USA. Das soll gefeiert werden.
12.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ANNE GERLING

"Wenn es uns nicht gäbe, gäbe es gar keine Bürgerhäuser in Bremen", unterstreicht Peter Sakuth, Vorsitzender des Vereins Nachbarschaftshaus Bremen. Denn das "na'" im Ohlenhof-Quartier, das im Mai 60 wird, war das erste Bürgerhaus in der Hansestadt. Es wurde am 26. Mai 1952 eingeweiht und verdankt seine Existenz der Schützenhilfe und einer Spende aus den USA. Das soll gefeiert werden.

Ohlenhof. Mehrere Zimmer für Kinder, ein Lesezimmer, ein Feierabendzimmer, Werkräume und ein großer Vortrags- und Versammlungsraum: Von der Öffentlichkeit wurde das Nachbarschaftshaus Helene Kaisen bei seiner Eröffnung im Mai 1952 bewundernd bestaunt.

Die Gröpelinger haben es einer freundschaftlichen Verbindung zu verdanken: Schon kurz nach Kriegsende hatte die Arbeiterwohlfahrt Deutschland Kontakte zum Sozialwerk des amerikanischen "Unitarian Service Committee" (USC) geknüpft. Das freireligiöse Sozialwerk hatte von sich aus die Idee entwickelt, in Anlehnung an amerikanische Modelle in Deutschland ein Nachbarschaftshaus aufzubauen und so einen Beitrag zur demokratischen Erneuerung des Landes zu leisten. Die Henry Ford Foundation, die vielerorts den kulturellen Wiederaufbau Deutschlands unterstützte, bewilligte für das Vorhaben seinerzeit 150000 DM.

Auf Bremen fiel die Wahl durch die guten Verbindungen von Adolf und Ella Ehlers zu den deutschen Vertretern des USC. Schon bald stand fest, dass das Haus in einem Bremer Arbeiterviertel gebaut werden sollte. Die Verantwortlichen einigten sich auf den Stadtteil Gröpelingen, ein vom Krieg schwer betroffenes und dicht bevölkertes Arbeitergebiet, in dem schon damals viele Kinder lebten.

Zur Vorstandsvorsitzenden des Vereins "Nachbarschaftshaus Gröpelingen" wurde im Mai 1951 Helene Kaisen, die Frau des ersten bremischen Nachkriegsbürgermeisters Wilhelm Kaisen, gewählt. Das Nachbarschaftshaus, wie es ursprünglich ganz schlicht hieß, war laut Satzung als "Stätte, die jedem Menschen ohne Rücksicht auf religiöse, politische oder altersmäßige Beschränkung offensteht", gedacht.

Das Haus sollte jedem Menschen ermöglichen, "durch praktische Erfahrungen und unmittelbares Erleben den inneren Gehalt einer echten demokratischen Gemeinschaft kennenzulernen". Das Haus sollte als Muster für weitere eventuell entstehende derartige Häuser und daher auch als Ausbildungsstätte für alle Arten von Kräften der sozialen und pädagogischen Arbeit dienen", das war ein weiteres Ansinnen. Bis das neue Gebäude auf den Fundamenten der ausgebombten Schule am Ohlenhof 10 in Gröpelingen eingeweiht werden konnte, war das Nachbarschaftshaus vorübergehend in einem ehemaligen Jugendwohnheim am Halmerweg untergebracht.

Veranstaltungen liefern Anreiz

"Einige unserer älteren Besucher erinnern sich daran, dass sie auch deshalb in das Haus kamen, um sich in kalten Wintermonaten hier aufzuwärmen", schildert Sakuth, "denn viele Wohnungen konnten in den Nachkriegsjahren nicht oder nicht ausreichend beheizt werden."

Hauptanziehungspunkt waren aber die unterschiedlichen Veranstaltungen. Viele Menschen seien gekommen, um vom Alltag abzuschalten, oder einfach, um andere zu treffen. Regelmäßig sei damals außerdem im Nachbarschaftshaus gemeinsam Kleidung genäht worden, berichtet er. Dass das Haus in den 1990er Jahren und angesichts knapperer Kassen zusätzlich auf den Namen seiner ersten Vorstandsvorsitzenden getauft wurde, dahinter steckte ein gewisses Kalkül: Bremen würde keine Einrichtung schließen, die den Namen Kaisen trug, dachten sich die Verantwortlichen - damit diente der neue Name der Zukunftssicherung des Hauses.

Sie ist bis heute Dauerthema im "na'": Angesichts der Ängste vor einem Scheitern des Euro, vor dem Verlust des Ersparten und vor zunehmender sozialer Kälte werden, wie Peter Sakuth erklärt, "Einrichtungen wie das Nachbarschaftshaus immer bedeutungsvoller, weil hier jeder Einzelne etwas zählt". Das sei auch im Hause des zuständigen Senators für Kultur bekannt, "denn in der Zielvereinbarung für die Jahre 2012 und 2013 wird ausdrücklich auf die Ankerfunktion dieses Hauses für den Stadtteil und für den sozialen und interkulturellen Zusammenhalt hingewiesen". Heute kommen viele ältere Menschen mit kleinen Renten und Besucher, die unterschiedliche Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Der angeschlossene Kindergarten "nakita" wurde 2011 ausgebaut, sodass dort nach Auskunft von Leiterin Andrea Torke 126 Kinder aus rund 20 unterschiedlichen Nationen betreut werden können. "Jeder Einzelne ist hier - unabhängig von Status und finanzieller Situation - ein gern gesehener Besucher", betont Sakuth.

Seinen runden Geburtstag will das "na'" mit dem Wettbewerb "Mein hilfsbereiter Nachbar" feiern: Dafür können ab April vorbildliche Nachbarn vorgeschlagen werden, die anderen in bestimmten Situationen geholfen haben. Zu gewinnen sind Wochenendreisen nach Paris oder Skandinavien, Restaurant-Gutscheine und mehr. Die Gewinner des Wettbewerbs werden am 26. Mai, dem Geburtstag der Einrichtung, bekannt gegeben. Dann wird ab 14 Uhr mit Live-Musik groß gefeiert.

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