Turnier im Musical Theater 600 Pokémon-Fans kämpfen in Bremen um den Sieg

Bei den „Regional Championships“ der Pokémon Company im Bremer Musical Theater kämpfen 600 Teilnehmer um WM-Punkte und Preisgelder. Auch am Sonntag steigt das Pokémon-Turnier noch.
16.09.2017, 19:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Kristina Bellach

„Attention!“, schallte es durch das Foyer des Musical Theaters. Mit diesem Ruf fällt der Startschuss zu den „Regional Championschips“ der Pokémon Company, der ersten Stufe der internationalen Turniere.

Urplötzlich ist es still an den Tischen, das Stimmengewirr aus Deutsch, Englisch, Niederländisch verstummt. 600 Teilnehmer treten in den Kategorien Junior für die ganz Kleinen, Senior für Jugendliche und Masters für Erwachsene an, die meisten im Spiel mit Pokémon-Sammelkarten, weniger im Videospiel.

Ihre Karten sind gemischt. Tony Richter und Merlin Selisch legen ihr Blatt auf den Tisch. Noch zeigt die Stoppuhr mehr als 49 Minuten, die Zeit für eine Runde, in der Spieler drei Duelle mit den japanischen Fantasiewesen ausfechten. Neben ihnen sitzt Daniel Eisebitt aus Hamburg und wartet vergeblich darauf, dass sein zugeteilter Mitspieler auftaucht.

Regenbogenkarten für 60 Euro

Indes ziehen Selisch und Richter weitere Karten, und zeigen stolz ihre schönsten Exemplare vor. „Hier, diese Regenbogenkarten sind ultra-selten. Pro Stück kosten die um die 60 Euro“, erzählt Selisch über eine bunt schillernde Sammelkarte. „Das sieht mega-gut aus“, findet der 34-Jährige. „Selbst die nur zu sammeln und anzugucken bringt total Spaß.“

Eisebitt, der mangels Gegner nichts zu tun hat, schlägt spontan eine Partie vor. Die Pokémons, zu Englisch pocket monster, also Taschenmonster, sind in einer anderen Welt das, was bei uns Tiere sind. „Sie können so groß sein wie ein Wurm oder ein Dino, alles ist möglich.“ So vielfältig wie ihre Größe ist auch ihr Aussehen. Das wird klar, als der 26-Jährige sein Blatt aufdeckt. Da ist Kapu-Fala, ein schwarzes Etwas mit pinken Locken und stechendem Blick. Oder Trasla, ein weißer Geist mit grünem Helm. Ich dagegen habe zwei zornig blickende Bälle, in deren runden Körpern Elektrizität fließt.

Freunde fürs Leben

„Die legen wir als Basiskarten“, weist Eisebitt an. Daneben legt er verdeckt sechs Preiskarten. Manche Karten, erklären die Jungs, könne man entwickeln, andere nicht. Unsere Basis-Pokémons kann man wunderbar aufwerten. Gelbe Energiekarten, die wir anlegen, geben den Monstern Kraft, um ihre Gegner anzugreifen oder sich zu verteidigen. Zudem gibt es Artikel, um die Wesen auszustaffieren, und Trainer, die sie stärker machen, um die Wettkämpfe zu bestehen.

Verschiedene Trainer kommen zum Einsatz, Monster, die auf der Reservebank hockten, kommen zum Zug. Das Kombinieren reize ihn besonders, sagt Eisebitt. „Es ist ein bisschen wie Schach. Und jedes Spiel ist anders.“ Es sei sogar besser als Poker, mischt sich ein Spieler vom Nachbartisch ein. „Man kann sich einarbeiten und anpassen, ganz wie es die persönliche Strategie ist“, meint Mitspieler Nico Alabas. Freunde fürs Leben hätte er dadurch gefunden und Leute auf Turnieren weltweit wiedergetroffen, berichtet der 21-jährige Kölner.

Reisegutscheine und Preisgelder

Wir tauschen unser Blatt Mal um Mal aus und mischen ständig. Alles geschieht auf Anweisung, die die Karten geben. Die Order jeder einzelnen Karte weiß Eisebitt, ohne den Text lesen zu müssen, auswendig.

Am Nebentisch hat Richter mit nur zwei klar gewonnenen Spielen die Runde für sich entschieden. Ich ziehe derweil einen Hyperball aus dem Stapel und Eisebitt freut sich ehrlich: „Damit hast du alles erreicht, was du willst.“ Der Hyperball erlaubt es, das beste Pokémon aus dem Stapel zu ziehen: den großen Kapu-Riki. Bevor es zum Showdown kommt, klingelt die Stoppuhr. Eigentlich wäre das Spiel dann gewonnen, wenn das Pokémon endgültig besiegt, keine Karten mehr im Deck oder alle Preiskarten eingeheimst wären.

Acht solcher Runden mit wechselnden Gegnern liegen noch vor den Spielern, bis sich die besten 32 für das Finale am nächsten Tag qualifizieren. Eisebitt hat seine Runde mangels offiziellem Gegner automatisch gewonnen. Am Ende des Turniers stehen 200 Punkte, die einen Großteil der WM-Qualifikation ausmachen, Reisegutscheine für die Jüngeren sowie Preisgelder für erwachsene Teilnehmer.

Dass das Turnier so gut ankommt, freut Organisator Felix Möder von der Jokmok Eventagentur. Organisierte Spiele im größeren Rahmen hielten den Spaß an der Sache länger aufrecht, als im stillem Kämmerlein damit alleine zu sein. „Dass im Online-Zeitalter so viele Leute physisch zusammenfinden, um zu spielen, finde ich toll“, sagt Möder.

Auch am Sonntag steigt das Pokémon-Turnier noch im Musical Theater Bremen, Richtweg 7. Zu kleineren Nebenveranstaltungen kann man vor Spielbeginn noch spontan dazustoßen.

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