Gemeinde Berne beliefert seine Haushalte besonders teuer / In Bremen-Nord knapp 120 Euro weniger fällig

701,28 Euro für Wasser und Abwasser

Berner Haushalte müssen seit Jahreswechsel erheblich tiefer ins Portemonnaie greifen, wenn sie ihre Wasser- und Abwasserrechnungen begleichen wollen. Ihr Versorgungsunternehmen hat seine Gebühren um 40 Prozent erhöht. Damit liegt die Gemeinde in der Wesermarsch am oberen Ende der Wasserversorger in der Region – in anderen Orten lebt es sich in Bezug auf diese Nebenkosten oftmals deutlich günstiger.
28.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Wenke

Berner Haushalte müssen seit Jahreswechsel erheblich tiefer ins Portemonnaie greifen, wenn sie ihre Wasser- und Abwasserrechnungen begleichen wollen. Ihr Versorgungsunternehmen hat seine Gebühren um 40 Prozent erhöht. Damit liegt die Gemeinde in der Wesermarsch am oberen Ende der Wasserversorger in der Region – in anderen Orten lebt es sich in Bezug auf diese Nebenkosten oftmals deutlich günstiger.

Bremen-Nord·Wesermarsch·Kreis Osterholz. Wenn nicht der offizielle Briefkopf des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) auf dem Schreiben gewesen wäre, hätte Rita Wenz an einen schlechten Scherz gedacht. Mitte Dezember flatterte der Berner Rentnerin eine Mitteilung ins Haus, wonach sie für Trink- und Abwasser statt 50 Euro nunmehr alle zwei Monate 66 Euro zahlen muss. Eine Steigerung von 32 Prozent. Genauer betrachtet sind es sogar 40 Prozent, denn die Bernerin hatte ihre Abschlagszahlung zuvor freiwillig von 47 auf 50 Euro heraufgesetzt.

Läge Rita Wenz‘ Wohnung nur wenige Kilometer weiter südlich in Lemwerder, dann würde die Rentnerin mit ihrem Ein-Personen-Haushalt deutlich besser dastehen. In Lemwerder veranschlagt der OOWV nämlich nur 2,80 Euro pro Kubikmeter Abwasser statt 3,92 Euro in Berne. Die Abwasser der südlichsten Wesermarschgemeinde werden im Gegensatz zu denen aus Berne über einen Düker zur Kläranlage Farge transportiert und dort aufbereitet. Der OOWV war vor Jahren in einen Vertrag zwischen Lemwerder und Bremen eingestiegen, sagt Lemwerders Bürgermeister Hans-Joachim Beckmann. Und da sich Lemwerders Kanalnetz in einem guten Zustand befinde, sei in den kommenden Jahren keine Gebührenerhöhung fällig. In Lemwerder würde Rita Wenz also alle zwei Monate nur einen Abschlag von 40 Euro zahlen.

Eine Stadt – ein Tarif lautet die Devise des regionalen Ver- und Entsorgers swb für Bremen. In allen Stadtteilen werde die selbe Gebühr erhoben, so eine Unternehmenssprecherin. Somit zahlten die Bürger in Blumenthal, Vegesack und Burglesum denselben Betrag für ihr Trinkwasser wie Bewohner der Stadtteile Oberneuland, Huckelriede oder Gröpelingen. Die Abwasserentsorgung hat die swb der Hansewasser übertragen. Doch liegen der Gebührenberechnung auch auf diesem Sektor im gesamten Stadtgebiet dieselben Daten zugrunde – 2,64 Euro pro Kubikmeter.

Davon profitieren die Nordbremer, weil es eben relativ geringe Abwassergebühren sind. Allerdings schlägt die Trinkwasserversorgung mit 1,98 Euro pro Kubikmeter und einem zusätzlichen Festpreis von 2,46 Euro zu Buche. Den hohen Arbeitspreis begründet swb-Sprecher Christoph Brinkmann mit den fast überall mit Beton, Asphalt oder Steinen versiegelten Böden in einer Stadt. Leitungen seien dort teurer zu verlegen als auf dem Land, wo sie zumeist in Grünstreifen neben den Straßen verlaufen könnten. Das schlage sich im Preis nieder. Dennoch würde Rita Wenz auch bei Bezug einer Wohnung in Bremen-Nord an Wasser- und Abwassergebühren sparen. Die swb würde zweimonatlich einen Abschlag in Höhe von knapp 45 Euro abbuchen.

Genauso günstig wie in Lemwerder könnte die Bernerin in der Gemeinde Schwanewede trinken, duschen und die Toilette spülen. Allerdings auch nicht überall: Rade und Aschwarden bilden Ausnahmen. Während im Rest der Gemeinde der Wasser- und Abwasserverband (WAV) Osterholz ver- und entsorgt, erhalten die beiden Ortschaften im nordwestlichen Zipfel ihr Trinkwasser vom Wasserversorgungsverband Wesermünde-Süd, der eine höhere Gebühr verlangt. Die Abwasser entsorgt allerdings auch in den Außenbezirken der WAV.

Dieser ist ferner in den zu Ritterhude gehörenden Ortschaften Platjenwerbe und Ihlpohl aktiv. Die beiden Ortschaften im nordbremer Speckgürtel erhalten ihr Trinkwasser vom WAV Osterholz, haben ihre Abwasserentsorgung aber den Stadtwerken Osterholz übertragen.

Zurück nach Berne. Dort schlägt vor allem eine Grundgebühr zu Buche, die der OOWV seit Januar für die Abwasserentsorgung eingeführt hat, räumt Timmermann ein. Mit dem Grundpreis decke der Verband die Fixkosten, erklärt der Pressesprecher, also feste Kosten, die auch entstünden, wenn gerade kein Wasser verbraucht wird. Timmermann nennt Personalkosten, Darlehenstilgung oder Darlehenszinsen als Beispiele.

Der Pressesprecher betont allerdings, dass es der Verband nicht darauf anlege, Gewinne zu erzielen. Dies dürfe er als öffentlich-rechtliches Unternehmen gar nicht. Die derzeitigen Entgelterhöhungen, die sich durch viele Kommunen in der Wesermarsch zögen, fänden ausschließlich statt, "weil die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken." Und da der OOWV kein privates Unternehmen sei, gebe es weder Dividenden für Aktionäre, noch sonstige Gewinnausschüttungen oder Boni.

Für Rita Wenz und alle anderen Berner Bürger bedeutet es dennoch, dass sie in diesem Jahr 75 Euro mehr zu zahlen haben.

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