Neue Stühle für die Bürgerschaft Abgeordnete wollen teures Designer-Modell

Der Plenarsaal der Bürgerschaft soll mit neuen Stühlen ausgestattet werden. Und die sollen pro Stück etwa 2000 Euro kosten. Die Kaufentscheidung ist noch nicht gefallen.
30.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Abgeordnete wollen teures Designer-Modell
Von Wigbert Gerling

83 Sitze hat die Bürgerschaft – politisch betrachtet, aber eben auch rein unter dem Blickwinkel des Mobiliars. Sämtliche Stühle für die Parlamentarier und zusätzliche für Senatoren und hochrangige Mitarbeiter sollen ersetzt werden. Insgesamt wird eine Bestellung von 130 dieser Sitzgelegenheiten für den Plenarsaal vorbereitet. Preis pro Stuhl: gut 2000 Euro, es geht damit um einen Auftrag von gut 260 000 Euro.

Die Wände weiß, die Stühle rot, darauf war Mitte der 1960er-Jahre bei der Gestaltung des Plenarsaals im Parlamentshaus geachtet worden, um einen Bezug zur bremischen „Speckflagge“ zu bieten. Der spezielle Rot-Ton soll beibehalten werden, wenn 130 neue Stühle angeschafft werden. Dies gehört zu den Maßgaben, die Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki formulierte, der in die Diskussion über das neue Mobiliar eingeschaltet worden war. Er verhehlt nicht, dass er anfangs eher an eine Aufarbeitung der vorhandenen Stühle gedacht habe, aber er könne nachvollziehen, dass sich die Abgeordneten von den alten Sitzgelegenheiten verabschieden wollten.

Nach kontroverser öffentlicher Diskussion war das Haus der Bürgerschaft – ein Entwurf des Architekten Wassili Luckhardt – gebaut und 1966 eingeweiht worden. Der damalige Hersteller der Stühle ist nicht mehr aufzuspüren, nachdem vor Jahren eine Akte zur Ausstattung des denkmalgeschützten Gebäudes offenbar verloren ging. Vor knapp zwanzig Jahren, so heißt es in der Bürgerschaft, waren dann diese Sitzgelegenheiten für die Abgeordneten aufgepolstert und neu bezogen worden. Da die Klagen unter Parlamentariern gleichwohl nicht verstummten, solle nun „ein Schnitt gemacht“ werden, wie der grüne Fraktionsgeschäftsführer Felix Holefleisch erklärte. In Abstimmung mit der Denkmalpflege werde „eine nachhaltige Lösung“ bevorzugt, die für die nächsten Jahrzehnte Bestand habe.

Probesitzen auf „Eames Aluchair EA 108"

„Eames Aluchair EA 108“ – dies ist die Bezeichnung für den Stuhl, der offenbar den Anforderungen an Sitzkomfort und Denkmalschutz am besten gerecht wird. Spitzen aus den Fraktionen hatten sich zum Probesitzen getroffen, mit einem Architekten gesprochen und die Bewertungen des Denkmalpflegers angehört. Unter mehreren Typen überzeugte der Stuhl des Herstellers Vitra offenbar am meisten. Zur Auswahl standen demnach auch Modelle zum Preis von gut tausend Euro pro Stück, aber die Bürgerschaftsfraktionen seien einhellig der Ansicht dass es dieser „Eames Aluchair“ für gut 2000 Euro sein soll. Insgesamt sollen für die 83 Parlamentsplätze, die Senatsbank und einige Tische für Mitarbeiter 130 Exemplare angeschafft werden.

Dieser Möbel-Typ geht in seiner Formgebung, so Denkmalpfleger Skalecki, zurück auf die Zeiten, in denen auch das Haus der Bürgerschaft entworfen worden sei. Zudem habe er Seitenlehnen aus Chrom und nehme damit die Gestaltung der ursprünglichen Stühle auf.

Folgt man der Einschätzung von Abgeordneten, dann sieht es zudem so aus, als könne der gewünschte Stuhl in dem Rot geliefert werden, das für den Plenarsaal vorgegeben ist. Die Planungen zum Kauf sind offenbar weit gediehen. Eine Kaufentscheidung, so betonte am Donnerstag der Parlamentssprecher Horst Monsees, sei allerdings noch nicht gefallen. Die Bürgerschaftsverwaltung würde als Dienstleistung für die Abgeordneten einen entsprechenden Wunsch zügig erfüllen können, es werde allerdings noch ein Gespräch der Fraktionsvorsitzenden geben.

Probleme mit den alten Stühlen

CDU-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Hoffmann verwies – ebenso wie seine Kollegen anderer Bürgerschaftsparteien – auf das Alter der Sitzgelegenheiten und die Probleme, die Abgeordnete damit hätten. Nicht nur, dass die Stühle starr und nicht zu kippen seien – weil sie unbequem seien, legten sich Parlamentarier Kissen auf die Sitzflächen, um ergonomische Unzulänglichkeiten des Mobiliars auszugleichen. Eine erneute Aufpolsterung hätte mit etwa tausend Euro kalkuliert werden müssen, wäre aber nicht für Jahrzehnte ein Garant für erträgliches Sitzen im Saal. André Städler, Sprecher der SPD-Fraktion, verwies auf mehrere andere Landtage, die mit den Stühlen des Typs, der angeschafft werden solle, gute Erfahrungen gemacht hätten.

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