Abitur in Bremen

Zwei Prüfungstermine - einer zu viel?

Mit zwei Zeitfenstern für die Abiturprüfungen will die Bildungsbehörde den Schülern entgegenkommen. Doch nun kommt Kritik auf: GEW und Personalrat sehen eine zu starke Belastung der Lehrkräfte.
19.03.2021, 05:00
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Zwei Prüfungstermine - einer zu viel?
Von Frank Hethey
Zwei Prüfungstermine - einer zu viel?

Soll es nur einen oder zwei Prüfungstermine für das Abitur geben? Darüber ist in Bremen ein handfester Streit ausgebrochen.

Frank Rumpenhorst/dpa

Mit zwei Prüfungszeiträumen für das Abitur will Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) den Schülerinnen und Schülern entgegenkommen. Nun häuft sich die Kritik an ihrem Vorhaben. Als „keine gute Idee“ bezeichnet der Personalrat Schulen die Einrichtung eines zweiten Abiturkorridors. Damit würden nur Probleme für alle Beteiligten geschafft, heißt es in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung. Ins gleiche Horn stößt auch die Bildungsgewerkschaft GEW, die vor Unterrichtsausfällen in anderen Jahrgängen warnt. Mit dezentralen Aktionen will die GEW am Montag gegen die Regelungen protestieren.

Auf die Mehrbelastungen für die Lehrkräfte weisen der Personalrat Schulen und die GEW hin. Eines sei jetzt schon klar, sagt Jörn Lütjens vom Personalrat Schulen: „Erneut wird eine bürokratische 'Lösung' auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.“ Die zusätzlichen Anforderungen gingen auf Kosten der Gesundheit der Lehrkräfte, warnt gleichermaßen Jan Ströh, Landesvorstandssprecher der GEW. „Spätestens beim Koreferat muss dann Tag und Nacht fast durchgearbeitet werden, um den vorgeschlagenen Zeitplan der Senatorin einzuhalten.“

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Erheblichen Korrekturbedarf sieht auch Astrid Wiencke-Pauli, Elternsprecherin der Oberschule Findorff. Mit ihrer Mitstreiterin Mirja Uschkureit hat sie einen zweiseitigen Brief an Bogedan aufgesetzt. „Wir halten sowohl die Entscheidung an sich als auch den Weg der Entscheidungsfindung für sehr problematisch“, schreiben die beiden Mütter. Lütjens teilt diesen Vorwurf: „Die Entscheidung der Behörde wurde nicht abgesprochen mit dem Personalrat und den gymnasialen Oberstufen.“ Das sieht die Behörde anders. „Die Leitungen der Gymnasialen Oberstufen waren und sind in engem Kontakt mit dem Ressort – das ganze Schuljahr über“, sagt Ressortsprecherin Annette Kemp.

Zusätzlich fordert die GEW, die Prüfungsinhalte an die Pandemiebedingungen anzupassen. Die Eltern aus Findorff schließen sich dem Appell an: „Reduzieren Sie die Prüfungsthemen, legen Sie den Fokus auf die Leistungskurse.“ Die Bildungsbehörde betont indessen, die Prüfungsaufgaben seien der Situation in den Schulen angepasst worden. „Dies ist deshalb möglich, da für das Abitur in den zentral geprüften Fächern die Schwerpunktthemen gelten“, so Kemp. „Diese beziehen sich nur auf einen Teil des verbindlichen Bildungsplans und bilden die Grundlage für die Prüfungen.“ Zudem seien die Lehrkräfte noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass bei naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik eigene „dezentrale“ Aufgaben konzipiert werden könnten. Es sei den Lehrkräften auch erlaubt, in dezentral geprüften Fächern die Prüfungsaufgaben auf Basis des erteilten Unterrichts selbst zu stellen.

„Für die bundesweite und internationale Anerkennung des Abiturs, für Bewerbungen und Hochschulzulassungen ist es wichtig, die Prüfung abzulegen“, rechtfertigt Bogedan ihren Kurs. Nur „so eine Art Notlösung“ sieht dagegen der Personalrat Schulen in den beiden Prüfungszeiträumen. Im Kern gehe es der Behörde darum, ein faires Abitur anzubieten, ohne es zu erleichtern. „De facto ist das aber illusorisch“, sagt Lütjens. Nach seiner Kenntnis gibt es ohnedies einen eindeutigen Trend. „Aus taktischen Überlegungen wählen fast alle Schüler den frühen Termin.“

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Weniger kritisch sieht der Zentralelternbeirat (ZEB) die beiden Prüfungstermine. Gleichwohl macht auch der ZEB einen Schwachpunkt aus: Die für September vorgesehenen Nachschreibetermine für den zweiten Prüfungszeitraum müssten korrigiert werden, weil die Betroffenen damit „ein komplettes Studien- oder Ausbildungsjahr, im besten Fall ein Studiensemester“, verlieren könnten. Die Lösung: Es müsse vor Beginn der Sommerferien nachgeschrieben werden, damit eine postalische Zeugnisversendung vor dem 1. August möglich sei.

Unterdessen beklagt Ströh, die politisch Verantwortlichen ignorierten die Mehr- und Überbelastung der Beschäftigten. Zusätzliche Korrekturtage und nachträgliche Zeitentlastung seien die „absolute Minimalforderung“, sagt Werner Pfau, Oberstufenlehrer aus Walle. Die Empfehlung von GEW-Sprecher Ströh: Die Arbeitszeiten dokumentieren. Denn: „Auch in Richtung eines Klagewegs sollten wir unsere Optionen offenhalten.“

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Zur Sache

Zwei Prüfungszeiträume

Nach Vorgabe der Bildungsbehörde gibt es einen ersten Prüfungszeitraum vom 3. bis 17. Mai und einen zweiten vom 1. bis 12. Juni. Die drei schriftlichen Prüfungen müssen komplett in einem der beiden Zeiträume abgelegt werden. Damit bietet Bremen wie schon im vergangenen Jahr zwei Abiturkorridore an, um die Lernbeeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie abzufedern. Bis zum 26. März müssen sich die Schüler für einen der Prüfungszeiträume entscheiden. Zunächst sah der Fahrplan anders aus: Es sollte nur einen Prüfungstermin geben, der allerdings in den Juni verlegt wurde, um den Schülern mehr Lernzeit zu gewähren. Doch zahlreiche Schüler bevorzugten einen vorgezogenen Zeitpunkt. „Wir haben uns deshalb darauf verständigt, zusätzlich einen früheren Termin anzubieten“, so Senatorin Bogedan.

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