34 Millionen Euro Umsatz fehlen

Absage der Sail trifft Bremerhaven hart

Die Absage der Sail trifft Bremerhaven hart: Insgesamt rund 34 Millionen Euro Umsatz werden fehlen. Das Organisationsteam um Ralf Meyer arbeitet parallel zur Abwicklung an einer Verschiebung auf 2021.
21.04.2020, 08:00
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Absage der Sail trifft Bremerhaven hart
Von Nina Willborn
Absage der Sail trifft Bremerhaven hart

Windjammer wie die „Mir“ oder die „Christian Radich“ (vorne) vom Börteboot aus bewundern: Das fällt in diesem August ins Wasser.

Suhwa Lee

„Es zerreißt einem im Moment einfach das Herz“, sagt Ralf Meyer, Geschäftsführer der Tourismus-Gesellschaft Erlebnis Bremerhaven und in dieser Funktion auch Sprecher des Geschäftsführenden Sail-Organisationskomitees. Die Arbeit von mehr als vier Jahren: zunichtegemacht durch die Folgen von Covid-19.

All die Absagen, die nun in alle Welt geschrieben werden müssen, an die Betreiber der 240 Schiffe aus 20 Nationen, all die Stornierungen der Törns, Übernachtungen, Konzerte, Catering-Buchungen und und und. „Diesen Scherbenhaufen vor uns zu haben, tut weh“, sagt Meyer, „wir können nun keinem zeigen, was wir vorbereitet hatten.“

Das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen mit Publikum – vorerst – bis zum 31. August setzt auch den Vorbereitungen für die Sail, das Bremerhavener Großereignis, das nur alle fünf Jahre stattfindet, ein jähes Ende. Die Tage zwischen dem 19. bis 23. August hatten sich rund 1,5 Millionen Sail-Fans schon lange dick in ihre Kalender eingetragen, viele hatten sich extra Urlaub genommen, um die majestätischen Großsegler bei der Einlauf-Parade zu bewundern oder sie an den darauffolgenden Tagen zu besichtigen.

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„Jetzt haben wir den hellen Wahnsinn, was die Rückabwicklungen angeht“, berichtet der Sail-Organisator. Ein paar Zahlen: 7000 Einzeltickets für die Törns waren bereits verkauft, rund 250 Schiffe für Rundfahrten gechartert, mehr als 100 Künstler und Musiker, darunter Sarah Connor, Revolverheld und Ben Zucker als Headliner für Auftritte auf den sechs Bühnen verpflichtet worden. Meyer: „Jeder, der ein Ticket gekauft hat, bekommt sein Geld zurück. Wir bitten die Menschen allerdings um etwas Geduld.“

Insgesamt werden Bremerhaven und der gesamten Region laut Meyer durch die erste Absage der Sail in ihrer Geschichte seit 1986 etwa 34 Millionen Euro Umsatz entgehen, auch durch die 120 000 Hotelbetten, die nun an den Veranstaltungstagen zwischen Bremerhaven und Bremen-Stadt leer bleiben werden. „Ein deutlicher Verlust“, sagt Meyer. „Die Sonne lacht, aber das Herz aller Touristiker blutet im Moment.“ Und sie alle in Bremerhaven hoffen, dass die Absage der Sail nur eine für das Jahr 2020 ist.

Parallel zur Rückabwicklung arbeitet das Organisationsteam bereits an einer Vorlage für die Politik in Stadt und Land, die das Windjammer-Spektakel mit insgesamt einer Million Euro bezuschusst (Gesamtkosten: 2,5 Millionen Euro), das Highlight der See- und Sehleute 2021 nachzuholen. Dafür müssen sie wegen der gemeinsam gebuchten Schiffe im Moment noch auf die Kollegen in Amsterdam warten, die ihre Sail (geplant vom 12. bis 16. August) bislang noch nicht offiziell gecancelt haben – eine Entscheidung soll in dieser Woche fallen.

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Auch Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) will sich wie sein Bremer Amtskollege Andreas Bovenschulte (SPD) für eine Verlegung einsetzen. „Bremerhaven ohne Sail ist für mich nur schwer vorstellbar“, sagt Grantz. „Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Tourismusstrategie Bremerhavens, da im Laufe der Jahre der Tourismus ein immer wichtigeres wirtschaftliches Standbein der Stadt geworden ist.“

Ein Standbein, das in dieser Zeit allerdings zunehmend wackliger wird. Piet Rothe, Dehoga-Vorstand in Bremerhaven, erzählt, dass die Absage der Sail für viele der insgesamt rund 3000 in der Seestadt im Tourismus Beschäftigten ein echter Schockmoment gewesen sei. „Die Hoffnung der Hoteliers und Gastronomen war, dass bis dahin wieder einigermaßen Normalität herrscht“, sagt er. „Denn nun kommt bis Ende August vor allem für die Hoteliers kein Geld herein.

Das ist eine schlimme Situation, der lange Zeitraum ist das Problem.“ Im vergangenen Jahr hatte Bremerhaven zwischen März und Juni knapp 140 000 Übernachtungen. Rothe: „Ab Mai kommen die Monate, in denen die Hotels das Geld verdienen, das passiert nicht zwischen September und Dezember.“ Seine Befürchtung: Selbst wenn die Reise- und Kontaktbeschränkungen irgendwann gelockert werden, werde es dauern, bis die Reservierungsbücher wieder voll seien. „Das braucht Vorlauf.“

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