Gedenken an Helmut Schmidt Abschied vom großen Vorbild

Viele Bremer haben ihre Trauer um Helmut Schmidt in Kondolenzbüchern Ausdruck gegeben. Sie schreiben in der Bürgerschaft und im Rathaus über Gradlinigkeit, Ehrlichkeit, Schmidt als Vorbild und Staatsmann.
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Abschied vom großen Vorbild
Von Kathrin Aldenhoff

Gradlinigkeit ist eines dieser Worte. Oder Vorbild und Staatsmann. Solche Worte kommen vielen in den Sinn, wenn sie an Helmut Schmidt denken. Auch die Adjektive ehrlich und groß verwenden viele Bremer in ihren Einträgen in die Kondolenzbücher, die seit Mittwochmorgen in Bürgerschaft und Rathaus ausliegen. Es sind Worte, die wohl nicht jedem Politiker zugeschrieben werden. Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D., ist am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben, und die Bremer sprechen den Angehörigen ihr Beileid aus.

„Schon als junges Mädchen habe ich Helmut Schmidt sehr bewundert“, sagt Gisela Zimmer. Seit sie miterlebte, wie er als Innensenator die Flutkatastrophe in Hamburg managte. Die 68-Jährige ist in die Bürgerschaft gekommen, um Abschied zu nehmen. Sie sitzt einen kurzen Moment an dem schmalen Tisch, den die Mitarbeiter der Bürgerschaft in der Eingangshalle aufgestellt haben. Darauf eine weiße Rose, eine Kerze und eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Helmut Schmidt. An der Wand hängt das Schmidt-Porträt von Manfred W. Jürgens. Normalerweise hat das im ersten Stock seinen Platz; am Dienstagabend haben die Mitarbeiter es hinunter ins Erdgeschoss getragen, damit alle Bürger das Bild sehen können, wenn sie sich in das Kondolenzbuch eintragen.

Einige sprechen dabei den Verstorbenen direkt an. „Tschüss Helmut“, heißt es öfter. Manche richten ihre Worte gleich an den „lieben Herrn Schmidt“. „Ich habe ihn gemocht, auch wenn ich ein gutes Stück jünger bin als er“, sagt Henning Weinbecker. „Mit seiner Hamburger Mütze hat er mich immer an meinen Vater erinnert“, sagt der 49-Jährige, nachdem er einige Worte in das Kondolenzbuch geschrieben hat. Dieses Kondolenzbuch ist eigentlich eine schwarze Mappe mit losen Blättern. Wenn ein Blatt voll ist, nimmt der Pförtner es he-raus und legt es in eine andere Mappe zur Aufbewahrung.

Bis Freitag haben die Bremer im Haus der Bürgerschaft die Möglichkeit, ihr Beileid auszudrücken. Dann werden die Seiten gebunden und an das Berliner Büro von Helmut Schmidt geschickt. Das letzte Kondolenzbuch, das in Bremen auslag, war für den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, das davor für die Angehörigen der Opfer des Anschlags auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Was danach mit den Kondolenzbüchern geschieht, ist unterschiedlich. Das Kondolenzbuch für Charlie Hebdo etwa wurde dem französischen Botschafter überreicht.

Auch in der Eingangshalle des Rathauses liegt ein Kondolenzbuch aus. „Wir hatten heute Vormittag schon eine Schlange hier“, sagt Werner Wick, Mitarbeiter der Senatskanzlei. „Politikerpersönlichkeiten wie Helmut Schmidt genießen eine hohe Anerkennung in der Bevölkerung.“ Viele wollen sich verabschieden, da werden viele Seiten zusammenkommen, glaubt er.

Gisela Arckel-Plebanski ist aus Vegesack in die Innenstadt gefahren, um sich im Rathaus in das Kondolenzbuch einzutragen. Der 78-Jährigen war das sehr wichtig. Warum? „Weil mir dieser Bundeskanzler sehr imponiert hat. Wir sollten dankbar sein, dass wir so einen großen Mann als Politiker hatten.“

Auch Gisela und Cornelius Finke war es ein Anliegen, für Helmut Schmidt zu unterschreiben. „Es ist schön, dass die Stadt Bremen das initiiert hat“, sagt die 62-Jährige. Ihr Mann fügt hinzu: „Meine Frau kommt aus Fischerhude. Helmut Schmidt war ihrem Heimatdorf sehr verbunden.“ Die beiden hätten in den vergangenen Jahren sehr genau verfolgt, was der Ex-Kanzler über die Welt sagte. Es war viel Kluges, da sind sie sich einig. Das Kondolenzbuch im Rathaus liegt noch bis Sonnabendnachmittag aus. Danach werden die Blätter gebunden und Schmidts Familie geschickt.

Helmut Schmidt in Bremen

  • 1937: Wehrdienst bei der Flakartillerie in Vegesack.
  • 1972: Gast beim 85. Geburtstag von Wilhelm Kaisen. Auch beim 90. Geburtstag war Schmidt dabei.
  • 1975-2005: Als großer Kunstliebhaber und Freund des Künstlers Christian Modersohn kam Schmidt mehrmals mit Frau „Loki“ für Ausstellungen in die Region.
  • 1975: Wahlkampfrede zur Bürgerschaftswahl und Besuch im Pressehaus.
  • 1978: Gipfelkonferenz des Europäischen Rates in Bremen. Grundsteinlegung für das Europäische Währungssystem.
  • 1979: Schmidt nimmt im Rathaus Abschied von Wilhelm Kaisen.
  • 1983: Ernennung zum Ehrenbürger von Bremerhaven.
  • 2001: Rede bei der Eröffnung der Jacobs University (damals noch International University Bremen).
  • 2002: Ehrengast beim Bürgermahl.
  • 2009: Redner beim Kirchentag.

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