Trauer Abschied von Francesca De Martin

Ostertor. Es war eine zutiefst bewegende Trauerfeier, die am Neujahrs-Montag an die einen Tag vor Heiligabend nach schwerer Krankheit im Alter von nur 48 Jahren verstorbene Francesca De Martin erinnerte. In der Kapelle des tiefverschneiten Riensberger Friedhofes nahmen Verwandte, Freunde und Weggefährten weinend und lachend von der großen italienischen Komödiantin und Kabarettistin Abschied.
07.01.2010, 22:04
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Von Sigrid Schuer

Ostertor. Es war eine zutiefst bewegende Trauerfeier, die am Neujahrs-Montag an die einen Tag vor Heiligabend nach schwerer Krankheit im Alter von nur 48 Jahren verstorbene Francesca De Martin erinnerte. In der Kapelle des tiefverschneiten Riensberger Friedhofes nahmen Verwandte, Freunde und Weggefährten weinend und lachend von der großen italienischen Komödiantin und Kabarettistin Abschied.

In fast 25 Jahren hat uns der in Vittorio Veneto geborene, strahlende Stern viele Glücksmomente und komödiantische Sternstunden geschenkt. „Jetzt bringt sie die Engel zum Lachen“, schrieben ihr Mann Alvaro Solar und ihre Kinder in ihrer Todesanzeige. Francesca De Martin lebt in ihren vielen, urkomödiantischen Rollen in den Herzen aller, die sie lieben, weiter. Sie sagten ihr mit einem allerletzten Applaus addio.

Zuvor hatte die sizilianische Sängerin Etta Scollo ein Requiem auf die Künstlerin gesungen. Wer mochte, konnte ihr einen letzten Gruß auf den Sarg schreiben und sich ein Plakat als Erinnerungsstück mitnehmen. „Es gibt wohl kaum jemanden, der so viele Talente in sich vereinigt hat wie Francesca. Sie hat viele Stücke für Alvaro Solar, die auch bei uns in der Company gespielt wurden, geschrieben und inszeniert. Sie war eine wunderbare Solo-Künstlerin, spielte aber auch im Ensemble. Sie produzierte Stücke und publizierte Kolumnen“, sagt Renate Heitmann von der Geschäftsführung der Bremer Shakespeare Company.

So nahm das Energiebündel beispielsweise als scharfzüngige Signora Grandi im Funkhaus Europa das deutsch-italienische Verhältnis aufs Korn. Das Straßentheater führte die Italienerin schon mit 19 Jahren nach Deutschland. Sie war Mitbegründerin des Zelttheaters „Fliegende Bauten“ in Hamburg. In den letzten Jahren war sie mit den „Missfits“-Ladies Jutta und Gerburg Jahnke und mit Andrea Bongers mit der Midlife-Satire „Lappen weg“ auf Tour.

Doch damit nicht genug: Sie machte die Bremer mit den Stücken von Dario Fo bekannt. Inge Beutler, inzwischen pensionierte Honorarkonsulin der Republik Italien, erinnert sich an De Martins geradezu unglaubliche „Wandlungsfähigkeit und schauspielerische Begabung“. Sie habe dem Konsulat am Sielwall quasi aus dem Nichts mit wenigen Requisiten komödiantische Sternstunden bereitet. Ein Universaltalent, das auch immer wieder von überregionalen Medien hervorgehoben wurde.

Für ihre Arbeit wurde Francesca De Martin mit zahlreichen Kleinkunstpreisen gewürdigt, für „Ibericus“, das Stück, das sie für Alvaro Solar schrieb und das 2003 in der Bremer Shakespeare Company Premiere hatte, bekam sie in München den AZ-Stern der Woche, den ersten Publikumspreis des Theaterfestivals in Dresden und den ersten Jurypreis in der lettischen Hauptstadt Riga. Vor knapp fünf Jahren konnte sie mit „Aufmarsch der Itaker“, einem von ihr akribisch recherchierten Doku-Theater zu einem halben Jahrhundert italienischer Migration in Deutschland, einen großen Erfolg verbuchen.

Sie gastierte bei den Deutsch-Italienischen Gesellschaften im norddeutschen Raum, auch in Wolfsburg, „der größten italienischen Siedlung nördlich des Brenners“. „Die Menschen können ohne gutes Theater nicht leben“, hatten Francesca De Martin 1999 und Alvaro Solar in einem Zeitungsinterview gesagt. Das Theater muss jetzt ohne eine große Komödiantin leben.

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