Wehmut ja, Tränen nein Abschiedsparty im Horner Bad

Zum Abschied gab es eine polarisierende Abschiedsparty für das Horner Bad, das spätestens 2021 als Kombibad wieder eröffnet werden soll.
01.09.2018, 19:08
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Martin Ulrich

Auf dem Weg zum Horner Bad kommt den Passanten ein Lieferwagen entgegen. Der Fahrer hält an und kurbelt das Fenster runter. „Na, bist Du auch auf dem Weg zur Trauerfeier?“, ruft er einem Mann zu. „Welche Trauerfeier?“, entgegnet dieser. „Na die vom Horner Bad. Ist doch vorbei. Ich hab da heute meinen letzten Tag.“ Auf die Frage, wie er das meine, stellt sich heraus, dass der Fahrer Nils Baad ist, der nicht nur den Kiosk im Horner Bad betrieb, sondern auch der Chef der Crossini Baguetterien ist. Eine Träne verdrücke er nicht, weil er an der vorübergehenden Schließung des Freibades bis 2021 sowieso nichts ändern könne.

Vor dem Eingang zum Bad hat sich eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen versammelt. Sie tragen Buttons mit der Aufschrift „Rettet das Horner Band und das Uni Bad.“ Es gibt Butterkuchen wie auf einer Beerdigung. Die Trauernden sind von der Bürgerinitiative „Pro Unibad“ und vom Schwimmverein Bremen von 1910. Sie sind mit den Planungen für das Uni- und das Horner Bad nicht einverstanden. Sie bieten auch einen Sarg auf, in dem sie wohl ihre Hoffnungen auf den Erhalt der Bäder begraben wollen.

Lesen Sie auch

Mit Butterkuchen und Sarg

Im Inneren des Bades steht Laura Schmitt, die Pressesprecherin der Bremer Bäder. Sie schaut auf den Sarg und schüttelt sich. „Also das ist mir echt zu viel. Das geht zu weit“, sagt Schmitt. Aber obwohl die Mitglieder der Initiative ihre Protestversammlung auf dem Gelände des Horner Bades abhalten, lässt man sie gewähren. Fernsehleute und Fotografen stürzen sich sofort auf die Protestgruppe.

Endlich lebendige Bilder, endlich eine Kontroverse: prima. Stefan Quaß von der Bürgerinitiative „Pro Unibad“ hält eine Trauerrede. Die Gruppe singt traurige Lieder. Aggressive oder gar revolutionäre Tone sind nicht zu hören, kein „Avanti Popolo“ oder ähnliches. Nein, die Leute trauern wirklich.

Drinnen zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Die lokale Prominenz steht in lockeren Grüppchen, plaudert und trinkt Vitamindrinks mit und ohne Schuss. Die Spielgeräte sind durch Hüpfburgen ergänzt. Ein einzelner Schwimmer zieht seine Bahnen, ein Unterhaltungsteam spielt laute Schlagermusik, aber die Abschiedspartygänger hatten sich offenbar entschlossen, erst nach dem Mittagessen zu kommen.

Sabine Dick wohnt mit ihrer Familie in der unmittelbaren Nähe des Horner Bades. Sie hat bisher viel Zeit im Horner verbracht. Ihre Kinder haben hier das Schwimmen gelernt und sind immer gern gekommen. Sie hat gerade ihr persönliches Abschiedsschwimmen hinter sich und bindet ihre Straßenschuhe. Sie sagt: „Es ist schon schade, dass das schöne Bad nun weg ist. Ich hab mir eben die Pläne noch einmal angesehen und es ist so, dass die Becken für die Kleineren offenbar verkürzt und verkleinert werden. Das ist schade.“ Und Sabine Dick fügt hinzu: „Das war ja immer ein ganz tolles Familienbad. Und ob man diesen Charakter erhalten kann oder will – das weiß ich nicht.“ Die Familienmutter hat daran ihre Zweifel, will aber die Dinge in aller Ruhe auf sich zukommen lassen.

Lesen Sie auch

Laura Schmitt von den Bremer Bädern ist davon überzeugt, dass das Bad sehr schön wird. Sie sagt: „Zur Saison 2021 wird das Bad wieder eröffnet. Und bis dahin kann man sich doch ein anderes Bremer Bad suchen. Wir haben so viele schöne Bäder.“

Mehr Besucher am Nachmittag

Zum Nachmittag kommen tatsächlich mehr Besucher. Die Kinder plantschen und spielen. Einige besteigen die Aqua Zorbing-Bälle, die einem Becken treiben. Das sind durchsichtige Plastikbälle, die so groß sind, dass ein Mensch hineinpasst. Auf diese Weise kann man auf dem Wasser gehen. Wer das einmal gemacht hat, schwärmt lange davon. Die Poolnudelstaffel zieht ebenfalls viel Aufmerksamkeit auf sich. Drei Teams stellen sich dem Wettbewerb, zwei "Bäder-Teams" und ein "Mütter und Söhne-Team" nehmen daran teil. Gewinner wird das ‚Mütter und Söhne-Team‘, bestehend aus zwei Müttern und zwei Söhnen. Im Anschluss werden einige Erinnerungsstücke an das Horner Bad versteigert. Hier kann sich Wehmut in klingende Münze wandeln. Der Ertrag der Auktion geht zu 100 Prozent an das Projekt „Kids in die Bäder“.

Inga Köstner, die Ortsamtsleiterin Horn-Lehe, kommt mit ihrem drei Monate alten Kind zur Abschiedsparty. Sie ist noch in Elternzeit und möchte unbedingt erleben, wie an diesem Tag die Stimmung ist. „Ich freue mich auf den Umbau. Ich freue mich darauf, dass Horn-Lehe die Möglichkeit hat, ein neu gestaltetes Freibad zu bekommen und dazu noch eine neue Schwimmhalle", sagt Ortsamtsleiterin Köstner. Anderenorts werden viele Schwimmbäder geschlossen und hier habe man die Möglichkeit, gleich zwei Bäder zu erhalten – das Freibad und die Schwimmhalle.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+