Verwirrspiel auf der Parkallee

Absperrbaken sollen Radfahrer auf die Straße lenken

Es sollte zukunftsweisende Verkehrspolitik werden: Doch auf der Radschnell-Route zwischen Innenstadt und Universität kommen Nutzer ins Stocken. Und zwar auf der Parkallee zwischen Rembertitunnel und Stern.
03.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Absperrbaken sollen Radfahrer auf die Straße lenken
Von Frauke Fischer

Aus Sicht des grünen Verkehrsressorts soll sie ein Markstein zukunftsweisender Verkehrspolitik werden. Doch auf der Radschnell-Route zwischen Innenstadt und Universität kommen Nutzer buchstäblich ins Stocken. Und zwar auf der Parkallee zwischen Rembertitunnel und Stern.

So mancher, der häufig mit dem Rad stadtauswärts durch den Rembertitunnel Richtung Stern fährt, schüttelt dieser Tage den Kopf. Da steht doch eine rot-weiß schraffierte Absperrbake mitten auf dem Radweg, die die Fahrer ausbremst.

Gleich dahinter: nagelneue Fahrradbügel, die das Hindernis optisch vergrößern, ohne an diesem Standort sinnhaft zu wirken. So wie offenbar die gesamte Verkehrsführung auf der neu eingerichteten Fahrradstraße, in die sich der Abschnitt der Parkallee zwischen Tunnel und Stern verwandelt hat.

Ein Szenario derzeit im Morgen- oder Abendverkehr: Ein Radfahrer kommt auf dem Radweg aus dem Tunnel, sieht die Bake und umfährt sie je nach Vermögen schwungvoll oder mühsam. Warum nicht weiter auf dem Radweg fahren? Zumal die Fahrbahn, die nun ausweislich der Schilder und Piktogramme vorrangig den Radfahrern gehört, durch die parkenden Autos eng ist. Wer sich mit dem Rad auf die Straße traut und dann von Autos überholt wird, tut es mit mulmigem Gefühl. „Ich spiele doch nicht das Versuchskaninchen“, sagt eine Radfahrerin, als sie kopfschüttelnd die Bake umkurvt, um auf dem alten Radweg, der nun keiner mehr sein soll, weiterzufahren.

Eigentlich zu eng

„Unglücklich, sicherlich nicht die beste Lösung“, sagt auch Klaus-Peter Land, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Bremen. Er selbst hat die Route mehrfach getestet. Aus ADFC-Sicht hätte es einen markierten Streifen für die Radfahrer auf der Fahrbahn geben sollen – dort, wo jetzt weiterhin Autos parken. Doch es habe in Abstimmung mit Verkehrsressort, Amt für Straßen und Verkehr (ASV) und Beiräten „eine Kompromissnotwendigkeit“ gegeben. Das Ergebnis nennt sich Fahrradstraße, „ist aber eigentlich zu eng dafür, zumal für eine Premium-Radroute“, sagt Land.

Immerhin sind auf der Strecke täglich 7000 Radfahrer unterwegs. Die hohe Zahl war der Grund, abschnittsweise zwischen Präsident-Kennedy-Platz und Universität den Radfahrern mehr Raum, stellenweise sogar Vorrang zu geben. Die Rembertistraße wurde Fahrradstraße, die hintere Wachmannstraße ebenfalls, im weiteren Verlauf der Route wird die H.-H.-Meier-Allee radfahrtauglicher umgestaltet.

Nun also die Parkallee mit ihren Absperrbaken am Tunnel und am Stern. Sie sollen den alten Radweg unbrauchbar und als Teil des Gehwegs kenntlich machen. Als kürzlich dort jemand anonym ein Trauergesteck und eine schriftliche Erklärung anbrachte, die den verkehrspolitischen Sprecher der Grünen, Ralph Saxe, für den „Wahnsinn und die Geldverschwendung“ verantwortlich machte, fühlte der sich zu Unrecht angegriffen.

Wie der ADFC habe er einen markierten Radstreifen auf der Fahrbahn favorisiert, doch der Beirat habe auf sein Mitentscheidungsrecht bei verkehrslenkenden Maßnahmen im Stadtteil gepocht. Um keine Parkflächen zu verlieren, haben man dem ASV aufgetragen, die Fahrradstraße zu entwickeln. „Ein Kompromiss.“ Saxe sagt, er habe dafür plädiert, „in dieser nicht ganz perfekten Fahrradstraße“ den Radweg weiter zu erhalten. Er frage sich, „warum soll man etwas unbrauchbar machen, was funktioniert? Nun ist passiert, was ich prophezeit habe.“ Radfahrer wüssten nicht, wo sie fahren sollten. Autofahrer sind irritiert, Fußgänger auch, weil weiterhin Radler auf jenem Pflaster fahren, das „ihrem“ Gehweg zugeschlagen werden sollte.

Autofahrer dürfen nicht überholen

Barbara Schneider (Grüne), Sprecherin des Beirats Schwachhausen, spricht sich klar für die jetzige Konzeption aus. „Es gibt einen einstimmigen Beiratsbeschluss dazu.“ Zu eng sei eine Straße nie. „Autofahrer dürfen einfach nicht überholen. Sie müssen hinter den Radfahrern bleiben wie sonst auch, wenn es zum Überholen zu eng ist. Die Straßenverkehrsordnung regelt das ganz klar.“

Was eine bedeutende Rolle für die Einrichtung der nicht ganz perfekten Fahrradstraße gespielt hat, ist das Geld, beziehungsweise das nicht vorhandene. „Es ist die günstigste Version“, gibt Verkehrsressortsprecher Jens Tittmann zu. Ein Rückbau des Radwegs wäre deutlich teurer geworden als die vom Ressort auf 30 000 Euro bezifferten Ausgaben für Piktogramme, Straßenschilder, Fahrradbügel – und Baken. „Und wenn man Radweg und Straße offen lässt, erhöht sich die Unfallgefahr“, so der Sprecher.

Aus dem ASV heißt es, dass an den Querstraßen weitere Baken und Fahrradbügel in diesen Tagen die Situation eindeutiger machen sollen. Dort ist man wie beim ADFC und im Ressort Barbara Schneiders Ansicht: „Es wird sich alles einpendeln.“

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