Rückblick in Borgfeld auf Kanalbauentwicklung Abwasserentsorgung als Erfolgsgeschichte

Beim Thema Abwasser rümpfen manche Bürger die Nase. Dabei ist die Entsorgung flüssiger Abfälle nichts Unappetitliches, sondern in erster Linie eine große technische Herausforderung. In Bremen sind inzwischen 99,9 Prozent aller Haushalte an das Abwassernetz angeschlossen. Borgfeld ist Teil des umfassenden unterirdischen Geflechts. Das machten Vertreter des Entsorgungsunternehmens Hansewasser jetzt bei einem Treffen in Borgfeld deutlich.
01.10.2012, 05:00
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Von Klaus Göckeritz

Beim Thema Abwasser rümpfen manche Bürger die Nase. Dabei ist die Entsorgung flüssiger Abfälle nichts Unappetitliches, sondern in erster Linie eine große technische Herausforderung. In Bremen sind inzwischen 99,9 Prozent aller Haushalte an das Abwassernetz angeschlossen. Borgfeld ist Teil des umfassenden unterirdischen Geflechts. Das machten Vertreter des Entsorgungsunternehmens Hansewasser jetzt bei einem Treffen in Borgfeld deutlich.

Borgfeld. Im Mittelalter entsorgten die Bremer ihre häuslichen Abwässer ungeklärt in Abflussrinnen und Bächen. Später bauten sie Klärgruben und Klärteiche. 1911 wurden die Voraussetzungen für ein Abwassernetz geschaffen, das in groben Zügen bis heute besteht.

Vor 40 Jahren legten die Entsorger zusätzlich ein Kanalbaustufenprogramm auf, um das Abwassernetz weiter zu optimieren. Dieses Programm sei jetzt abgeschlossen, weshalb man sich aus Anlass des runden Geburtstags zu einer Bilanz treffe, sagte Hansewasser-Geschäftsführer Jörg Broll-Bickardt in Borgfeld vor Vertretern aus Politik und Verwaltung.

Borgfeld hatten die Abwasserspezialisten gezielt für den Rückblick ausgewählt. Der ländlich geprägte Ort gehörte in den 80er-Jahren zu den letzten städtischen Randbezirken, die ans Kanalnetz angeschlossen wurden. "Das war eine beträchtliche technische Herausforderung für uns, wir mussten rund 260 Kilometer zusätzlichen Kanal bauen", sagte Dieter Voigt, der langjährige Chef des Amtes für Stadtreinigung und Entwässerung. Beim Thema Abwasser seien sich die Parteien im Übrigen einig gewesen, wie Voigt in seinem Rückblick berichtete. Als in der Bürgerschaft 1972 über die Optimierung des Netzes einschließlich der weiteren Modernisierung des Klärwerks in Seehausen abgestimmt wurde, brachten die Abgeordneten das etwa 350 Millionen Mark teure Programm einmütig auf den Weg.

Profitiert haben am Ende nicht nur Bremer Stadtteile wie Borgfeld mit seinen Neubaugebieten. Profitiert hat auch die Gemeinde Lilienthal, die sich für einen Anschluss an die Bremer Kanalisation entschloss. Die Entscheidung mündete 1961 in eine Vereinbarung mit der Stadt. Seitdem entsorgen die Lilienthaler ihre Abwässer nach Bremen. Zuständig sind die kommunalen Entsorgungsbetriebe, die dafür sorgen, dass die Abwässer aus den Haushalten und Betrieben über ein Hauptpumpwerk am Truper Deich über die Landesgrenze gelangen. Für den reibungslosen Transport dahin sorgt ein umfangreiches System von Pumpwerken und Pumpen.

Das Hauptpumpwerk am Truper Deich leitet das Lilienthaler Abwasser nach Horn, bis es schließlich im Klärwerk Seehausen landet und dort in mehreren Schritten gereinigt wird, bevor es in die Weser fließt.

Das Unternehmen Hansewasser mit Sitz auf dem ehemaligen Werftgelände der AG Weser in Gröpelingen wurde 1999 als Nachfolgerin des Amtes für Stadtentwässerung gegründet und gilt als eines der ersten privatisierten Abwasserunternehmen Deutschlands. Hansewasser betreibt ein 2300 Kilometer langes Kanalnetz und reinigt in den Kläranlagen in Seehausen und Farge jährlich rund 51 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Bremen, den nördlichen Stadtteilen sowie verschiedenen Gemeinden aus dem niedersächsischen Umland. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, Geschäftsführer sind Jörg Broll-Bickhardt und Uwe Dahl. Die Unternehmensbilanz weist für 2011 Umsatzerlöse in Höhe von rund 80 Millionen Euro aus.

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