Das Verzeichnis über verwahrloste Gebäude in Bremen-Nord schrumpft / Haus in der Grönlandstraße abgerissen Ärger über Schrottimmobilien

Im Bauressort wird ein Verzeichnis über Schrottimmobilien geführt. Auf der Liste stehen auch fünf Nordbremer Objekte, eines davon – es stand in der Grönlandstraße – kann jetzt gestrichen werden. Es wurde kürzlich abgerissen. Für Anwohner und Nachbarn sind die verwahrlosten Immobilien ein ständiges Ärgernis. Heute beschäftigt sich der Bauausschuss des Beirats Burglesum mit dem Thema. Am Freitag wird dazu eine Eingabe der Länder Bremen und Nordrhein-Westfalen im Bundesrat verhandelt.
19.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ärger über Schrottimmobilien
Von Julia Ladebeck

Im Bauressort wird ein Verzeichnis über Schrottimmobilien geführt. Auf der Liste stehen auch fünf Nordbremer Objekte, eines davon – es stand in der Grönlandstraße – kann jetzt gestrichen werden. Es wurde kürzlich abgerissen. Für Anwohner und Nachbarn sind die verwahrlosten Immobilien ein ständiges Ärgernis. Heute beschäftigt sich der Bauausschuss des Beirats Burglesum mit dem Thema. Am Freitag wird dazu eine Eingabe der Länder Bremen und Nordrhein-Westfalen im Bundesrat verhandelt.

Bremen-Nord. Immer wieder ärgern sich Beiräte, Anwohner und Nachbarn über verwahrloste Immobilien. Die verfallenen, unbewohnbaren Gebäude gehören privaten Eigentümern; der Einfluss der Behörden ist deshalb begrenzt, so lange keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht. Heute beschäftigt sich der Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Beirats Burglesum mit dem Thema Schrottimmobilien. Im Fokus steht ein Haus in der Stader Landstraße, in dem sich früher der "Volkan Market" befand. Es gehört allerdings nicht zu den fünf Nordbremer Gebäuden, die vom Bauressort im Schrottimmobilien-Verzeichnis geführt werden. "Ein Objekt wurde kürzlich auf Veranlassung des Bauamtes beseitigt, sodass es aus der Liste gestrichen wird", sagt Helmut Böttjer vom Bauamt Bremen-Nord. Das Haus, das abgerissen wurde, stand in der Grönlandstraße. Eine Maßnahme, die bisher nur äußerst selten ergriffen wurde. Böttjer erläutert, warum: "Das Recht des Eigentümers und das öffentliche Interesse müssen genau gegeneinander abgewogen werden. Das sind immer Einzelentscheidungen."

Definiert werden Schrottimmobilien nach Angaben des Bauamt-Mitarbeiters als "nicht angemessen genutzte und zum Teil stark verfallene Liegenschaften mit Auswirkungen auf die städtebauliche Qualität eines Stadtteils, seine Erneuerung und Entwicklung. Häufig verbunden mit Gefahrensituationen für die Immobilie, deren Nutzer und für die Öffentlichkeit."

Die verwahrlosten Immobilien stehen unter Beobachtung des Amtes, "um Gefahren abzuwehren und wegen des Risikos einer Zustands-Verschlechterung". Die betroffenen Gebäude in Bremen-Nord seien nicht akut einsturzgefährdet, insofern konzentrierten sich die bauaufsichtlichen Maßnahmen auf die Sicherung der Gebäude und Grundstücke. Das heißt: Fenster und Zugänge im Erdgeschoss werden geschlossen, zur öffentlichen Verkehrsseite stellt das Bauamt einen Zaun auf, lose Teile wie Dachziegel oder Putz werden entfernt.

Ein Schandfleck an der Farger Straße

In Blumenthal ist dem Beirat, aber auch vielen Anwohnern, das Gebäude Farger Straße 117 ein Dorn im Auge. "Es ist ein Schandfleck, der direkt an der Straße und dazu auch noch in der Nähe des Nahversorgungszentrums steht", sagt Ortsamtsleiter Peter Nowack. Ebenfalls seit Jahren als Schrottimmobilie im Gespräch ist die leer stehende Strandhalle am Blumenthaler Fähranleger. Dort hatte die Behörde bereits vor Jahren ein Nutzungsverbot ausgesprochen – aus Gründen der Gefahrenabwehr. Eine weitere verfallene Immobilie, die Nowack Sorgen bereitet, steht am Galgenberg gegenüber der Grundschule Helgenstraße, "eigentlich ein wunderschönes Grundstück", meint er, "aber in einem verwahrlosten Zustand. Ebenso wie das Gebäude. "Da besteht die Sorge, dass die Grundschulkinder auf das Grundstück gehen und etwas passieren könnte", äußert der Ortsamtsleiter seine Befürchtung. Damit genau das nicht passiert, werden die Immobilien, die das Bauamt in seinem Verzeichnis führt, regelmäßig begutachtet und gegebenenfalls Sicherungsmaßnahmen verfügt – in diesem Fall jedoch nicht.

In Vegesack sorgen ein Gebäude an der Aumunder Heide und ein verfallenen Hauses an der Friedrich-Humbert-Straße seit Jahren für Ärger. Unter anderem setzt sich die Einwohnergemeinschaft Grohn für den Abriss ein. Doch bevor die Stadt die Beseitigung einer Schrottimmobilie verfügt, stehen immer genaue Einzelprüfungen. Alle Maßnahmen stützen sich auf Paragrafen in der Bremischen Landesbauordnung. Die Kosten für alle Maßnahmen müssen letztlich in der Regel die Eigentümer übernehmen. Eine Eingabe der Länder Bremen und Nordrhein-Westfalen zur Änderung der Baugesetzgebung im Bundesrat könnte die Einflussmöglichkeiten der Stadt künftig verbessern. Sie wird am Freitag im Bundesrat verhandelt.

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