Wertvolles Exponat im Focke-Museum Bremen

Ärger um beschädigtes Pfefferkorn

Bremen. Der Fund hat Furore gemacht. Ein Pfefferkorn, rund 800 Jahre alt, das beweist, wie früh Bremen mit dem weltweiten Handel vernetzt war. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist das wertvolle Exponat beschädigt worden.
15.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ärger um beschädigtes Pfefferkorn
Von Jürgen Hinrichs
Ärger um beschädigtes Pfefferkorn

Der Fund hat Furore gemacht. Ein Pfefferkorn, rund 800 Jahre alt, das beweist, wie früh Bremen mit dem weltweiten Handel vernetzt war. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist das wertvolle Exponat beschädigt worden.

Es war für eine Ausstellung nach Magdeburg ausgeliehen und kam lädiert zurück. Ein großes Malheur, das allseits beklagt wird. Was die Versicherung für den Schaden gezahlt hat, soll nun dafür verwendet werden, dem Pfefferkorn, das im Kern ja noch vorhanden ist, im Museum einen großen Auftritt zu verschaffen.

Es ist ein Pfefferkorn. Es sieht so aus und wird auch so schmecken, mutmaßlich, denn in den Mund nehmen oder gar runterschlucken darf man es nicht – Gott bewahre! Schlimm genug, dass es beschädigt ist, und das genau ist die Geschichte, sie ist erst jetzt bekannt geworden: Ein Pfefferkorn, das auf die Reise geschickt wurde und ramponiert zurückkam. Nicht irgendeines natürlich, sondern ein Exponat, es gehört dem Focke-Museum und ist von großem Wert.

Das Pfefferkorn wurde 1989 bei Ausgrabungen in der Wachtstraße gefunden. Eine Sensation damals für die Archäologen und Kulturwissenschaftler, sie sprachen vom vermutlich ältesten mittelalterlichen Pfefferfund nördlich der Alpen. Man kann viel daraus ablesen, zum Beispiel, dass bereits im frühen 13. Jahrhundert Ware aus Westindien nach Europa kam und dass Bremen damals ein Ort war, wo dem Luxus gefrönt wurde, denn so exotische Gewürze konnten sich nur die Reichen leisten, die sogenannten Pfeffersäcke, daher der Name. Wichtige Erkenntnisse sind das, und der Beweis dafür – ist nun nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand. Ein Malheur, nicht wieder gutzumachen, und wie konnte es nur so weit kommen?

Es geschah in Magdeburg

Es geschah in Magdeburg, bei einer Landesausstellung zur Zeit der Gotik – einer Epoche der europäischen Architektur und Kunst des Mittelalters. Die Ausstellungsmacher wollten dabei auch ein Stück Kulturgeschichte zeigen und fragten in Bremen wegen des Pfefferkorns an. Es war im Focke-Museum im Schaumagazin ausgestellt – und warum den Kollegen in Magdeburg nicht helfen und das Exponat für ein paar Monate ausleihen? Auch Uta Halle, die Landesarchäologin, hatte nichts dagegen, es war der Fund ihrer Leute.

Das Pfefferkorn wurde für den Transport buchstäblich in Watte gepackt, drum herum auch noch das schützende Glas eines Röhrchens, da sollte eigentlich nichts schiefgehen. Wie bei so wertvollen Gegenständen üblich, wurde eigens ein besonderer Kunsttransport organisiert. Alles bestens also und trotzdem dann so etwas. "Wir haben den Schaden sofort gesehen, als wir das Pfefferkorn wiederbekamen", erzählt Karin Walter, Kuratorin im Focke-Museum. Vom mürben Korn hatte sich ein Partikel gelöst, im Röhrchen war etwas ins Rutschen geraten, der Wattepfropfen hielt nicht mehr. Die Magdeburger hatten das offenbar nicht gemerkt, oder es ist beim Transport zurück nach Bremen passiert.

"So oder so, das ist jetzt egal", sagt Karin Walter. Ihre Kollegen in Magdeburg seien jedenfalls ziemlich zerknirscht gewesen, "denen tat das total leid". Den Bremern natürlich auch. "Wir werden das Pfefferkorn so schnell nicht mehr ausleihen, wahrscheinlich nie mehr", sagt die Kuratorin.

Das Exponat war versichert, und normalerweise werden mit dem Geld die Kosten der Restaurierung beglichen. Beim Pfefferkorn geht das aber nicht. "Wir können es nicht einfach wieder zusammenkleben", sagt Karin Walter. Schon weil so ein Kleber das Exponat verfälschen würde. Also wird das Geld von der Versicherung, eine vierstellige Summe, dafür verwendet, das Pfefferkorn später einmal neu und ansprechend zu präsentieren. Zurzeit wird das Focke-Museums saniert, da ist es sowieso nicht zu sehen.

Ein Gestalterbüro überlegt sich gerade, wie das kleinste Exponat im Museum groß herauskommen kann. Vielleicht so, dass man für den Schaukasten Gläser verwendet, die den Effekt einer Lupe haben. Den Bremern soll jedenfalls nicht verborgen bleiben, was für einen Schatz sie da haben. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich dann vorstellen, wie das damals war, als der Pfeffer noch in Gold aufgewogen wurde, weil die Händler so einen weiten und beschwerlichen Weg bis nach Europa und Bremen zurücklegen mussten – von der indischen Malabarküste über den Indischen Ozean und durch den Persischen Golf nach Basra und von dort mit Karawanen über Damaskus bis ans Mittelmeer. Die andere Route ging über das Rote Meer bis nach Alexandria, von dort weiter nach Venedig und über die Alpen. Irgendwann ist der Pfeffer dann auch in Bremen angelangt, und ein Korn davon blieb übrig.

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