Bremer Eltern, Lehrer und Schüler gründen Zusammenschluss Ärger um fehlende Lehrerstunden wächst

Bremen. Die Umverteilung von Lehrerstunden zum Nachteil von Gymnasien sorgt bei Bremer Eltern, Lehrern und Schülern für Frust. Sie gründen nun ein Bündnis - zum gemeinsamen Protest.
25.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ärger um fehlende Lehrerstunden wächst
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Kurz vor den Ferien wurde sie den Schulleitern mitgeteilt, seit Schuljahresbeginn ist sie teilweise in Kraft: die Umverteilung von Lehrerstunden. Besonders in den gymnasialen Oberstufen bedeutet das in erster Linie eine Kürzung – mit Konsequenzen bis hinein ins letzte Jahr vor dem Abitur. Anscheinend war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat – denn Eltern, Schüler und Lehrer gründen nun ein Bündnis zum gemeinsamen Protest.

Viel war in der vergangenen Woche von Stundenzuweisungen die Rede – also dem Vorgang, der beschreibt, wie die Bildungsbehörde anhand von Schülerzahlen und anderen Faktoren den Lehrerbedarf einer Schule ermittelt und diese entsprechend ausstattet. Grund dafür ist die von Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) in der Bildungsdeputation vorgestellte „Notmaßnahme“ mit der eine Budgetüberschreitung des Ressorts verhindert werden soll.

Kernpunkt: Um den zunehmenden Bedarf an Lehrerstunden abzudecken, der beispielsweise dadurch entsteht, dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit Förderbedarf oder einer Behinderung in einer Regelschule anmelden , werden diese dafür an anderer Stelle – vor allem an gymnasialen Oberstufen – abgezogen. Ursprünglich sollten etwa 1500 Lehrerstunden so verlagert werden. Umverteilt werden jetzt erst einmal gut 600 – der Rest wird bis Februar 2012 überprüft.

28 Schüler in einem Kurs

Ein umfassendes Bild von den Auswirkungen der Kürzung hat bislang noch niemand. Doch vermitteln einzelne Schlaglichter einen Eindruck davon, wie das Ergebnis der Kürzungen für die Schüler aussehen kann. Im Gymnasium an der Hamburger Straße zum Beispiel formulierte das Lehrerkollegium eine Protestnote an die Senatorin. Darin wird etwa davon berichtet, dass Kurse bis in den Abiturjahrgang hinein zusammengelegt werden mussten. Auch am Alten Gymnasium, berichtet Elternsprecherin Ingrid Kreiser-Saunders, sei es zu Zusammenlegungen im Abschlussjahr gekommen. Kurse in Politik und Musik seien betroffen. Die Kursstärke liege jetzt bei etwa 28 Schülern – das jedoch nur, weil einige Schüler schon vorher von der geplanten Zusammenlegung erfahren und das Fach dann abgewählt hätten.

Auf die Kürzungen angesprochen, verweist die Bildungsbehörde wieder zurück an die Schulen. „Dort liegt die Entscheidung darüber, wie die neuen Stundenzuweisungen umgesetzt werden“, erklärt Sprecherin Karla Götz. In der Hamburger Straße seien so tatsächlich verhältnismäßig viele Zusammenlegungen im letzten Schuljahr erfolgt, betroffen seien aber auch hier keine Leistungskurse. Grundkursstärken von bis zu 28 Schülern, wie jetzt nach den Zusammenlegungen der Fall, halte die Behörde aber für zumutbar. Das Wichtigste sei, dass kein Kurs ausgefallen und bei keinem Schüler das Abitur gefährdet sei, meint Götz.

In der Behörde hat man inzwischen auch noch ein anderes Problem ausgemacht: Entgegen der Verordnung für die Gymnasiale Oberstufe setzten fast alle Schulen bereits in der Einführungsphase auf ein Kurssystem, das mehr Lehrerstunden verbrauche als die eigentlich vorgesehenen Klassenverbände, sagt Götz. Lehrerstunden, die dann am Ende offenbar fehlen.

Der Unmut der Eltern ist dennoch groß. Sie sehen den Vorgang aus einer anderen Perspektive: Dort, wo beispielsweise aus fünf Kursen drei gemacht werden, bedeutet das gleichzeitig, dass zwei Kurse wegfallen. Auch wenn kein Schüler auf einen Kurs verzichten muss, so sitzt er jetzt mitunter in einer größeren Gruppe und vor einem anderen Lehrer.

Auch die Lehrer beschweren sich

Auch die Lehrer sind zunehmend verärgert. Sie sehen einerseits die praktischen Folgen von Kurszusammenlegungen. „Große Kurse bedeuten mehr Vorbereitung, eine größere Belastung im Unterricht, mehr Nachbereitung und mehr Korrekturen“, sagt Petra Lichtenberg, Vorsitzende des Personalrats Schulen. Noch mehr ärgert sie allerdings, dass die Lehrerstunden , die zunächst bis Februar geprüft werden und den Schulen bis dahin weiterhin zur Verfügung stehen sollten, bei diesen Schulen mitunter gar nicht wieder angekommen sind.

Einige Schuldirektoren erzählen unter der Hand tatsächlich, dass ihnen die Stunden zwar wieder zugewiesen wurden, es fehle ihnen jedoch die finanzielle respektive personelle Ausstattung, diese Stunden auch wirklich geben zu lassen. Ein Unding findet der Personalrat, der ähnliches gehört hat. Petra Lichtenberg: „Wenn in der Deputation angekündigt wird, dass bestimmte Stundenzuweisungen geprüft und zurückgestellt werden, erwarten wir, dass das auch umgesetzt wird und die Schulen nicht die Rückmeldung erhalten, dass ihnen die Stunden zwar zustehen, sie die aber jetzt nicht bekommen können .“

In ihrem Unmut haben Eltern, Schüler und Lehrer nun zusammengefunden. Der Zentrale Elternbeirat, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die GesamtschülerInnenvertretung Bremen haben das „Bremer Bündnis für Bildung“ aus der Taufe gehoben, das sich für eine bessere finanzielle Ausstattung von Bildung einsetzen will. Konkrete Pläne wollen sie heute Mittag der Öffentlichkeit vorstellen.

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