Kaputte Glasflaschen verletzen Dutzende Badegäste Ärger um Scherben am Bremer Werdersee

Bremen. Rettungsschwimmer mussten am Werdersee am Sonnabend innerhalb von vier Stunden rund 30 Schnittwunden versorgen. Die Badegäste hatten sich an den Scherben von Getränkeflaschen verletzt, die offensichtlich von einer Party stammten.
13.07.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Goerke

Bremen. Ein arbeitsintensives Wochenende liegt hinter den Rettungsschwimmern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Grund dafür waren neben mehreren Badeunfällen (wir berichteten) vor allem die Überreste eines Party-Wochenendes. Allein am Werdersee mussten die Rettungsschwimmer am Sonnabend innerhalb von vier Stunden rund 30 Schnittwunden versorgen. Die Badegäste hatten sich an den Scherben achtlos weggeworfener Getränkeflaschen verletzt.

'Der Werdersee wird immer mehr zu einem Party-Schwerpunkt - und das hat Folgen', sagt Oliver Paust, Pressesprecher der DLRG Bremen. Denn Aufräumen liege vielen der Feierfreudigen offenbar nicht. 'Am nächsten Tag sieht es häufig aus wie auf einem Schlachtfeld', sagt der Pressesprecher. Die Reinigungskräfte kommen mit den Aufräumarbeiten kaum hinterher. Der Müll sei dabei noch das geringere Problem. Viel schlimmer seien die zerschlagenen Glasflaschen. Nach Aussage von Oliver Paust haben sich bei den Rettungsschwimmern am Sonnabend beinahe im Minutentakt Badegäste gemeldet, die sich zum Teil schwere Schnittverletzungen zugezogen hatten.

Die DLRG-Kräfte kamen kaum nach, die Verletzten zu versorgen. 'Zeitweise mussten sich die verletzten Badegäste anstellen. Wir sind an unsere personellen Grenzen gestoßen', sagt Paust. Die Schwere der Verletzungen war dabei höchst unterschiedlich: Vom leicht eingeritzten Finger bis zum Fußballen, der bis auf den Knochen zerschnitten war. Einige Badegäste hatten sich dermaßen schwere Schnittverletzungen zugezogen, dass sie in Bremer Krankenhäusern behandelt werden mussten.

Die Rettungsschwimmer der DLRG stehen dem Problem machtlos gegenüber. 'Uns bleibt oft nichts anderes übrig, als an die Vernunft der Jugendlichen zu appellieren', sagt Paust. Das hätten sie schon manches Mal versucht, doch: 'Die Jugendlichen sind einer Ansprache gegenüber nicht gerade aufgeschlossen', weiß der Pressesprecher aus Erfahrung. Beim Bremer Sportamt ist das Problem bekannt. 'Die Jugendlichen lassen nach den Partys alles stehen und liegen und kümmern sich nicht um den Müll', sagt Jochen Brünjes, zuständiger Sachgebietsleiter. Verantwortlich für die Müllentsorgung sei der Umweltbetrieb Bremen. 'Die Kollegen tun, was sie können', sagt Brünjes. Dennoch sei es schwierig, dieser Menge Müll Herr zu werden.

Hatten die Rettungsschwimmer mal keine Schnittwunden zu versorgen, galt es, Opfern von Badeunfällen zu Hilfe zu kommen. Am Stadtwaldsee beispielsweise retteten sie eine Frau. Die 32-Jährige hatte im Wasser einen Krampfanfall erlitten. Der Lebensgefährte konnte sie gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser ziehen. Nachdem der Frau Sauerstoff verabreicht worden war, ging es ihr langsam besser. Sie wurde zur Beobachtung in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.

Auch am Werdersee ereignete sich ein Unfall. Ein Mann hatte eine Frau vom Ufer aus untergehen sehen. Er kam ihr zu Hilfe und zog die bereits bewusstlose Frau aus dem Wasser. Nach den Wiederbelebungsmaßnahmen durch DLRG und Notarzt stabilisierte sich der Zustand der Verunglückten. Auch sie wurde anschließend in eine Bremer Klinik gebracht.

Was die Zahl der Badeunfälle betrifft, war das vergangene Wochenende aus Sicht der DLRG nichts ungewöhnliches. Grundsätzlich sind die sieben Bremer Badeseen nicht gefährlicher als andere auch. 'Es gibt keine gefährlichen Strömungen oder Schlingpflanzen', sagt Pressesprecher Paust. Am Wochenende seien mehrere Faktoren zusammengekommen. 'Das Wetter war gut, genauso wie die Wasserqualität und außerdem sind Ferien. Das lockt Tausende an die Badeseen', sagt Paust. Grundsätzlich gelte: Je mehr Badegäste, desto mehr Unfälle. 'Dass es jetzt zwei Vorfälle an einem Wochenende gab, ist reiner Zufall.'

Insgesamt hat die DLRG rund 100 ehrenamtlich arbeitende Rettungsschwimmer an den Bremer Badeseen im Einsatz. Allein am vergangenen Wochenende leisteten sie 650 Wachstunden. Trotz Personalnot versucht die DLRG zumindest an den Wochenenden die Badeseen durchgängig zu überwachen.

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