Klima-Demo am Freitag

Ärger wegen Fridays for Future in Bremen

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) ärgert, dass sie nicht in die Planungen für diesen Tag einbezogen wurde: Polizei, Ordnungsamt und Organisatoren hatten die Demo-Strecke ohne sie abgestimmt.
28.11.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Nico Schnurr und Marc Hagedorn
Ärger wegen Fridays for Future in Bremen

Am Freitag wird die Martinistraße zeitweise nicht den Autofahrern, sondern den Klimademonstranten gehören - nicht allen gefällt das.

Christoph Kellner

Das Wohl seiner Gäste ist Clemens Hieber ein großes Anliegen. Für diesen Freitag hat der Direktor des Atlantic Grand Hotels aber eine böse Vorahnung: „Unsere Gäste werden total genervt ankommen. Die haben sich auf ein schönes Adventswochenende in Bremen gefreut, und der erste Eindruck wird sein: Demo, Stau, alles Mist.“

Die Route der Fridays-for-Future-Demo, die um 10 Uhr auf der Bürgerweide beginnt, führt genau an Hiebers Hotel vorbei. Hieber will nicht missverstanden werden: Er ist für Klimaschutz und findet solche Demonstrationen grundsätzlich richtig. Aber diesmal heißt das konkret, „da haben Gäste 199 Euro bei uns gezahlt und können uns erst mal gar nicht erreichen“. Das Atlantic ist am Freitag ausverkauft, alle Betten, über 230, sind belegt. Um die anreisenden Gäste rechtzeitig über die anstehenden Unannehmlichkeiten zu informieren, hat Hieber zwei Mitarbeiter extra dafür abgestellt, die Kunden anzurufen.

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Auch Peter Siemering ist nicht glücklich mit dem Streiktermin und der Streckenführung. Siemering ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und für Tourismus und Marketing zuständig. Ihn ärgert am meisten, dass die WFB in die Planungen für diesen Tag nicht einbezogen worden sei. Polizei, Ordnungsamt und die Fridays-for-Future-Organisatoren hatten die Strecke abgestimmt, die diesmal aufgrund des Weihnachtsmarktes einen anderen Verlauf hat. „Man hätte sich im Vorfeld besser austauschen müssen, dann hätten wir die ganze Lage besser steuern können. Jetzt droht ein Chaos“, sagt Siemering.

Der Tourismus-Chef rechnet damit, dass mindestens 80 Prozent aller Bremer Hotelbetten am Wochenende belegt sein werden. Der Weihnachtsmarkt locke jedes Jahr drei Millionen Menschen an, er sei „eine Top-Attraktion im Nordwesten“, sagt Siemering. Am Wochenende würden 200 Busse, zum Teil aus dem Ausland, Richtung Bremen rollen. Allein 100 davon könnten zwischen 10 und 14 Uhr am Freitag ankommen. Im Innenstadtbereich gibt es mehrere Halteplätze für solche Touristenbusse. Weil einige Parkmöglichkeiten (unter anderem Martinistraße, Altenwall, Osterdeich) entlang der Demo-Strecke liegen, können die Busse nicht dorthin gelangen.

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„Der Tourismus ist einer der wichtigen Wirtschaftszweige der Stadt und das erste Adventswochenende ein besonders wichtiger Termin für die Branche“, sagt Siemering, „aber beides scheint einigen in der Stadt nicht klar zu sein.“ Eine kurzfristige Veränderung der Streckenführung wird es nicht geben. Das hat Siemering seit Mittwoch schriftlich. Das Ordnungsamt hat ihm mitgeteilt, dass bei der Abstimmung der Strecke mit der Polizei „auf den Innenstadtbereich beziehungsweise die Fußgängerzone und die Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarktes Rücksicht genommen“ wurde. Beeinträchtigungen, ja, die seien zu erwarten, aber „Gefahr für Dritte“ bestehe nicht.

Das sieht Siemering etwas anders. Er erinnert daran, dass seit dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz besondere Sicherheitsvorkehrungen für Weihnachtsmärkte gelten. Vor diesem Hintergrund hält er eine Großdemonstration für nicht gerade klug. Der Weihnachtsmarkt in der City beginnt um zehn Uhr, der Zauber an der Schlachte um elf. „Doch die Innenstadt wird zeitweise quasi abgeriegelt sein“, klagt Siemering.

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Die Fridays-for-Future-Bewegung sagt, der Klimawandel betreffe auch den Tourismus. Die Branche trage erheblich zur Klimakrise bei. Das Advent-Datum, so Mitorganisatorin Frederike Oberheim, habe man sich nicht ausgesucht, es sei gesetzt durch die Weltklimakonferenz in Madrid. Und zu den Unannehmlichkeiten durch den Streik? „Das ist eine Großdemonstration, da gehört es dazu, dass für gewisse Zeit Teile der Stadt blockiert sind“, findet Oberheim, „so lenkt man Aufmerksamkeit auf das Thema. Dafür machen wir das ja.“

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