Kein Ende des Arbeitskampfes in Bremen in Sicht Ärzte drohen mit Abwanderung

Bremen. Mit Transparenten und Spruchbannern haben rund 300 Krankenhausärzte am Mittwoch auf dem Marktplatz für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Sie forderten vor allem eine Anhebung der Vergütung von Nachtschichten und Bereitschaftszeiten.
26.05.2010, 18:10
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Ärzte drohen mit Abwanderung
Von Michael Brandt

Bremen. Mit Transparenten und Spruchbannern haben rund 300 Krankenhausärzte am Mittwoch auf dem Marktplatz für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Sie forderten vor allem eine Anhebung der Vergütung von Nachtschichten und Bereitschaftszeiten. Nach Angaben der Bremer Klinikgesellschaft Gesundheit Nord verlief der Notdienst in den Krankenhäusern ohne Zwischenfälle.

Die Bremer Krankenhausärzte hatten für die Kundgebung auf dem Marktplatz Unterstützung aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein bekommen. Unter anderem aus Hannover, Peine und Wolfsburg waren per Bahn Delegationen angereist. In Bremen sind die Krankenhäuser Mitte, Nord, Ost, Links der Weser und Bremerhaven-Reinkenheide vom Streik betroffen. Heidrun Gitter, stellvertretende Landesvorsitzende des Marburger Bundes, machte vor dem Haus der Bürgerschaft deutlich: Der Arbeitskampf werde so lange fortgesetzt, bis von Arbeitgeberseite ein verhandlungsfähiges Angebot vorliege. Auf den Bannern standen gestern Parolen wie 'Kein Notdienst zum Dumpinglohn' und 'Notarzt - Arzt in Not'. Laut unterstützt wurden die Demonstranten von einer Sambagruppe.

Der Tarifkonflikt dauert mittlerweile seit Januar an. Inzwischen sind die Gespräche zwischen dem Marburger Bund und dem kommunalen Arbeitgeberverband abgebrochen worden. In der Verhandlungsgruppe saß dem Vernehmen nach kein Bremer Vertreter. Die Ärztegewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn für ihre Mitglieder, außerdem eine deutliche Anhebung der Zuschläge für Sonderschichten. Laut Heidrun Gitter bekommen die Klinikärzte für Nachtschichten einen Aufschlag von 1,28 Euro pro Stunde, an Sonnabenden sind es 64 Cent.

Das bisher letzte Angebot von Arbeitgeberseite von 2,9 Prozent über drei Jahre bezeichnete Gitter als schäbig. Unter dem Strich würde dies nicht einmal eine reale Lohnsteigerung von einem Prozent jährlich bedeuten.

Am Rande der Kundgebung verteilten Teilnehmer Flugblätter an die Passanten. Darin warnt der Marburger Bund davor, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen die kommunalen Krankenhäuser Ärzte ans Ausland und an private Krankenhausträger verlieren würden. Dort hätten die Ärzte schon jetzt deutlich bessere Einkommen. Nach Angaben des Marburger Bundes waren die Reaktionen der Bevölkerung auf den Arbeitskampf der Mediziner positiv.

50 bis 60 Stunden Arbeit pro Woche

Cathrine Bangen war eine von rund 300 Ärztinnen gestern auf dem Marktplatz. Sie arbeitet als Assistenzärztin in der Neurologie im Krankenhaus Nordstadt in Hannover. Zur Regelarbeitszeit von 42 Stunden kommen bei ihr tägliche Überstunden. Eine ihrer Kolleginnen schätzt, dass sich dies auf 50 bis 60 Stunden summiert. Dazu kommen Nachtschichten und ein bis zwei komplette Wochenenden. Cathrine Bangens vordringliche Forderung ist deshalb, mit mehr Personal die Arbeitsbedingungen an den kommunalen Kliniken zu entspannen. Wie die Assistenzärztin aus Hannover ist auch Amer Ali vom Emder Klinikum mit seinen 28 Jahren noch neu im Job. Dennoch steht bereits jetzt für ihn fest: Weitere fünf oder zehn Jahre will er diese Arbeit unter den derzeitigen Bedingungen auf keinen Fall machen. Pro Tag fallen für ihn bis zu drei Überstunden an. 'Wir haben eine unglaubliche Arbeitsbelastung.'

Nicht allein in Bremen wurde gestern demonstriert. Wie berichtet, hat die Gewerkschaft den Streik erst in dieser Woche auf Bremen ausgeweitet. Insgesamt betrifft der Arbeitskampf rund 55000 Mediziner an 700 öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland. Der Bundesvorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sprach gestern in Köln, wo sich die Ärzte bereits auf eine dritte und vierte Streikwoche einrichten. Henke forderte die Arbeitgeberseite auf, zügig ein neues Verhandlungsangebot vorzulegen.

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