Telefon-Sprechstunden und Terminservice

Ärztlicher Bereitschaftsdienst bietet ab Januar mehr Funktionen

Ab dem 1. Januar bietet der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 mehr Funktionen für Patienten: einen Terminservice und eine Ersteinschätzung von Beschwerden am Telefon.
04.12.2019, 19:38
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ärztlicher Bereitschaftsdienst bietet ab Januar mehr Funktionen
Von Sabine Doll

Zwei als Elfen verkleidete Frauen schweben vom Himmel einer Krankenhaus-Notaufnahme, geradewegs vor die Nase einer verschnupften Patientin. „Oje, eine schwere Erkältung. Aber ins Krankenhaus musst Du dafür nicht“, mahnen sie. „Elf6“ und „Elf7“ haben die Macher der Medienkampagne die schwebenden Protagonistinnen des Spots genannt – in Anspielung auf die bundesweit gültige Rufnummer 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigungen. Seit 2012 gibt es die Hotline, ihr Bekanntheitsgrad und damit auch jener des Ärzte-Notdienstes hielt sich bislang in Grenzen. Die Folge: Klinik-Notaufnahmen sind überfüllt mit Patienten, die keine echten Notfälle sind.

„Das soll sich ändern. Deshalb wird der 116 117-Service zu einem Versorgungsportal ausgebaut“, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB), Jörg Hermann. „Ab dem 1. Januar 2020 wird die Nummer zur zentralen Anlaufstelle für Patienten – und das rund um die Uhr.“ Wie bisher wird der Ärztliche Bereitschaftsdienst für Bremen-Stadt mit Sitz am Krankenhaus St.-Joseph-Stift auch künftig nur nach Feierabend der Arztpraxen geöffnet sein. Dafür können Patienten 24 Stunden an sieben Tagen eine medizinische Ersteinschätzung am Telefon erhalten.

„Diese wird von speziell geschulten Fachkräften übernommen. Mithilfe einer dafür entwickelten Software fragen sie gezielt nach Beschwerden, um so die Dringlichkeit einer Behandlung einzuschätzen und Patienten in die richtige Versorgungsebene zu vermitteln“, so Hermann. Dies könne der Hausarzt, ein Facharzt, der Bereitschaftsdienst oder auch die Notaufnahme einer Klinik sein. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst Bremen nutze die Software als Pilotregion bereits seit einem Jahr. Stufen 116 117-Mitarbeiter die Beschwerden eines Anrufers so ein, dass eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt sinnvoll ist, vermitteln sie innerhalb von 24 Stunden einen Termin.

Hermann: „Dafür haben wir Vereinbarungen mit 40 Kooperationspraxen in Bremen und Bremerhaven abgeschlossen.“ Neu ab 1. Januar ist außerdem: Auch der generelle Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, den es bereits seit vier Jahren gibt, wird auf die 116 117 umgeschaltet. Das bedeutet: Wer einen Termin bei einem Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeuten ausmachen will, kann dort ebenfalls rund um die Uhr anrufen. Nach einer Woche soll dieser Termin vermittelt sein und innerhalb von vier Wochen zur Verfügung stehen. „Der Service wird auch online angeboten, sodass Patienten bei Bedarf Termine im Internet oder auch per App buchen können“, so Hermann. Die kostenlose App könne aus dem App-Store oder bei Google Play heruntergeladen werden.

Lesen Sie auch

Ausgenommen von der 116 117 ist laut KVHB zunächst der kinderärztliche Bereitschaftsdienst, dieser sei weiter unter den bekannten Rufnummern erreichbar. Informationen dazu, zu den einzelnen Funktionen der 116 117 und den Öffnungszeiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes am St.-Joseph-Stift gibt es auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen unter www.kvhb.de. Hintergrund der Neuerungen ist das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachte Terminservice- und Versorgungsgesetz.

KVHB-Chef Hermann sieht das Gesetz auch kritisch: „Es wird definitiv nicht die Zahl der Ärzte und auch nicht die Anzahl der Stunden, die Ärzte zur Verfügung haben, erhöhen. Die Befürchtung ist außerdem: Ältere und Schwerkranke könnten bei der Terminvermittlung das Nachsehen haben, weil Jüngere, die die App nutzen, im Vorteil sind.“ Die bisherige Erfahrung der Terminservicestellen habe außerdem gezeigt, dass vermittelte Termine häufig nicht wahrgenommen und auch nicht abgesagt würden. „Das ist bei jedem dritten Termin der Fall, und das fällt dem System auf die Füße.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+