Auftritt von Parteichef Lucke AfD wirft Journalisten raus

Bremen. Die europakritische Partei AfD hat bei einer Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Parteichef Lucke nicht nur mehrere Aktivisten, sondern auch zwei Journalisten vom Sicherheitsdienst grob aus dem Raum befördern lassen.
30.04.2014, 17:51
Lesedauer: 2 Min
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AfD wirft Journalisten raus
Von Sara Sundermann

Bremen. Die europakritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat bei einer Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Parteivorsitzenden Bernd Lucke nicht nur mehrere Aktivisten, sondern auch zwei Journalisten vom Sicherheitsdienst grob aus dem Raum befördern lassen. Ein Fotograf ging dabei zu Boden. Der Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke wurde das Fotografieren untersagt und auch sie wurde vom Sicherheitsdienst aus dem Raum gebracht. Das erzählen Teilnehmer der Veranstaltung am Mittwoch.

Die Atmosphäre war schon vor dem Auftritt von Bernd Lucke aufgeheizt: In der Nacht zuvor hatten Unbekannte Farbbeutel auf das Konsul-Hackfeld-Haus geworfen, in dem der CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) der AfD einen Saal vermietet hatte. Die Vermietung nannte der CVJM später „sehr unglücklich“, trat aber nicht davon zurück.

Kurz vor dem Auftritt protestierten etwa 60 Aktivisten verschiedener linker Gruppen gegen den Auftritt von Lucke. Sie warfen der AfD Nationalismus und Rassismus vor. Auch Mitglieder der Piratenpartei und die Jusos beteiligten sich an dem Protest. Die Polizei war mit einem halben Dutzend Mannschaftswagen vor Ort. Alle Teilnehmer der Veranstaltung mussten am Eingang ihren Namen angeben und sich einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Im vergangenen Jahr war Lucke bei einem Auftritt im Bürgerpark von Aktivisten von der Bühne gestoßen worden.

Diesmal traten vor Lucke drei Redner der Bremer AfD vor etwa 140 Parteimitgliedern und Sympathisanten und einer kleineren Gruppe Aktivisten auf. In der Pause vor Luckes Auftritt forderte Michael Schellong von der Bremer AfD dann die renommierte Journalistin Andrea Röpke auf, nicht weiter zu fotografieren und den Saal zu verlassen. Sie verwies darauf, dass sie bei einer öffentlichen Veranstaltung fotografiere. „Schellong brach das Gespräch ab, und die Security-Leute haben Andrea Röpke und einen weiteren Presse-Fotografen dann rausgebracht“, erzählt ein Teilnehmer, der das Gespräch mit verfolgte. Der andere Fotograf sei dabei zu Boden gegangen. „Das ist für mich nicht das Auftreten einer demokratischen Partei.“

„Ein junger Mann, der fragte, warum die Journalisten gehen müssen, wurde ebenfalls sofort vom Sicherheitsdienst rausgebracht“, erzählt ein 23-jähriger Aktivist. Auch danach blieb es unruhig. „Jeder, der geäußert hat, dass er nicht auf Parteilinie ist, wurde vom Sicherheitsdienst sofort rausgebracht“, sagt ein Teilnehmer. Zwei minderjährige Mädchen im Publikum protestierten laut und wurden aus dem Raum gebracht. Ein Mann lief in Richtung Bühne. Er wurde vom Sicherheitsdienst gestoppt und an die Polizei übergeben. Der Polizei zufolge gab es insgesamt zehn Strafanzeigen, unter anderem wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung.

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