Sammler planen Ausstellung

AG Weser in Kartons

Daniel Sokolis ist ein Sammler. Zusammen mit seinem Vater hortet er alles, was in Verbindung mit der AG Weser steht.
16.10.2013, 00:05
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Von Arno Janssen
AG Weser in Kartons

Daniel Sokolis blickt durch eine Radienlehre, ein Prüfgerät aus der Sammlung des AG-Weser-Archivs.

Frank Thomas Koch

Daniel Sokolis ist ein Sammler. Zusammen mit seinem Vater hortet er alles, was in Verbindung mit der AG Weser steht. Seit 2006 haben Vater und Sohn zahlreiche Filme, Werkzeuge und Abbildungen der Werft in Kartons verstaut. Eine Internetseite des sogenannten AG-Weser- Archivs gibt es schon. Im Januar soll eine Ausstellung in Gröpelingen folgen.

An den Wänden von Daniel Sokolis Zimmer hängen Poster und Fotos, mit Stecknadeln und Heftzwecken befestigt. Nichts Ungewöhnliches für einen 23-Jährigen. Doch etwas ist anders: Die akribisch aneinandergereihten Motive zeigen keine Popstars, Schauspieler oder Porträts von Freundinnen. Stattdessen sind Öltanker, Passagierschiffe und U-Boote zu sehen, dazu Männer und Frauen in Kleidern, die an eine längst vergangene Zeit erinnern.

Diese Schiffe und Menschen haben eines gemeinsam: Sie alle standen auf dem Gelände der AG Weser, jener historischen Schiffswerft, die noch Anfang der 80er-Jahre viele Jahrzehnte lang das Stadtbild von Gröpelingen prägte. Sokolis hat mit seinem Vater die Überreste und Abbildungen der Bremer Schifffahrtsgeschichte gesammelt, um sie nun im kommenden Jahr endlich auszustellen.

„Noch ist die Werft gut verpackt“, sagt Sokolis. Er zeigt auf fünf Kartons, die auf dem Schrank seines Zimmers eng beieinander stehen. „Aber bald wird sie wieder für die Bremer freigelassen.“ Zwanzig Umzugskartons sind es bisher insgesamt. Größtenteils sind sie im Keller verstaut und auf dem Dachboden der Familie Sokolis. Darin befinden sich über 3000 Fotos, Werkzeuge und Betriebszeitungen der ehemaligen Aktiengesellschaft. „Besonders stolz sind wir auf die Filmrollen“, sagt Daniel Sokolis. Insgesamt fünf Stunden Zeitgeschichte seien auf den Rollen zu sehen. Ob Interviews, Stapelläufe oder eine Reportage über die Besetzung im letzten Betriebsjahr – alles sei bereits gesichtet worden und jetzt bereit für die Projektion auf den Leinwänden einer Ausstellung.

Mit einem Aufnäher ging es los

Es ist eine ansehnliche Sammlung, die einmal klein angefangen hat. „Begonnen hat alles 2006 mit einem Aufnäher“, erzählt Daniel Sokolis. Er nimmt ein kleines Stück Stoff von der Wand, auf dem mit weißem Garn der Name der Bremer Werft gestickt ist. „Das hatte mein Vater damals auf seinem Blaumann.“ Der 63-jährige Vater Thomas Sokolis war früher Schiffbauer bei der AG Weser. Nach der Pensionierung schenkte er seinem Sohn den Aufnäher, den er 13 Jahre an der Berufskleidung getragen hatte. Daraus entwickelte sich bei seinem Sohn eine Sammelleidenschaft, die bis heute anhält. „Doch auch mein Vater wurde damit infiziert.“ Dieser brachte immer mehr Ausweise und Bauzeichnungen seiner ehemaligen Kollegen mit.

Schon bald sprach sich das Hobby der Familie Sokolis rum, und auch fremde Männer und Frauen brachten Werft-Gegenstände in ihr Haus in Gröpelingen. „Einige sind von Verstorbenen, andere sind vermutlich Diebesgut“, sagt Daniel Sokolis und lacht. Nach der Bekanntgabe der Werksauflösung beschlossen viele Mitarbeiter, frühzeitig Erinnerungsstücke ihres Berufslebens unerlaubt mitzunehmen, berichtet er. Also verschwanden Gesangbücher des werkseigenen Chores und auch Teile des Küchenbestecks in Taschen und Spinden.

Vieles davon ist schon jetzt zu sehen: „Wir haben eine Internetseite, auf der wir unser Archiv zeigen“, sagt Sokolis. Er und sein Vater wollen damit ihr Projekt auch über die Grenzen Bremens hinaus publik machen. „Vielleicht bekommen wir darüber auch Material von weggezogenen Hafenarbeitern und Seeleuten.“ Einen weißen Schutzhelm zum Beispiel haben sie auf diesem Weg schon bekommen. Daniel Sokolis hält ihn kurz in den Händen und klopft auf die Spitze. „Längst abgelaufen“, murmelt er. Zahlen auf der Innenseite des Helms zeigen das Verfallsdatum der Kopfbedeckung: 1965. „Damit dürfte ich heute nicht mehr herumlaufen“, sagt er.

Nicht nur das AG-Weser-Archiv verbindet ihn und seinen Vater: Auch der 23-Jährige ist gelernter Schiffbauer. Er schweißt, hämmert und bohrt bei einer Werft in Lemwerder. „Allerdings nur die kleinen Pötte.“ Die großen Tanker und Passagierschiffe der AG-Weser-Werft wird Daniel Sokolis dann vermutlich spätestens im Januar wiedersehen. Wenn die letzten Investoren gefunden sind, soll die Ausstellung auf dem ehemaligen Werftgelände gezeigt werden.

Kontakt zum AG-Weser-Archiv unter Telefon 0152 29537249 oder www.ag-weser.npage.de

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