Studie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt Akzeptanz von Vielfalt in Bremen am höchsten

Laut einer Studie der Jacobs University im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung liegt Bremen bei der Akzeptanz von Vielfalt vor allen anderen Bundesländern. Und auch beim Zusammenhalt schneidet Bremen gut ab.
11.12.2017, 13:16
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Akzeptanz von Vielfalt in Bremen am höchsten
Von Alice Echtermann

Driftet die Gesellschaft auseinander? Nach Einschätzung der Menschen in Deutschland nicht unbedingt. Die meisten (68 Prozent) beurteilen den Zusammenhalt in ihrer Gegend als gut. Das geht aus einer neuen Bertelsmann-Studie auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage hervor, die am Montag in Gütersloh veröffentlicht wurde. Sieben Prozent empfinden ihn vor Ort als schlecht.

Etwas anders ist das Bild, wenn es nicht um den Zusammenhalt in der eigenen Region geht, sondern in Deutschland insgesamt: Drei von vier sind der Auffassung, dass der Zusammenhalt im gesamten Land zumindest zum Teil gefährdet ist, jeder vierte Befragte sieht dagegen keine Gefährdung.

Den höchsten Zusammenhalt bundesweit hat der Studie zufolge das Saarland; den niedrigsten Wert erzielte Sachsen. Bremen belegt im Vergleich aller Bundesländer Platz sechs, Niedersachsen Platz sieben.

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Akzeptanz von Vielfalt in Bremen hoch

Die Akzeptanz von Vielfalt ist der Studie zufolge in Bremen besonders stark ausgeprägt. Einen negativen Zusammenhang zu dem Anteil an Ausländern und Migranten konnten die Forscher nicht feststellen – denn in Bremen ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Vergleich relativ hoch (rund 30 Prozent). Auch die Ablehnung ausländischer Nachbarn ist in Bremen schwach ausgeprägt. Auf die Frage "Hätten Sie Ausländer ungern als Nachbarn?" antworten nur 14 Prozent der Bremer mit "Ja". In Sachsen, das den Spitzenplatz belegt, waren es 43 Prozent. Hamburg erreicht mit zehn Prozent bei dieser Frage den niedrigsten Wert aller Bundesländer.

In Bremen sind die Menschen allerdings weniger zuversichtlich in Bezug auf die Fähigkeit des Staates, den Zuzug von Flüchtlingen bewältigen zu können. Nur 55 Prozent der Bremer sind hier zuversichtlich, in Hamburg hingegen sind es 70 Prozent. 13 Prozent der Bremer gaben an, es gebe in ihrer Gegend "große Probleme mit Flüchtlingen", was im Vergleich recht viel ist, womit Bremen nur knapp vor Schlusslicht Sachsen liegt (14 Prozent).

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Bremer halten Zusammenhalt in ihrem Wohnviertel für schlecht

Der Anteil der Menschen, die den Zusammenhalt in Deutschland für eindeutig gefährdet halten, ist in Bremen sehr gering (31 Prozent). Nur in Hamburg (27 Prozent) sind die Menschen noch zuversichtlicher eingestellt. Besonders pessimistisch sind dagegen die Menschen in Sachsen (51 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (55 Prozent).

Bei der Frage nach dem Zusammenhalt in der eigenen Wohngegend äußern sich die Bremer dagegen negativer als der Bundesschnitt. 12 Prozent halten ihn für schlecht oder sehr schlecht; nur in Hessen sind noch mehr Menschen dieser Meinung.

Die Studie offenbart auch Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dazu zähle eine in der Bevölkerung wahrgenommene Gerechtigkeitslücke. Wenige Menschen in Deutschland sind der Ansicht, dass es bei der Verteilung der Gewinne im Großen und Ganzen gerecht zugeht. Im Durchschnitt der Länder sind es 8 Prozent. In Bremen glauben mit 15 Prozent noch die meisten Menschen an eine gerechte Verteilung.

Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Jacobs University Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Die gesamten Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

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