Jürgen Brohm und Fritz Schubert stellen in der Villa Sponte aus / Der Titel der Schau ist ein Zitat des Malers

Albrecht Dürer kommt zu Ehren

Steintor. „. .Jürgen Brohm, Maler aus Braunschweig, versteht es, Gegenstände aufzulösen, sie zu transformieren, ihnen ein immer neues Gesicht zu geben. Dabei bedient er sich mit Acrylfarbe und Kreide einer souveränen Farbigkeit und einer fantasievollen Dynamik.
15.02.2016, 00:00
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Von Christiane Tietjen
Albrecht Dürer kommt zu Ehren

Jürgen Brohm aus Braunschweig lässt sich von Musik inspirieren: „Von Blues bis Klassik höre ich alles“, sagt der Maler und Kunstpädagoge.

Roland Scheitz

„. . . auff dass man Weiten genug habe.“ Es passt genau, das Zitat von Albrecht Dürer, das die Kuratoren als Titel für die Ausstellung ausgesucht haben. Man ahnt es mehr als dass man es weiß, aber die Darstellung der Weite ist es, die beide Künstler miteinander verbindet. Sie schaffen es, Blicke zu öffnen für eine neue Ansicht der Dinge.

Jürgen Brohm, Maler aus Braunschweig, versteht es, Gegenstände aufzulösen, sie zu transformieren, ihnen ein immer neues Gesicht zu geben. Dabei bedient er sich mit Acrylfarbe und Kreide einer souveränen Farbigkeit und einer fantasievollen Dynamik. Fundstücke wie ein Stück Autoreifen, ein Elektrogerät, gefunden in einer alten Gießerei, Kumuluswolken oder ein Ausschnitt von Häuserblöcken in St.Petersburg wirft er mit großer Lockerheit auf die Leinwand, die dennoch getragen und gehalten wirkt. Jürgen Brohm sagt, die Musik spiele bei seiner Malerei eine große Rolle. „Von Blues bis Klassik höre ich alles und lasse mich inspirieren.“

Die zuvor fotografierten Motive überträgt er dann auf die Leinwand, verwandelt sie, erweckt sie zu einer neuen, ganz anderen Lebendigkeit, der man eine rhythmische Bewegung ansieht. Die Braun- und Ockertöne von „Restsüße“, mit Weiß verschleiert und glänzend schimmerndem Firnis versehen, haben eine ruhige Spannung. Immer wieder neue Formen laden in der Bilderserie zum Assoziieren ein. Das Rot der Petersburger Häuserblöcke mit dem mattrosa Himmel, ein kleines, hervorblitzendes Blau – auch die Farben entwickeln eine sichere Leichtigkeit. Grün-und Blautöne bei seinen Himmelbildern, betont durch einen reliefartigen Streifen im Untergrund, tanzen gewissermaßen leichtfüßig über die Fläche und lassen den Betrachter mitschwingen.

Jürgen Brohm hat nach seiner kunstpädagogischen Ausbildung in Bremen bis zum Jahr 1986 als Kunst- und Werklehrer und Grafik-Designer gearbeitet und ist dann zum Westermann-Verlag nach Braunschweig gegangen. Seine jetzige Tätigkeit als Kunstlehrer an einer Fachoberschule lässt ihm genügend Zeit zu malen, sein Oeuvre und zahlreiche Ausstellungen geben Zeugnis davon.

Einen ganz anderen Werdegang hatte Fritz Schubert aus Bremen. Der Psychoanalytiker im Ruhestand entwickelte eine ganz eigene Art der Fotografie, die der impressionistischen Sehweise nahekommt. Für diese Art Malerei hatte er schon lange ein Faible, war aber mit eigenen malerischen Versuchen unzufrieden. In der Fotografie entdeckte er allmählich das Medium zur Umsetzung seiner Vorstellungen. Nicht zu konkret sollte das Dargestellte sein, verwischt und offen für eine Deutung.

In seinen ausgestellten Werken zeigt er auf einzigartige Weise, wie es möglich ist, mit der Kamera zu malen. Lange Belichtungszeiten sind nur der technische Ausdruck für das, was man auf den Bildern sieht. Total gebannt ist man beispielsweise von einem Strandbild, bei dem Surfbretter in Blau und Orange wirken, als seien es einfach stark farbige, nachkolorierte Wasserpfützen. Dieses Bild bietet Fritz Schubert auch als handsignierten Editionsdruck an.

Malerei mit der Kamera

Die „blaue Stunde“, ein anderer Blick auf den Horizont am Meer, der sich matt am Strand spiegelt, fasziniert mit ihrer meditativen Ruhe und wenigen, kaum wahrnehmbaren Regenbogenfarben. Durch die Bewegungsunschärfe mancher Aufnahmen entstehen Vorstellungen im Kopf, die sich über die schnöde Wirklichkeit des Motivs erheben. Ein junges Pärchen, das am Fotografen vorbei radelte, wird in der Vorstellungswelt zum Hochzeitspaar, ausgelöst durch die dunkle Kleidung des Mannes und die wehenden Schleier der auf der Stange vor ihm sitzenden Frau.

Spannend auch die Verfremdung einer von Pferden gezogenen Inselbahn, die Farbwischer der bunten Ostfriesennerze im Schlepptau. Oder die leuchtenden Goldtöne, dazu die filigranen Muster eines schwarzen Geländers, aufgenommen in Marrakesh. Eine kleine Geschichte scheinen zwei Figuren, im Abstand von drei Sekunden fotografiert, zu erzählen.

Die Ausstellung, die bis zum 6. März in der Villa Sponte zu sehen ist, zeigt zwei Künstler in wunderbarer Harmonie, sich gegenseitig ergänzend und, mitten in der Stadt, einen weiten Raum öffnend.

Näheres über die Villa Sponte, Osterdeich 59b, unter Telefon 79478497, per E-Mail über die Adresse info@villa-sponte.de und im Internet auf der Website www.villa-sponte.de. Geöffnet sind die Räume am Dienstag, Sonnabend und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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