Alexander von Humboldt II

Großsegler „Alex“ trotz Corona-Krise auf Kurs

Der Großsegler mit den grünen Segeln ist trotz Corona-Krise auf Kurs – und er wird im September die Parade bei der Kieler Woche anführen.
31.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Helmut Stapel
Großsegler „Alex“ trotz Corona-Krise auf Kurs

Trotz Corona voll auf Kurs. Der Großsegler "Alexander von Humboldt II"

Helmut Stapel

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön – der Spaß hört allerdings auf, wenn keine zahlenden Passagiere mehr für Segeltörns an Bord kommen. Auch der Großsegler „Alexander von Humboldt II“ wurde als schwimmende Reisebasis von der Corona-Welle getroffen. Inzwischen haben die Betreiber eine Lösung gefunden, um die Folgen der Pandemie abzufedern.

„Wir sind seit Ende Juni wieder unter Segeln. Der ‚Alex‘ geht es gut“, freut sich Jürgen Hinrichs, Vorstand der Deutschen Stiftung Sail Training (DSST), die den bekannten Dreimaster in Fahrt hält. Neben der ehrenamtlichen Stammcrew können zahlende Gäste auf dem 65 Meter langen Segelschiff mitfahren und das Segeln lernen. Mit dem Ausbruch des Coronavirus im Frühjahr war das schlagartig vorbei.

Das ganze Jahr ausgebucht

„Wir waren schon für das komplette Jahr ausgebucht. Die Sail Amsterdam, die Sail Bremerhaven, ein großer Törn nach Island – das alles mussten wir leider absagen“, bedauert Jürgen Hinrichs. Für die Stiftung, die für den Betrieb des Großseglers entsprechende Einnahmen braucht, ein herber Schlag. Da die „Alex II“ ab Mitte März aber ohnehin einen Werftaufenthalt in den Niederlanden geplant hatte, kam das Schiff zunächst von den Kanaren zurück an die Nordseeküste.

„Wir haben danach im Bremerhavener Fischereihafen gelegen, notwendige Instandsetzungsarbeiten gemacht und erst mal abgewartet. Anfang Juni wurde dann klar: Es muss was passieren“, so Hinrichs. Gemeinsam mit den Bremer Behörden und dem Hafenkapitän Andreas Mai wurde ein individuelles Corona-Verfahren für die „Alex II“ entwickelt. „Das ging wirklich ruckzuck über die Bühne. Dafür sind wir allen Beteiligten auf Behördenseite extrem dankbar“, sagt der DSST-Vorstand.

Markiert die aktuelle Position der „Alex II“ in der Ostsee: DSST-Vorstand Jürgen Hinrichs.

Markiert die aktuelle Position der „Alex II“ in der Ostsee: DSST-Vorstand Jürgen Hinrichs.

Foto: Helmut Stapel

Die jeweilige Stammcrew und die Passagiere werden vor dem Betreten der Gangway auf das Coronavirus getestet. Durch die Zusammenarbeit mit ausgewählten Laboren liegt das Ergebnis innerhalb weniger Stunden vor. Gleichzeitig wurde die maximale Zahl der zahlenden Passagiere von mehr als 50 auf 20 reduziert. Das Ergebnis ist ein luxuriöses Reiseerlebnis auf der „Alex II“: Jeder Passagier hat eine Vier-Bett-Kabine für sich allein.

„Aktuell sind wir mit unserem Schiff in der Ostsee unterwegs. Unser Basishafen ist Travemünde. Von hier aus gehen wir auf 14-tägige Törns durch die Ostsee – legen aber auch nirgendwo an, damit wir kein Infektionsrisiko eingehen“, erklärt Jürgen Hinrich. Ab dem 2. Oktober dann nimmt die „Alex II“ völlig andere Passagiere an Bord. Die deutsche Marine bildet ihre Offiziersanwärter auf dem Segelschiff aus, da das deutsche Segelschulschiff „Gorch Fock“ weiterhin bei der Bremer Lürssen-Werft im Dock liegt.

Die gleiche Betakelung wie auf der Gorch Fock

„Glücklicherweise ist das Rigg – also Segel, Betakelung, stehendes Gut – auf der ‚Alex II‘ exakt so wie auf der ‚Gorch Fock‘“, freut sich Jürgen Hinrichs. Dadurch müssen die Marine-Kadetten nicht auf ihre Segelausbildung verzichten und die DSST hat weiterhin Einnahmen. Hinrichs: „Die Marine hat unser Schiff auch schon im Frühjahr vor der Corona-Krise zurück nach Deutschland gesegelt. Da waren wir auf Ausbildungsfahrt auf den Kanaren.“

Freuen können sich die Fans des Dreimasters mit den grünen Segeln trotz Corona-Krise jetzt schon auf die Kieler Woche im September. „Wir werden als Flaggschiff die Seglerparade auf der Kieler Förde anführen“, sagt Jürgen Hinrichs. Wie die Planungen für das kommende Jahr aussehen, weiß er noch nicht. „Das hängt davon ab, wie sich alles entwickelt. Aber eines steht für uns fest: Diejenigen, denen wir in diesem Jahr die Kojen wegen Corona absagen mussten, stehen bei möglichen neuen Fahrten ganz oben bei uns auf der Liste“, sagt Jürgen Hinrichs. Ein Seemann – ein Wort.

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