Umbau kotet 7,5 Millionen Euro

Alfred-Wegener-Institut zieht in ehemaliges Nordsee-Gebäude

Das Alfred-Wegener-Institut braucht mehrt Platz und zieht im kommenden Jahr in Teilen in das ehemalige Verwaltungsgebäude der Nordsee GmbH. Derzeit wird das Haus kernsaniert. Ein Gang über die Baustelle.
26.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel
Alfred-Wegener-Institut zieht in ehemaliges Nordsee-Gebäude

Awi-Verwaltungsdirektor Karsten Wurr und Marion Krüger, Leiterin der Awi-Bauabteilung, im Treppenhaus aus den 1930er-Jahren, das trotz der Kernsanierung erhalten bleibt.

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Es liegt nicht nur der Geruch von Baustaub in der Luft, sondern auch der Hauch der Geschichte. Gleich beim ersten Schritt durch die abgehängten Plastikfolien ins ehemalige Verwaltungsgebäude der Nordsee GmbH wird klar: Hier bekommt ein bedeutendes Stück der Fischereigeschichte im Land Bremen ein neues Gesicht.

Die Wand im Hauptflur wird von einem aufwändigen Mosaik verziert. Das Treppenhaus zieht sich mit Steintreppen und Geländern nach oben, als ob die Begründer des Bauhaus-Stils sich gerade erst hier ausgetobt hätten. „Das bleibt natürlich alles erhalten“, sagt Marion Krüger. Sie koordiniert am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) den Umbau der alten Halle am Nordende des Fischereihafens.

Finanzierung durch Efre-Topf und das Land Bremen

Geleitet werden die Arbeiten von der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft (FBG), die Eigentümerin der Halle bleibt. Der Umbau kostet etwa 7,5 Millionen Euro und wird vom europäischen Efre-Topf sowie dem Land Bremen finanziert. Der Steinbau wurde ursprünglich 1865 als Lagerschuppen errichtet. Das Fischereiunternehmen Nordsee hat die Halle in den 1930er-Jahren für ihre Zwecke zum Verwaltungs- und Lagergebäude umgebaut.

„Wir mieten das Gebäude zunächst für 20 Jahre von der FBG“, sagt Awi-Verwaltungsdirektor Karsten Wurr. „Das ist nicht nur notwendig, sondern auch praktisch“, sagt er und zeigt über das Hafenbecken. Direkt auf der anderen Hafenseite steht das Awi-Hauptgebäude an der Fischereihafen-Doppelschleuse. „Wir brauchen dringend Platz“, sagt Wurr. Das Awi wächst seit seiner Gründung in Bremerhaven im Jahr 1980 beständig. Aktuell hat das Institut am Ort etwa 950 Beschäftigte – Tendenz steigend.

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Entstehen werden in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Nordsee GmbH circa 90 Büros mit Platz für etwa 180 Mitarbeiter. „Dafür verändern wir den Grundriss der Halle. Es kommen Wände raus. Flure und Aufenthaltszonen werden neu angelegt – im Prinzip bleiben nur die Außenmauern und das Dach stehen“, sagt Marion Krüger. Inzwischen ist beim Gang durch die Flure die ehemalige Kantine aufgetaucht. Grau-weißer Fliesenfußboden, einige schlichte Säulen, auf dem Tisch in der Raummitte liegen die ausgebreiteten Bauplänen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Awi hier einzieht. Bereits 2017 waren schon einmal Institutsmitarbeiter für eineinhalb Jahre vorübergehend in der Halle einquartiert. „Die Arbeit in der Polar- und Meeresforschung ist sehr variabel. Es gibt immer wieder Projekte, die Platzbedarf erfordern, Umbauten von Gebäuden und anderes“, sagt Wurr. Insgesamt habe das Institut mehr als 30 Liegenschaften in der Stadt Bremerhaven. Deshalb sei das Awi froh, dass umgebaute und modernisierte Gebäude nun langfristig mieten zu können. „Außerdem war der vorübergehende Gebäude-Bezug auch ein guter Test für die kommende Nutzung. Die Meinung unserer Mitarbeiter zu dieser Halle war durchgehend gut.“

Gebäude soll neustem technischen und energetischen Stand entsprechen

Einziehen sollen in die Halle zunächst etwa 150 Awi-Mitarbeiter – voraussichtlich unter anderem aus dem Bereich Klimaforschung. Beziehen werden sie ein Gebäude, das den Angaben zufolge dem neuesten technischen und energetischen Stand entspricht. „Die Fassade wird komplett isoliert und auf dem Dach installieren wir eine Fotovoltaik-Anlage“, sagt Krüger. „Es wird eine Wärmerückgewinnung aus der Raumluft geben und neue Fenster – dreigeteilt, wie im Originalzustand.“ Farblich werde die Fassade flächig in grau gehalten, passend zum Hauptgebäude auf der anderen Hafenseite.

Durch die Bündelung seiner Aktivitäten am sogenannten Handelshafen bildet das Awi zukünftig ein hafenübergreifendes Campus-Gelände. Zusätzlich zum Hauptgebäude auf der Westseite des Hafenbeckens beziehen die Forscher dann im Sommer 2021, so der Plan, auf der Ostseite das ehemalige Nordsee-Gebäude. Bereits vor zwei Jahren wurde gleich nebenan das sanierte ehemalige Verwaltungsgebäude der Deutschen See von der FBG gemietet – ebenfalls für 20 Jahre. Außerdem entsteht aktuell zwischen den beiden Gebäuden für gut 16 Millionen Euro mit dem sogenannten Technikum des Awi eine Neubauhalle für die Lagerung, Entwicklung und den Test von großformatigen Forschungsgeräten.

Wäre es da nicht an der Zeit, über eine Personenfähre nachzudenken, damit die Mitarbeiter nicht immer ums Hafenbecken herum müssen? Karsten Wurr lacht. „Das ist gar keine so schlechte Idee. Das Awi selbst hat aber keine Karten in solchen Planungen.“ Allerdings – wer weiß, wie sich die Forschungs- und Entwicklungsmeile im Fischereihafen bis rüber zum Thünen-Institut in Richtung Schaufenster Fischereihafen noch entwickelt. „Vielleicht macht eine kleine Fähre ja irgendwann mal Sinn und wäre noch dazu als Gesamtlösung eine Bereicherung für den Fischereihafen“, sagt Wurr.

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