62 Jahre nach Gagarins Weltraumflug: Am Freitag Partys, Experimente und Vorträge in drei Stadtteilen Alle Blicke richten sich auf Yuri

In Russland ist der 12. April ein Feiertag: 1961 hat an diesem Tag der Kosmonaut Yuri Gagarin im Raumschiff "Wostok 1" die Erde umrundet. In drei Stadtteilen feiern Institutionen morgen dieses Ereignis gemeinsam. In der "Yuri’s Night". Und fast alles ohne Eintritt.
11.04.2013, 05:00
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Von Volker Kölling

In Russland ist der 12. April ein Feiertag: 1961 hat an diesem Tag der Kosmonaut Yuri Gagarin im Raumschiff "Wostok 1" die Erde umrundet. In drei Stadtteilen feiern Institutionen morgen dieses Ereignis gemeinsam. In der "Yuri’s Night". Und fast alles ohne Eintritt.

Steintor·Ostertor·Neustadt. Der Mann hat als erster Mensch einen Blick von oben auf den blauen Planeten geworfen und ist damit zum umjubelten Helden der Sowjetunion geworden. Inzwischen wird der Raumflug des Kosmonauten Yuri Gagarin aus dem Jahr 1961 vor allem als Propagandamotiv für die bemannte Raumfahrt insgesamt genutzt: Morgen, 12. April, steigt auch in Bremen zum inzwischen dritten Mal "Yuri’s Night" mit Veranstaltungen zwischen Sternwarte und Tanzfläche. Der Eintritt ist frei.

"Das ist schon eine ganze Menge mehr als eine After-Work-Party der Community der Raumfahrtbauer", sagt Daniel Bindel, der beruflich beim Raumfahrtunternehmen OHB arbeitet und nebenbei für den Partyanteil von "Yuri’s Night" verantwortlich ist. Ohne Anglizismen geht nichts: So steht vor der "Galactic Party" im Club Moments im Steintor erst noch einmal ein echter Gagarin-Biograf mit seinem Beamer auf der Bühne.

Der Titel des Vortrags von Gerhard Kowalski lautet: "Die letzten Geheimnisse des historischen Raumflugs von Yuri Gagarin". "Uns ging es darum, etwas mit Niveau auf die Beine zu stellen zum Gedenk- und Starttag der bemannten Raumfahrt," sagt Daniel Bindel. In Russland sei der 12. April wegen Gagarin ohnehin bis heute Feiertag.

Und in Bremen gibt es reichlich Potenzial, was Raumfahrt angeht. Sogar der Moments-Diskjockey Jens Grosse sei Diplomingenieur mit einer Ausbildung in der Raumfahrt, sagt Bindel. "Vielen in Bremen ist gar nicht klar, dass Bremen eine der wichtigsten Raumfahrtstädte Europas ist: Hier wird das ATV gebaut, die Galileo-Satelliten, Teile der Ariane-Raketen und und und." Tausende Menschen seien mit Raumfahrtthemen beschäftigt und der Altersschnitt der Beschäftigten in diesen Betrieben ungewöhnlich jung. "Und natürlich können diese Leute auch feiern." Weshalb sich neben dem Club Moments im Steintor, das für 19 Uhr zur zentralen Party mit DJ Jens Grosse einlädt, auch noch die Lila Eule in der Bernhardstraße, das Hegarty’s, das Bistro Brazil und das Litfass am Ostertorsteinweg, die Capri Bar, das Bermuda und das Fehrfeld auf einen spacigen Abend einstellen.

"Das Faszinierende ist für mich, dass Yuri’s Night überhaupt nicht politisch besetzt ist. Bei uns geht es nicht mehr um das Gegeneinander wie früher, sondern um das Verbindende der bemannten Raumfahrt, wie wir es heute ja auch auf der gemeinsam betriebenen Raumstation ISS erleben", beschreibt Dirk Stiefs seine Motivation mitzumischen. Stiefs ist Leiter des "DLR School Lab", der Schüler-Experimentierabteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Bremen.

Im Olbers Planetarium in der Hochschule für Nautik an der Werderstraße bietet er morgen zwischen 14.30 und 16.30 Uhr Experimente unter dem Motto "Mars Mission" an. Aus PET-Flaschen lassen sich prima Kurzstreckenraketen mit Luftdruckantrieb bauen, um einmal das Rückstoßprinzip zu erklären. Dann geht es an das Landeprogramm, das die Technomathematiker für das DLR geschrieben haben, und dann hat Stiefs auch noch echte Marsroboter zu bieten–- nur das seine aus Lego sind: "Wir wollen faszinieren und junge Leute dafür begeistern, etwas in Richtung Raumfahrt zu machen." Und dazu werde auch noch gezeigt, wie die Beprobung etwa von Marssänden vonstatten geht.

Um 15 Uhr hält Ulrich von Kusserow einen Vortrag unter dem Titel "Faszinierendes Universum", Anmeldungen sind dringend erforderlich. Zwischen 16 und 16.30 Uhr können Besucher die Sternwarte der Olbers Gesellschaft besichtigen – es wird eine Führung angeboten. Auch hier ist der Eintritt frei.

Schließlich und endlich wird es bei Yuri’s Night aber nicht nur pur party-wissenschaftlich zugehen: Das Cinema Ostertor am Ostertorsteinweg zeigt ab 17 Uhr die Mel-Brooks-Science-Fiction-Parodie "Spaceballs", in der sich Raumschiffe in galaktische Staubsauger verwandeln. Der Eintritt kostet fünf Euro. Aus Sicht von Daniel Bindel ist dieser Humor dann aber eher auf die Älteren aus der Szene zugeschnitten – die so um die 40 Jahre alt sind.

Anmeldungen für den Vortrag von Ulrich von Kusserow von der Olbers-Gesellschaft erbeten: per E-Mail an schoolab-bremen@dlr.de. Mehr im Internet auf www.yurisnight-bremen.de. Der Eintritt ist, außer zum Kinofilm, frei.

12. April 1961

n Mit dem Tag des Weltraumstarts von Yuri Gagarin hat die bemannte Raumfahrt begonnen. Yuri Gagarin wurde nach seiner Rückkehr aus dem All mit Ehren hochdekoriert. Er konnte seinen Ruhm allerdings nur wenige Jahre auskosten: Er starb 1968 bei einem Testflug mit einer MIG. Auf den Tag 20 Jahre nach Gagarins Erstflug hatte das amerikanische Space Shuttle Premiere: Es startete am 12. April 1981. Der 12. April wird von Raumfahrtfreunden weltweit gefeiert. Auch in Bremen.

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