Krankenhausspiegel erleichtert Patienten die Auswahl Alle Bremer Kliniken im direkten Vergleich

Bremen. Wer sich künftig in einem Bremer Krankenhaus behandeln lassen muss, kann vorab nach der besten Klinik suchen. Im erstmals erschienen Bremer Krankenhausspiegel haben alle 14 Kliniken ihre Qualitätsdaten zu zehn Krankheitsbildern und Behandlungen veröffentlicht.
30.04.2010, 08:30
Lesedauer: 3 Min
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Alle Bremer Kliniken im direkten Vergleich
Von Sabine Doll

Bremen. Wer sich künftig in einem Bremer Krankenhaus behandeln lassen muss, kann vorab auf eigene Faust nach der besten Klinik im kleinsten Bundesland suchen. Im erstmals erschienen Bremer Krankenhausspiegel haben alle 14 Kliniken im kleinsten Bundesland ihre Qualitätsdaten zu zehn Krankheitsbildern und Behandlungen veröffentlicht.

'Der Krankenhausspiegel ist ein riesiger Schritt zu mehr Transparenz im Gesundheitswesen', betonte Gesundheitsstaatsrat Hermann Schulte-Sasse gestern bei der Präsentation. Zielgruppe des Klinikvergleichs, der von der Senatorin für Gesundheit und der Bremer Krankenhausgesellschaft initiiert wurde, sind explizit auch Ärzte. Sie können auf einen Blick entscheiden, in welcher Klinik Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch am besten betreut werden, wo die Komplikationsrate beim Einsatz von Hüft- oder Knie-Prothesen am niedrigsten ist, welches Haus die meiste Erfahrung bei Brustkrebs-Operationen hat und wo die Untersuchung vor einem Eingriff besonders umfassend ist. Auch die Zahl der Todesfälle ist angegeben.

Die Ergebnisse werden in Schaubildern dargestellt. Beispiel 'Komplikationen nach einer Gallenblasen-Operationen: Laut Schaubild im Krankenhausspiegel wurden im Jahr 2008 insgesamt rund 1800 solcher Eingriffe in Bremer und Bremerhavener Kliniken vorgenommen, die meisten im Krankenhaus St. Joseph-Stift in Schwachhausen mit 267 Patienten. In sieben Fällen kam es hierbei zu Komplikationen, das entspricht einer Quote von 2,6 Prozent. Vier Kliniken weisen eine niederigere Komplikationsrate auf, die restlichen Häuser liegen darüber.

Ein anderes Beispiel: 'Kniegelenksersatz'. 2008 meldeten die sieben Bremer Kliniken, in denen dieser Eingriff angeboten wird, rund 1200 Operationen. Mit 275 Patienten wurde am häufigsten in der Roland-Klinik am Werdersee operiert. In fünf Fällen (1,8 Prozent) kam es nach dem Eingriff zu einem Bluterguss oder Nachblutungen. Die einzelnen Ergebnisse sind zusätzlich mit den Ampelfarben Grün, Gelb und Rot gekennzeichnet; sie stehen für 'qualitativ unauffällig', 'Kontrolle im Folgejahr' und 'qualitativ auffällig'.

'Die Qualität einer Klinik ist zwar nicht allein aus diesen Zahlen ablesbar, sie bieten aber eine erste Orientierung', betonte Schulte-Sasse. So müsse beispielsweise eine besonders hohe Rate an Komplikationen nach Operationen nicht automatisch auf eine schlechte Behandlungsqualität einer Klinik hinweisen. Grund für solche 'Ausreißer' könnten auch Fehler bei der Dokumentation oder eine überdurchschnittlich große Anzahl schwerkranker Patienten sein, bei der das Risiko für Wundinfektionen oder andere Komplikationen ohnehin erhöht sei.

'Ziel des Krankenhausspiegels ist es nicht, die beste Klinik zu ermitteln oder gar eine Rangliste aufzustellen', sagte der Gesundheitsstaatsrat. Vielmehr erhoffe sich die Gesundheitsbehörde neben mehr Transparenz für die Patienten einen stärkeren Wettbewerb der Kliniken um die besten Ergebnisse. Schulte-Sasse: 'Das erhöht die Qualität.' Im Bundesvergleich, so lässt sich bereits jetzt aus den Daten ablesen, stehen die Bremer Krankenhäuser sehr gut da: In fast allen Bereichen der zehn Bereiche liegen die Häuser im kleinsten Bundesland über dem Durchschnitt.

Damit medizinische Laien in dem Online-Nachschlagewerk nicht die Orientierung verlieren, sind alle Krankheitsbilder, Grafiken und Fachbegriffe in möglichst einfacher und allgemeinverständlicher Sprache erläutert. Außerdem gibt es medizinische Hintergrundinformationen und Porträts aller 14 Kliniken. Menschen mit Sehbehinderungen können sich die Auswertungen mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms vorlesen lassen.

Im Herbst soll der Bremer Krankenhausspiegel auch als Druckversion erscheinen. Geplant ist außerdem eine Erweiterung um psychiatrische und geriatrische Behandlungen sowie eine Patientenbefragung. Mit der jährlichen Aktualisierung der Daten - das erste Mal Anfang 2011 - kann festgestellt werden, ob sich ein Krankenhaus verbessert oder verschlechtert hat. Das Projekt wird von der Ärztekammer, Krankenkasse, Patientenberatungen und der Verbraucherzentrale begleitet.Weitere Informationen im Internet unter: www.bremer-krankenhausspiegel.de

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