Nebel verhindert freie Sicht Alle feiern die "SoFi" - doch in Bremen bleibt alles grau

Sonnenfinsternis-technisch haben die Bremer irgendwie immer Pech. 1999, 2008 nun auch noch 2015. Der Nebel hat den Besuchern das Olbers-Planetariums und allen anderen den Spaß am Vormittag verdorben.
20.03.2015, 08:07
Lesedauer: 3 Min
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Alle feiern die
Von Kristin Hermann

Sonnenfinsternis-technisch haben die Bremer irgendwie immer Pech. 1999 Pech, 2008 Pech und nun auch noch 2015: Pech!!! Dabei hatte Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums, alles so schön vorbereitet, um den Schulklassen und Astronomiebegeisterten die „SoFi“ möglichst eindrucksvoll zu zeigen.

Teleskope wurden mit Spezialfolie verklebt, Vorträge geplant und mehr als 500 Pappbrillen verteilt. Doch das Wetter machte dem Team am Freitagmorgen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Dabei war es in den vergangenen Tagen noch so frühlingshaft in Bremen zugegangen. Doch pünktlich zu Beginn des Spektakels um 9.34 Uhr hing eine dicke Nebelschicht am Himmel. Norddeutscher Optimismus herrschte zu diesem Zeitpunkt trotzdem noch: „Das ist nur Nebel, den die Sonne noch problemlos auflösen kann“, sagten Andreas Vogel und seine Kollegen. Und auch die Meteorologen waren zeitweise guter Dinge. In anderen deutschen Städten wurde zu diesem Zeitpunkt schon von magischen Momenten gesprochen.

Etwa 300 Leute waren ins Planetarium gekommen, um das Naturschauspiel zu beobachten. Die Enttäuschung über das schlechte Wetter war nicht nur bei den vielen Schülern groß. Peter von Petkewitsch von der Olbers-Gesellschaft ist schon seit seiner Kindheit Astronomie-Fan. „Hab ich von meinem Großvater“, erzählt er. 1999 hat er in Brühl eine totale Sonnenfinsternis erlebt. „Wenn es am Tag ganz plötzlich Nacht wird, ist das schon ein Moment, wo einem ein Schauer über den Rücken läuft“, sagt er. „Diese Euphorie, die wir damals gefühlt haben, werde ich nie vergessen.“ Dass sich am Bremer Himmel am Freitagmorgen so gar nichts erkennen lässt, frustriert Petkewitsch.

Sternenhimmel als Gänsehaut-Ersatz

Obwohl sie für das Wetter nichts können, müssen sich Vogel und sein Team den ein oder anderen Spruch der Besucher gefallen lassen. „Ey, ich denke, hier gibt es eine Sonnenfinsternis. Wann wird es denn nun endlich dunkel?“, ruft eine aufmüpfige Schülerin. Zum Glück hatten sich das Planetarium und die Olbers-Gesellschaft ein umfangreiches Zusatzangebot mit vielen Vorträgen überlegt.

Den Gänsehautmoment gibt es dann doch noch, als im Planetarium der Nachthimmel mit 2000 Sternen angeknipst wird und es Sternschnuppen regnet. Und auch eine simulierte SoFi zeigt den Schülern die Teil-Sonnenfinsternis, die sie heute eigentlich live hätten sehen können. „Ich bin zwar etwas traurig, nicht die echte Sonnenfinsternis gesehen zu haben, aber der Vortrag war trotzdem spannend“, sagt Studentin Nicole Janßen. „Da muss man einfach das Beste draus machen, es kann ja niemand etwas dafür.“

Fazit: Die Sonne war letztendlich bis zum Schluss um kurz vor zwölf nicht stark genug, um den Nebel zu vertreiben. „Immerhin waren 80 Prozent von ihr eine ganze Zeit lang verdeckt“, erklärte Andreas Vogel. „Da ist die Strahlkraft viel geringer als sonst.“ Ab 10.40 Uhr war es in der Stadt etwa eine halbe Stunde lang merklich dunkler geworden.

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Wer die ganze Zeit aufmerksam zum Himmel geschaut hat, konnte kurz vor Schluss noch zwei Minuten einen Teil des Schauspiels beobachten, doch im Großen und Ganzen blieb die SoFi für die Bremer eher eine Enttäuschung. Für die städtischen Energieversorger verlief die Sonnenfinsternis hingegen „erfolgreich“. Die Swb meldete: „Das Stromnetz blieb trotz der SoFi stabil. Keine besonderen Vorkommnisse im Netzleitcenter Bremen.“

Die nächste Sonnenfinsternis in Bremen

Bis zur nächsten Sonnenfinsternis müssen sich die Bremer noch etwas gedulden und ihre Spezialbrillen gut verstauen. 2021 wird die Sonne hier allerdings nur zu 20 Prozent vom Mond verdunkelt werden. Eine ähnliche SoFi wie am Freitag mit 80 Prozent Verdunklung ist erst wieder im Jahr 2026 zu erwarten. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird dann erst im Jahr 2135 zu erkennen sein – vorausgesetzt, der Nebel verdirbt den Bremern nicht wieder den Spaß.

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