Kultusministerkonferenz in Bremen Alle Flüchtlingskinder an Schulen bringen

Bremen hat bei der Integration von Flüchtlingskindern ins Bildungssystem noch so einiges zu tun. Was genau das ist, war am Donnerstag Thema in der Kultusministerkonferenz.
06.10.2016, 13:51
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sara Sundermann

Bremen hat bei der Integration von Flüchtlingskindern ins Bildungssystem noch so einiges zu tun. Was genau das ist, war am Donnerstag Thema in der Kultusministerkonferenz.

Die Zeiten des großen Zustroms von Flüchtlingen sind fürs Erste vorbei, doch die neu angekommenen Kinder und Jugendlichen in Kitas, Schulen und Ausbildung zu bringen, ist eine Langzeitaufgabe. Davon, wie gut oder schlecht das gerade Stadtstaaten wie Bremen gelingt, wird mit abhängen, wie es mit der Integration und dem Zusammenleben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergeht.

Seit Donnerstag und noch an diesem Freitag treffen sich Fachminister der Bundesländer im Haus der Bürgerschaft, um über dieses Thema zu sprechen: Die Kultusministerkonferenz (KMK) tagt in Bremen. Zugleich übten die Flüchtlingsräte verschiedener Länder, Pro Asyl und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Kritik. Sie mahnen an, dass bundesweit noch Zehntausende junge Flüchtlinge vom Schulbesuch ausgeschlossen seien.

Dies werde durch eine Bestandsaufnahme der Flüchtlingsräte belegt. Laut Marc Millies vom Flüchtlingsrat Bremen gehen in Bremen mehrere Hundert Kinder und Jugendliche nicht zur Schule, darunter allein rund 200 unbegleitete Minderjährige. „Der unmittelbare Schulzugang ist in Deutschland nach wie vor nicht gewährleistet, wir sehen großen Handlungsbedarf“, betont Millies. Es brauche jetzt genügend Regelschulplätze, einen Schulbesuch spätestens zwei Wochen nach der Ankunft, und der Schulbesuch müsse bis zum Alter von 27 Jahren ermöglicht werden, fordern die Flüchtlingsorganisationen.

73 Flüchtlingskinder auf Warteliste

Die Bremer Bildungsbehörde weist zurück, dass immer noch hunderte Flüchtlingskinder nicht zur Schule gehen. „Auf unseren Wartelisten stehen derzeit insgesamt 73 Kinder“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Allerdings tauchten in der Vergangenheit oft nicht alle Kinder auf, die in den Notunterkünften leben. Für diese 73 Kinder solle es nach den Herbstferien einen Schulplatz geben. Behördenmitarbeiter seien zudem regelmäßig in den Unterkünften, um sich zu erkundigen, ob dort Kinder noch nicht zur Schule gingen, betont Kemp.

Schulplätze für alle geflüchteten Kinder zu schaffen, ist nicht die einzige Herausforderung. Dauerhaft wird es wohl auch noch einmal darum gehen, zu prüfen, wie man verfährt, wenn die Klassen, in denen neue Kinder hinzukommen, noch größer werden. Die Frage, wie man es schafft, so viele neue Schüler aufzunehmen und dabei weder reine Flüchtlingsklassen zu schaffen, noch bestehende Klassenverbände auseinanderzureißen, brachte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) schon im vergangenen Jahr ins Grübeln. Schließlich entschied man sich in Bremen dafür, mehr fünfte Klassen einzurichten und in diesen auch Plätze für Flüchtlingskinder freizuhalten, die erst später hinzustoßen.

Allerdings: Ältere Flüchtlingskinder, die direkt in eine siebte oder achte Klasse kommen, lassen die Klassen dennoch wachsen. „Wir versuchen, die Kinder zu verteilen, aber die Klassenfrequenz steigt schon“, sagt Kemp. Vor allem in den ärmeren Bremer Vierteln sei es schwieriger. „Das Schulsystem ächzt, vor allem in den Stadtteilen, wo es günstigen Wohnraum gibt, zum Beispiel in Bremen-Nord, Gröpelingen und Hemelingen.“

Lesen Sie auch

Klassengröße ist ein Thema

Eine Maximalgröße, ab der Klassen dann doch geteilt werden müssen, will die Behördensprecherin auf Nachfrage lieber nicht nennen. „Größer als 25 bis 28 Schüler an Oberschulen und 30 bis 33 Schüler an Gymnasien sollten Klassen nicht werden“, so Kemp. Wenn die Schülerzahl um mehr als zehn Prozent wachse, würden den Schulen mehr Lehrerwochenstunden zugeteilt. „Aber wenn auf Dauer die Klassen noch mehr wachsen, müssen wir uns andere Konzepte überlegen“, räumt auch Kemp ein.

Auch Eltern fragten zuletzt nach, wie groß Klassen maximal werden können, sagt Andrea Spude vom Zentralen Elternbeirat. Sie spricht sich dafür aus, lieber größere Klassen zuzulassen, und dafür häufiger zwei Lehrkräfte dort einzusetzen. Das allerdings dürfte für Bremen schwer finanzierbar sein.

Von Bedeutung wird für Bremen auch sein, wie man mit Analphabeten umgeht. Einige Flüchtlingskinder haben bisher selten eine Schule besucht, haben auf der Straße gelebt oder waren sehr lange auf der Flucht, mahnten zuletzt die Grünen an. Zudem müsse es auch über die meist einjährigen Vorkurse für Flüchtlinge hinaus eine Sprachförderung an den Schulen geben, forderte die SPD im Parlament.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+