Martina Baden über die Perspektiven der beiden Nordbremer Schwimmbäder

„Alle rein in unser Bad“

Die Freibadsaison startet. Jahr für Jahr werden in Bremen-Nord ähnlich lautende Debatten über die Bäder geführt.
18.05.2015, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Volker Kölling
„Alle rein in unser Bad“

Martina Baden bezeichnet das Freibad in Blumenthal (Foto) als Perle unter den Bremer Bädern.

Christian Kosak

Die Freibadsaison startet. Jahr für Jahr werden in Bremen-Nord ähnlich lautende Debatten über die Bäder geführt. Da ist zum einen das Freibad in Blumenthal, das beständig zu wenig Besucher anlockt. Und da ist das Freizeitbad in Vegesack, das aufgrund seiner Ausstattung nicht alle Gäste überzeugen kann. Und es gibt immer wieder den Vorwurf, die Bäder wären mit ihren Öffnungszeiten nicht flexibel genug. Mit Bäderchefin Martina Baden sprach Volker Kölling.

Frau Baden, wenn man sich die Besucherzahlen in den Nordbremer Bädern anguckt, frage ich mich, ob Sie sich hier nicht selbst ein neues, schickes Spaßbad als Magneten wünschen?

Martina Baden: Wir haben in Bremen-Nord zwei Bäder: Im Freibad in Blumenthal sind wir sehr wetterabhängig. Natürlich würden wir uns freuen, wenn viele Leute zum Schwimmen kommen würden. Wir haben in Bremen aber immer so ein bisschen Vorlauf sobald die Sonne da ist. Schließlich haben wir auch beim Freizeitbad Vegesack einen schönen Außenbereich. Natürlich ist das Freizeitbad Vegesack auch über das ganze Jahr ein Familienbad. Es hat eine tolle Ausstattung, beispielsweise mit den beiden Rutschen. Wir haben außerdem ein Solebecken und ganz vielfältige Kurse. Das Bad macht schon Spaß.

Viele Nordbremer stimmen aber auch ganz einfach ab, nämlich mit den Füßen. Wenn man beim Allwetterbad in Osterholz-Scharmbeck auf den Parkplatz schaut, sind dort die Hälfte der Autokennzeichen aus Bremen-Nord. Was ist dort besser, dass so viele Nordbremer für den Badbesuch in Osterholz-Scharmbeck eine halbe Stunde Autofahrt in Kauf nehmen?

Ich glaube, dass der Badbesuch generell einen hohen Freizeitwert besitzt und die Leute gerne Abwechslung suchen. Umgekehrt verzeichnen wir in Vegesack auch viele Besucher aus dem niedersächsischen Umland. Sie fahren nach Bremen zum Einkaufen und sagen sich: Dann können wir auch noch ins Schwimmbad gehen.

In Osterholz-Scharmbeck hat man im Außenbereich Bademulden, in denen es sprudelt, und Strudel. Wenn man sich Vegesack anschaut, ist doch gerade auch der Außenbereich ziemlich in die Jahre gekommen.

Ob das Bad in die Jahre gekommen ist, kann man meiner Meinung nach nicht einfach so sagen. Es ist einfach ein anderes Konzept. Dass heutzutage neue Bäder konzeptionell anders aufgestellt werden als früher, ist klar. Wir sind in unseren Bädern sehr funktional ausgerichtet. Dafür haben wir als Bremer Bäder GmbH viele Bäder in vielen Stadtteilen. Wir haben in der Summe ein riesiges Angebot. Hätten wir nur ein oder zwei Bäder in der Stadt, könnte ich mir vorstellen, dass sie anders konzipiert wären. Dann würde man dort sicher vieles mehr anbieten und hätte letztendlich eine andere Aufenthaltsqualität. Wir haben funktionale Bäder, können so aber auch besser Kurse anbieten. Das können sie nicht mehr machen, wenn das Bad voller Rutschen ist und andauernd irgendwo etwas sprudelt. Osterholz-Scharmbeck ist von der Ausrichtung her nicht vergleichbar, sondern ein ganz anderes Angebot. Wir sehen es nicht als Konkurrenz.

Wenn man Eltern fragt, wird die Sauberkeit und der Service im Vegesacker Bad moniert. Etwa, dass man im Umkleidebereich fast immer nasse Füße bekommt oder es eben oft keine Pommes gibt.

Das ist uns noch nicht zu Ohren gekommen.

Gibt es in Vegesack aus Ihrer Sicht also gar keine Baustellen? Nichts, zu dem Sie sagen: Da müssen wir noch ein bisschen besser werden?

Wir müssen überall und stetig besser werden. Wir haben bei den Bremer Bädern auch alle diesen Anspruch. Wir optimieren ständig. Wir fragen unsere Kunden und haben ein Beschwerdemanagement. So sind wir ganz dicht dran an den Kunden und ihren Wünschen.

Was sagen die Kunden denn?

Es ist nicht so, dass wir in Vegesack oder Blumenthal ein spezielles Problem hätten. Das sind stark frequentierte Bäder. Wenn es draußen allerdings regnet und deshalb Schmutz hereingetragen wird, müssen wir diesen natürlich schnellstmöglich entfernen. Das ist aber kein spezielles Problem in Vegesack.

Das Freibad Blumenthal ist eigentlich eine Perle. Das große Becken aus Edelstahl ist behindertengerecht und nagelneu. Die Anlage ist toll, und die Leute sind freundlich. Warum kommen dort nicht mehr Gäste hin, muss man nicht viel mehr Marketing betreiben und verstärkt auf Veranstaltungen setzen?

Vom Umfeld her haben wir dort oben im Norden erst einmal zwei Bäder, die auch in einer gewissen Konkurrenz stehen. Wir haben dort eine andere Situation als im Stadtgebiet. Wir betreiben in Bremen-Nord das gleiche Marketing wie in den anderen Freibädern. Und wir haben dort in guten Sommern auch Zahlen, die okay sind. Es wird auch in diesem Jahr ein schönes Event zur Badöffnung mit dem Förderverein geben. Weitere Events werden folgen. Aber man kann das Blumenthaler Bad eben nicht vergleichen mit einem Stadionbad, das ein ganz anderes Einzugsgebiet hat und mitten in der Stadt liegt.

Und Kultstatus hat.

Und Kultstatus hat, ja. Da bitte ich immer, keine Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das Freibad Blumenthal ist tatsächlich eine Perle. Wir müssen insofern alle etwas mehr dahinter stehen. Und wenn ich in Bremen-Nord wohne, sollte ich dort vielleicht einfach mal hingehen.

Das hat Sportsenator Ulrich Mäurer auch schon gesagt.

Aber es stimmt ja auch.

Erhalten Sie aus der Politik noch bedenkliche Signale, die in Richtung Badschließung gehen?

Schließungsängste braucht man nicht zu haben. Wir tragen uns nicht mit dem Gedanken. Und es gibt auch niemanden, der das tut. Es ist ja noch ein sehr neues Bad, das noch so viele Entwicklungsmöglichkeiten hat. Wir sind laufend dabei, dort Dinge zu verändern. Vom Platz her geht auch noch einiges. Für Zeltnächte etwa haben wir woanders ja gar nicht diese Fläche. Insofern sind wir da auch offen. Wer gute Ideen hat und uns unterstützen möchte, kann das tun. Wir sind für alles zu haben.

In direkter Nachbarschaft zum Blumenthaler Bad gibt es das kleine Freibad in Neuenkirchen. Das macht, je nach Wetterlage, auch spontan auf und zu. Kann man nicht kurz entschlossen länger öffnen, wenn das Wetter stimmt?

Wir sind in dieser Hinsicht schon sehr flexibel. Wenn es jetzt schön wird, werden die ersten Bäder geöffnet. Und wir beenden die Saison auch später, wenn das Wetter es zulässt. Zum Beispiel das Schlossparkbad bleibt meist länger geöffnet. So bieten wir eine Möglichkeit für diejenigen, die schwimmen möchten. Aber tagesaktuell geht das nicht. Denn die Anlagen müssen vorbereitet und gereinigt werden. Die Kollegen müssen vor Ort sein, und da muss ich auch ehrlich sagen. Wir sind schon ein etwas größeres Unternehmen und haben Tarifverträge, die einzuhalten sind. Ich kann nicht zu jemandem sagen: Du kannst jetzt nach Hause fahren, aber wenn nachher die Sonne scheinen sollte, kommst du wieder. Solche Konzepte würden sich auch sofort auf die Preise niederschlagen. Wir sind sehr verlässlich. Wir öffnen beständig und schließen auch nicht zwischendurch oder früher. Und die Leute können sich auf eine gewisse Qualität und hohe Standards verlassen. Bei uns ist es sauber und sicher. Um diese Verlässlichkeit gewährleisten zu können, muss ich das auch den Kollegen gegenüber vorleben. Wir haben abends so lange auf, wie es geht. Aber anschließend muss das Bad noch gereinigt werden. Am nächsten Morgen fangen unsere Leute um sechs Uhr schon wieder an zu arbeiten.

Regelmäßige Partynächte gehen im Sommer also nicht?

Das kann man mal machen. Aber wenn unsere Mitarbeiter immer erst um 24 Uhr nach Hause kommen, würde ich gegen das Arbeitsrecht verstoßen haben. Wir haben ein riesiges Interesse an Partys und schönen Events, aber das darf sich nicht verselbstständigen.

In Blumenthal thematisieren Kunden an der Kasse die aus ihrer Sicht zu hohen Eintrittspreise. Kann man in diesem Stadtteil, in dem es einige soziale Brennpunkte gibt und viele Menschen nur über wenig Geld verfügen, diesbezüglich etwas machen? Oder kann es aus Ihrer Sicht nur mit einheitlichen Preisen für sämtliche Bremer Bäder gehen?

Wir haben einheitliche Preise, bieten aber Ermäßigungen an, die man über den Bremen-Pass bekommen kann. Für Kinder und Jugendliche sind die Preise ohnehin schon bewusst sehr günstig gemacht. Wir haben nicht das Gefühl, dass Besucher von den Eintrittspreisen abgeschreckt werden. Wir sind aber trotzdem mit dem Ortsamt in Blumenthal im Gespräch und werden versuchen, etwas hinzubekommen. Außerdem haben wir mit dem Förderverein weiterhin die Übereinkunft, das dessen Mitglieder vergünstigten Eintritt bekommen.

Also lautet der Appell: Alle rein in den Förderverein?

Das ist mein Appell. Dann wird es günstiger. Alle rein in den Förderverein und dann rein in unser Bad.

Zur Person

Martina Baden ist seit dem 1. April 2012 Geschäftsführerin der Bremer Bäder. Aufgewachsen ist sie in Schneverdingen. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat sie unter anderem zehn Jahre in Ostfriesland gearbeitet, zuletzt als Kurdirektorin von Carolinensiel. (kö)

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