60 Kinder aus 20 Nationen treten beim Tanzprojekt „Gigy dance classes“ zur Feier von 60 Jahren Vahr auf

Alle sind die Nummer eins

Vahr. Das gibt es noch? Dass schlecht über jemanden geredet wird, jemand ausgeschlossen wird, wegen einer anderen Hautfarbe oder Herkunft, oder einfach weil er oder sie aus dem falschen Stadtteil kommt? Das Tanzprojekt „Gigy dance classes“ zeigt, dass es anders geht und auch anders ist. Das Tanzprojekt ist eine Initiative der Kitas der evangelischen Kirchengemeinden in der Neuen Vahr, und in diesem Jahr tritt es zu 60 Jahren Vahr, die gefeiert werden, mit 60 Kindern aus über 20 Nationen auf.
22.06.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von EDWIN PLATT
Alle sind die Nummer eins

Mit ihren leuchtend roten T-Shirts hängen sich die Kinder mächtig in die Choreografie rein.

PETRA STUBBE

Vahr. Das gibt es noch? Dass schlecht über jemanden geredet wird, jemand ausgeschlossen wird, wegen einer anderen Hautfarbe oder Herkunft, oder einfach weil er oder sie aus dem falschen Stadtteil kommt? Das Tanzprojekt „Gigy dance classes“ zeigt, dass es anders geht und auch anders ist. Das Tanzprojekt ist eine Initiative der Kitas der evangelischen Kirchengemeinden in der Neuen Vahr, und in diesem Jahr tritt es zu 60 Jahren Vahr, die gefeiert werden, mit 60 Kindern aus über 20 Nationen auf.

Die Christuskirche, die Heilig-Geist-Kirche und die Dreifaltigkeitskirche unterhalten zwei Kitas und eine Krippe mit insgesamt 218 Kindern. Die Fünf- und Sechsjährigen, die bald in die Schulen wechseln werden, sind in der Gruppe „Gigy dance classes“ aktiv. Sie alle tragen rote Shirts mit weißem Schriftzug, der ihren Namen wiedergibt mit der Aussage „... ist Nummer 1“. Jeder und jede ist also eine Nummer eins. Gesponsert wurden die Shirts jährlich wechselnd, mal von der Bremer Sparkasse, mal von der Gewoba, auch durch Team-Shirt. Nummer eins ist jedes dieser Kinder für seine Leichtigkeit, mit der Integration und Anerkennung praktiziert werden.

Silvia Frieber aus Kirchwalsede ist eine der sieben erwachsenen Mitwirkenden beim Tanzprojekt und Beschäftigte in einem der Kindergärten: „Sprachschwierigkeiten gibt es mit den Kindern kaum. Die Kinder lernen schnell beim Spielen, beim Singen, bei Gedichten und beim Tanz. Sprachschwierigkeiten erleben wir eher mit Eltern.“ Gerade toben die 60 kleinen Tänzerinnen und Tänzer in einer Pause bei der Generalprobe durch das Schiff der Heilig-Geist-Kirche mit ihren altehrwürdigen Glasbildern biblischer Szenen. Ob es schwer ist, die Kinder zur Ruhe zu bringen, braucht Silvia Frieber nicht zu beantworten, denn eine Kollegin schnippt bereits mit den Fingern. Ein Geräusch, das nicht zu laut ist, sich aber durchsetzt. Es fordert die Kinder auf, sich wieder in den Tanzkreis zu begeben, und die Kinder folgen diesem Impuls.

„In den Kitas sind auch nur 20 in einer Gruppe“, sagt Frieber, stockt und ergänzt, „bald 21“. Dass Frieber über Bremens politische Entscheidung, das Betreuungsniveau für Kinder abzusenken, nicht begeistert ist, klingt durch. Dass Friebers begeistertes Engagement für Kinder nachlässt, ist nicht zu fürchten.

Beat setzt ein. Eine Stimme rappt dazu. Alle 60 Kinder und die Betreuer folgen einer Choreografie. Blonde Haare und rote, brünette und schwarze wippen oder fliegen schwungvoll im Takt. Helle Hautfarbe oder dunkle, das spielt keine Rolle, hier kommen alle zusammen. Für diese Kinder ist das normal.

Mit „Gigy dance classes“ sind die 60 Kids zur Feier der Vahr auf dem Spielplatz­ ­Philipp-Scheidemann-Straße, in der Heilig-Geist-Kirche und in der Christuskirche ­aufgetreten, bevor es in die Sommerferien ging.

„Sprachschwierigkeiten gibt es mit den Kindern kaum.“ Silvia Frieber vom Tanzprojekt
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