Ministerin im Mehrgenerationenhaus

Alle unter einem Dach

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) hat das Mehrgenerationenhaus Neue Vahr Nord besucht. Die Bremer Einrichtung liegt in einem Gebiet, wo bezahlbare Wohnungen fehlen.
24.07.2017, 20:42
Lesedauer: 2 Min
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Von Jan Oppel
Alle unter einem Dach

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (2.v.links) besuchte das Mehrgenerationenhaus in der Vahr.

Karsten Klama

Vor der Begrüßung holt sich Katarina Barley (SPD) erst einmal einen Tee. „Ohne den kann ich nicht leben – das habe ich von meinen britischen Vorfahren“, sagt die Bundesfamilienministerin. Anfang Juni hat sie die Nachfolge von Manuela Schwesig angetreten, am Montag besucht Barley das Mehrgenerationenhaus Neue Vahr Nord an der August-Bebel-Allee. Wie die Vorliebe für den Tee ist ihr englischer Vater auch für den Familiennamen verantwortlich: Barley. "Das spricht sich so wie Bob Marley“, raunt eine Frau ihrer Sitznachbarin im Saal zu.

Neben der Ministerin sind auch Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) und die Bundestagsabgeordnete Sarah Ryglewski (SPD) gekommen, um sich gemeinsam die Einrichtung anzusehen. „Mehrgenerationenhäuser sind mein Lieblingsprojekt“, sagt Katarina Barley in Richtung der Mitarbeiter. "Deswegen bin ich ganz gespannt, was Sie mir heute zu berichten haben." Begegnungsorte wie dieser leisteten wertvolle Arbeit für ein generationenübergreifendes Miteinander. Gerade in der Vahr sei das besonders wichtig, sagt Barley. „Das ist ein Stadtteil mit vielen sozialen Herausforderungen." Jedes zweite Kind lebe hier in einem Haushalt, der sein Leben von Hartz IV bestreiten müsse.

550 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland

Im kleinsten Bundesland gibt es fünf sogenannte Mehrgenerationenhäuser: vier in Bremen und eins in Bremerhaven. In Deutschland sind es etwa 550. Die Mehrgenerationenhäuser wollen Angebote für Alte, Kinder und Migranten unter einem Dach vereinen. Die Einrichtung in der Vahr ist eine von etwa 100 neuen Angeboten, die im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus bis 2020 gefördert werden. Pro Jahr kommen 30.000 Euro vom Bund. Bremen steuert 10.000 Euro bei. Das Wohnungsunternehmen Gewoba stellt das Gebäude zur Verfügung.

Der Zeitplan ist eng. Nur eine Stunde ist für den Rundgang eingeplant. Für eine Tasse Tee reichen der Bundesfamilienministerin aber die zehn Minuten der Begrüßungsrunde. Über eine Treppe geht es ins Café des Hauses. Etwa 30 Gäste kommen dort täglich zum Mittagessen vorbei. Die meisten Besucher sind Senioren. 15 Langzeitarbeitslose organisieren mit fünf Geflüchteten den Betrieb und kochen gemeinsam. Die Zusammenarbeit läuft gut. Am Anfang sei sie schon etwas skeptisch gewesen, sagt Christa Schaade, die seit einem Jahr in der Küche arbeitet. „Aber wir lernen hier viel voneinander – dafür bin ich dankbar." Nach dem Essen treffen sich hier verschiedene Gruppen: vom afrikanischen Trommel-Kurs bis zum Vahrer „Löwen“-Chor.

Mehr Angebote notwendig

Neben dem Café bietet das Mehrgenerationenhaus Kinderbetreuung, Kinder- und Jugendhilfe sowie eine Kleiderkammer. In den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde auf dem Gelände berichtet der diakonisch-pädagogische Mitarbeiter Christoph Buße von der Wohnsituation in dem Viertel. Das Durchschnittseinkommen liege bei gerade 16.000 Euro pro Kopf. Einige Geflüchtete müssten sich mit acht Personen eine Zwei-Zimmer-Wohnung teilen. Da brauche es Angebote wie die des Mehrgenerationenhauses und mehr bezahlbare Wohnungen. „Wir haben die Fördergelder für sozialen Wohnungsbau bereits verdreifacht“, sagt Barley. Aber die Umsetzung brauche Zeit.

Am Ende bemüht die Bundesfamilienministerin noch ein Zitat von Sven Regener, den Musiker und Schriftsteller, der in der Vahr aufgewachsen ist. „In einem Lied seiner Band Element of Crime heißt es: 'Frag mich nicht, woher ich komme, sag, du freust dich, mich zu sehn.' Das passt gut zu den Mehrgenerationenhäusern – alle Menschen sind dort willkommen.

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